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Stadtarchivarin Angelica Tarokic freut sich über ihre Arbeits-, Wohn- und Lebensbedingungen in Rothenburg. Foto: Weber

Stadtarchivarin Angelica Tarokic ist von Arbeit und Wohnort begeistert

„Es ist ein Privileg hier arbeiten zu dürfen”

ROTHENBURG – „Es ist ein großes Privileg hier arbeiten zu dürfen,“ bekennt die neue Stadtarchivarin Angelica Tarokic (34) und freut sich auf die frisch begonnene berufliche Phase mit den Chancen und Herausforderungen einer interessanten Tätigkeit. Als „Herrin“ über die wertvollen Schätze im einstigen Büttelhaus (Gefängnis) möchte sie neben dem wissenschaftlichen Teil ihrer Aufgabe das Stadtarchiv vor allem auch mehr öffnen für Interessierte und es damit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit holen.

Dies soll mit Führungen geschehen, bei denen spezielle Schätze des Ar- chivs ebenso im Blickpunkt stehen wie die frühere Funktion des Gebäudes und auch der unmittelbar anschließende Markusturm. Darüber hinaus plant die neue Stadtarchivarin Workshops (Arbeitskreise) zum Einstieg in die Paläographie (Lehre von alten Schriften) zum Lesen der Fraktur.

Kleine Ausstellungen zu den Beständen des Hauses und auch zu speziellen Themen wie Stadtansichten aus den 30ern (fotografiert von Rothenburg-Besuchern) gehören ebenso zu den Vorhaben wie die gezielte Zusammenarbeit mit Schulen zum Umgang mit historischen Quellen und deren Auswertung im Geschichtsunterricht (Archivpädagogik). Schließlich möchte die neue Archivarin in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion Stadtgeschichte, die Bestände im Archiv und auch deren Erhaltung in interessanter Form zum Thema machen.

Das alles werde allerdings erst in den kommenden Monaten passieren können, kündigt sie an. Im Augenblick befindet sich Angelica Tarokic noch in der Einarbeitungsphase. Ihr Vorgänger Oliver Fieg hat sie dabei unterstützt und Dr. Wilhelm Schnurrer ist ihr in diesen Tagen eine wichtige Hilfe vor Ort. Derzeit beschränkt sich ihre Tätigkeit vor allem darin, Anfragen von Benutzern zu beantworten. Darunter sind Schüler ebenso wie Wissenschaftler und nicht selten suchen Leute, die hier im Stadtarchiv vorbeikommen, um ihre familiären Wurzeln.

Etwa ein Jahr, so schätzt die Archivarin, werde es schon dauern bis sie sich in diese umfangreichen Bestände vor Ort richtig eingearbeitet hat und sich mit ihnen wissenschaftlich auseinandersetzen kann. Von der städtischen Einrichtung am Markusturm sollen, so ist geplant, verstärkt amtliches Schriftgut von Forstamt, Vermessungsamt und Standesamt im Stadtarchiv zusammengeführt und dort auch erschlossen werden. Darüber hinaus ist daran gedacht Praktikanten, Schüler und Studenten aufzunehmen.

Angelica Tarokic lobt die besondere Lebensqualität in Rothenburg und die speziellen Möglichkeiten, die es für sie mit ihrem Ausbildungs- und Interessensschwerpunkt Mittelalter gibt. Für jemand wie sie, die vorher in Ballungsgebieten gewirkt hat, sei es schon etwas ganz Besonderes in Sachen Historie in einer solch historischen Stadt wirken und auch wohnen zu dürfen, betont sie: „Es gibt kaum Vergleichbares.“

Die gebürtige Weinheimerin (Bergstraße) hat in Heidelberg Mittlere und Neuere Geschichte sowie Philosophie studiert und sich dabei besonders aufs Judentum und auf die Hanse sowie auf jüdische Philosophie konzentriert. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über „Die Lübecker Bergenfahrer im Mittelalter“. Den zweiten Magisterstudiengang schloss sie in Jüdischen Studien und in Historischen Hilfswissenschaften an. Darauf baute sie die Laufbahnausbildung des gehobenen Archivdienstes am Landesarchiv Schleswig, an der Verwaltungsfachschule Bad Münder und an der Archivschule Marburg auf. Sie schloss als Archivinspektorin und Diplomarchivarin (FH) ab.

An zahlreichen Projekten und Aufträgen war sie schon während des Studiums beteiligt. Wobei sie immer wieder am Landesmuseum für Arbeit und Technik in Mannheim bei Ausstellungen wie „Kosmos im Kopf“, „Elementa 1“, „Lust am Auto“ mitwirkte und museumspädagogische Erfahrungen sammelte. Als Mitarbeiterin des Stadtarchivs Mannheim arbeitete sie an der Biografie eines früheren Stadtoberhauptes, die sie 2006 als Monogafie unter dem Titel „Hermann Heimerich. Ein Mannheimer Oberbürgermeister im Spiegel seines Nachlasses“ veröffentlichte. Sie brachte sich bei der Umsetzung des Stadtinformationssystems ein und arbeitete in der KZ-Gedenkstätte Sandhofen mit.

Nach ihrem Wechsel in den Norden übernahm sie ein Ehrenamt im Jüdischen Museum Rendsburg, verdiente sich im Stadtarchiv Lübeck, im Landesfilmarchiv Schleswig erste berufspraktische Sporen. Von dort kam sie nach Frankfurt am Main, wo sie an der Universitätsbibliothek zunächst an einem Erschließungsprojekt der Schopenhauer-Gesellschaft tätig war, bevor sie in der Abteilung Musik, Theater und Film unter anderem für die Erschließung von Archivalien aus dem Theaterbereich zuständig war.

Es sei ein Geschenk für sie mit Schwerpunkt Mittelalter hier in Rothenburg arbeiten zu dürfen, betont sie und freut sich darauf, reichlich vorhandene mittelalterlichen Quellen entdecken und Funde heben zu dürfen. Sie schwärmt für die intakte Natur rund um Rothenburg. So manchen Hügel wird man sie per Rad nehmen sehen, denn neben Motorradfahren, Reiten, Yoga, Fotografie, Psychologie und Querflöte gehört das Mountainbiken zu ihren Aktivitäten in der Freizeit.

ww, 11.01.2010


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