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Karin Schmidt: „Ich habe eine Art Service- und Lotsenfunktion.“ Foto: Schäfer

Stadt will mit Wirtschaftsförderin ihre Stärken entwickeln

„Es gibt viele Ideen und viel zu tun“

ROTHENBURG – Kommunale Wirtschaftsförderung umfasst ein vielfältiges Aufgabenfeld. Mit der neuen Wirtschaftsförderin Karin Schmidt gibt es seit November letzten Jahres bei der Stadt Rothenburg eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle als wichtiger Ansatz für Verbesserungen.

Die Diplom-Betriebswirtin und bei der AEG ausgebildete Industriekauffrau aus Detwang sieht sich in ihrer neuen Aufgabe als „Schnittstelle“ zwischen Wirtschaft und Verwaltung. Ihr Büro befindet sich in der Ratstrinkstube über der städtischen Tourist-Information auf dem Stockwerk mit der Grundstücksverwaltung und der Rechnungsprüfung.

Um die neu geschaffene und auf zwei Jahre befristete Halbtagsstelle des Wirtschaftsförderers hatten sich 21 Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Rund 130000 Euro investiert die Stadt in den zwei Jahren in Personal-, Werbungs- und Sachkosten. Wirtschaftsförderin Karin Schmidt arbeitet vormittags von Montag bis Donnerstag oder nach Terminvereinbarung. Zu erreichen ist sie unter Telefon 09861/404-530 oder per Mail (karin.schmidt@rothenburg.de)

Die Bedeutung kommunaler Wirtschaftsförderung ist in den letzten Jahren noch gewachsen, da die Haushaltslage der Stadt Rothenburg angespannt ist und damit der Handlungsdruck steigt. Vor diesem Hintergrund suchten Oberbürgermeister Walter Hartl und der Stadtrat nach Wegen, die Einnahmeentwicklung mittel- und langfristig zu sichern oder sogar zu verbessern.

Die Finanzwirtschaft der Stadt Rothenburg ist auf ihrer Aufgaben- beziehungsweise Ausgabenseite auf differenzierte Weise stark mit der ortsansässigen Wirtschaft verknüpft. Über ihre Bauleit-, Flächennutzungs-, Verkehrs-, und Vorsorgeplanung mit ihrer daraus entwickelten Infrastruktur und den Investitionen verteilt sie in ihrem Geltungsbereich die ökonomischen Chancen der privaten Wirtschaft. Zu dieser Infrastruktur mit Energie- und Transportanbindung sowie der Geländeerschließung gehören gemeindliche Dienstleistungsangebote im Schul-, Ausbildungs-, Freizeit- und Sozialbereich als sogenannte „weiche“ Faktoren der kommunalen Wirtschaftsförderung.
Der Blick auf die Einnahmestruktur der Stadt Rothenburg zeigt, dass das Aufkommen der Grund- beziehungsweise Gewerbesteuer sowie einiger anderer Abgaben ganz oder überwiegend als Einnahmen zur Verfügung stehen und zum großen Teil von den Unternehmen und Betrieben gezahlt wird. Hinzu kommen zahlreiche erhobene Gebühren und Beiträge für kommunale Versorgungsleistungen und Einrichtungen. Diese eigenen Steuereinnahmen, Gebühren und Beiträge bilden auch heute noch das finanzielle Rückgrat des städtischen Haushalts, vor allem, wenn man den Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer hinzurechnet.

Eine erfolgreiche Wirtschaftsförderung eröffnet finanzielle Spielräume. Darüber hinaus wird die Beschäftigungssituation vor Ort durch eine Förderung privater Wirtschaftsaktivität verbessert, was auf der Ausgabenseite zu merklichen Entlastungen führen kann. Die Zahl von Sozialhilfeleistungen bei vorliegender Arbeitslosigkeit – die den Haushalt belastet – wird reduziert.

Angesichts dieser wirtschaftlichen Zusammenhänge sah der Stadtrat auf Anraten des Oberbürgermeisters die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für kommunales wirtschaftsorientiertes Handeln zu verbessern. Durch die Schaffung einer eigenen Stelle, die sich gezielt den drei „klassischen“ Aufgaben der Wirtschaftsförderung widmet: Bestandspflege, Akquisition und Existenzgründung.

In den ersten fünf Wochen ihrer Tätigkeit hat die neue Wirtschaftsförderin bereits Kontakte zu Unternehmen und Wirtschaftsverbänden geknüpft, Betriebsbesuche durchgeführt und Ladenleerstandsmanagement betrieben, in dem sie Interessenten mit Hauseigentümern zusammenbrachte. In den nächsten Wochen und Monaten will Karin Schmidt in enger Abstimmung mit OB Hartl ihre Funktion als Koordinatorin und Initiatorin wahrnehmen und Projekte anstoßen, um Rothenburgs Stärken für Wirtschaft und Arbeitsplätze auszubauen. „Es gibt viele Ideen“, sagt sie, „aber ich muss mich erst einarbeiten.“

Zu den wirtschaftsfördernden Aktivitäten im letzten Jahr gehörte die dreitägige Wirtschaftsmesse in Rothenburg, die regionale, aber auch bundes- und europaweite Marktführer zur Teilnahme motivieren konnte. Mit über neunzig Ausstellern präsentierten sich innovative Firmen aus der Region „mit dem benachbarten Hohenlohe und Baden-Württemberg in Messehallen vor dem Spitaltor. OB Hartl hatte seinerzeit den professionellen Messeveranstalter Dörr und Koltes mit der Organisation betraut und das IHK-Gremium Rothenburg und die Wirtschaftsförderung des Landkreises als Unterstützer gewinnen können.
Davor waren dreißig Jahre ins Land gezogen, ohne dass sich die Stadt des Instruments einer überregionalen Leistungsschau als projekt-orientierte Wirtschaftsförderung bediente, während sich andere Kommunen diese Aufgabe verstärkt zu eigen machen. Die neue Fachkraft soll dazu beitragen, Rothenburgs Entwicklungspotenziale auszubauen.

sis , 12.01.2010


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