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Glückliche Stifter-Familie: Siegfried Schmidt mit Sohn Frank und dessen Frau Alexandra. Foto: diba |
Unternehmer Siegfried Schmidt bringt große Immobilie in Stiftung ein – Leistung belohnen
Förderung für Jugend und Verein ROTHENBURG – Seiner Heimatstadt und seinen Jugendfreunden ist er bis heute eng verbunden, auch wenn es ihn schon lange in die Münchner Gegend nach Grafing verschlagen hat: der Unternehmer Siegfried Schmidt sorgt jetzt dafür, dass seine Beziehung zu Rothenburg durch eine Jugendstiftung noch dauerhafter wird. Jedes Jahr sollen daraus einige zehntausend Euro der Förderung leistungswilliger junger Leute zugute kommen. Siggi Schmidt, Jahrgang 1942, ist in Rothenburg im Alten Keller, gleich schräg gegenüber vom Staudacher-Haus aufgewachsen, wie er betont. Sein Vater kehrte nicht mehr vom Krieg zurück und seine Mutter musste eine Familie mit acht Kindern großziehen. Davor hat er ebenso großen Respekt wie vor der Lebensleistung von der damaligen Nachbarin Marie Staudacher, die in einfachsten Verhältnissen ebenso eine achtköpfige Familie zu versorgen hatte.
Der Autor Gunter Haug hat die Geschichte in seinem Buch „Niemands Tochter“ erzählt, das ein Bestseller wurde. Nun sind beide Mütter sogar in der Stiftungs-Präambel von Siegfried Schmidt verewigt, denn dort heißt es:
Die Stiftung wird zu Ehren zweier außergewöhnlicher Frauen, meiner Mutter Pauline Schmidt und ihrer Freundin Maria Staudacher errichtet. Beide haben durch übermenschlichen Einsatz und unendliche Liebe zusammen sechzehn Kinder in der schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeit in einfachsten Verhältnissen großgezogen. Darüber hinaus wurden sie für mich und meine Familie lebenslang ein leuchtendes Vorbild in Bezug auf Opferbereitschaft und Nächstenliebe.
Benachteiligte fördern
Zugleich aber drückt Siegfried Schmidt in der Präambel auch seinen Dank „an ungenannte Rothenburger Bürger“ aus, die ihn, wie er schreibt, in seiner „geistigen, körperlichen und musischen Entwicklung“ in der Jugend betreut und gefördert haben. Die Stiftung trägt den Namen „Jugendstiftung Schmidt“ und hat den Zweck „der Förderung der Leistungsbereitschaft der Jugend im Einzugsgebiet der Stadt Rothenburg“. Dabei geht es laut Satzung um körperlich-sportliche, um geistig-naturwissenschaftliche und um seelisch-künstlerische Leistungen. Und man möchte „bei vergleichbaren Ergebnissen Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien besonders berücksichtigen“.
Schon im Jahr 1962 im Alter von zwanzig Jahren hat Siegfried Schmidt Rothenburg verlassen. Seine zwölfjährige Bundeswehrzeit nutzte er optimal für das berufliche Fortkommen, besuchte die Bundeswehr-Hochschule und studierte Luft- und Raumfahrttechnik. Er wurde EDV-Spezialist und hat für die Olympiade 1972 im Rahmen der Bundeswehrbeteiligung das gesamte Möblierungsprojekt logistisch mit der damals noch am Anfang stehenden Datenverarbeitung umgesetzt.
Das erleichterte den Übergang in die Privatwirtschaft. Der erfolgte 1974 in ein mittelständisches Unternehmen des Werkzeug-Großhandels. Bald übernahm Siegfried Schmidt bis 1991 als Geschäftsführer die Leitung eines namhaften Nürnberger Betriebes der Werkzeugbranche.
In seinem weiteren Berufsleben stieg er ins Immobiliengeschäft ein, kaufte Häuser, sanierte sie und verkaufte wieder. Das Engagement betrieb er auch nachhaltig in seiner Heimatstadt, wo er unter anderem das gesamte 6700 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Firma Bohne erwarb, als diese aufgeben mußte. Das Areal vermietet er bis heute nach einem Umbau an mehrere Firmen. Das reicht von Schopf-Dekoreno und der SM-Reinigung über den Getränkemarkt Haas und Fahrrad-Krauss bis zur Bastelstube.
Rund viereinhalbtausend Quadratmeter Verkaufsfläche sind vermietet.
Das ganze Objekt wurde jetzt in die rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts, wie es exakt heißt, eingebracht und der größere Teil des Erlöses aus den Einnahmen fließt künftig Jahr für Jahr in die Stiftung. Die Stifterfamilie rechnet mit Beträgen, die jeweils zwischen vierzig- und achtzigtausend Euro liegen können, wobei dies von der Wirtschaftslage mit abhängig sein wird.
Immerhin hat damit die private Stiftung schon im Startjahr die gerade ins Leben gerufene Städtische Stiftergemeinschaft mit ihrer Sport- und Kulturstiftung weit übertroffen. Gedacht ist an Zuwendungen an örtliche Vereine, vor allem (aber nicht nur) den TSV, an die Auslobung von jährlichen Preisen und in Ausnahmefällen an die Vergabe von Stipendien an besonders begabte Jugendliche aus sozial schwachen Familien. An der Spitze der Stiftung steht der Vorstand, zu dem der Sohn Frank Schmidt als Vorsitzender und seine Frau Alexandra als Stellvertreterin gehören.
Der Stiftungsrat soll zusammen mit einem „Findungsgremium“ dafür sorgen, dass die Mittel satzungsgemäß sinnvoll eingesetzt werden. Oberbürgermeister Hartl ist mit eingebunden, ebenso der Vorsitzende der VR-Bank Gerhard Walther. Stiftungsratsvorsitzender ist Rainer Teschner, Stellvertreter Siegfried Schmidt und auch der Bauunternehmer Christian Stein gehört dem Gremium an.
„Ich habe die bedeutende Arbeit der Sportvereine immer sehr geschätzt?“ hebt Siegfried Schmidt hervor, der stark geprägt von der Notzeit nach dem Krieg, die er im Alten Keller erlebte etwas Gutes für seine Geburtsstadt tun will. Es sei ein großes Vermögen angewachsen, dass er nicht einfach wie üblich vererben wolle. Stiftungen erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit, letztlich lassen sie auch Mittel, die sonst zum Teil in Form von Steuern dem Fiskus zukämen, in gemeinnützige Projekte fließen. Selbst das Vererben wird unter Umständen sehr teuer, so dass auch hier eine Stiftung Vorteile haben kann.
Dankbare Kommunen
Auf solche Überlegungen setzen auch Stadt und Sparkasse, die gemeinsam die Stiftergemeinschaft Rothenburg begründet haben und nun in die Werbung gehen, um möglichst viele zu animieren ihr Vermögen segensreich zu verwerten. Auch lassen sich solche Projekte dauerhaft mit dem Namen des Stifters verbinden. Bereits ab 25000 Euro ermöglicht das städtische Stiftungsmodell den Einstieg in eine persönliche Stiftung. Sowohl dabei wie auch bei der Jugendstiftung Schmidt sind Zustiftungen möglich.
In einer Zeit knapper öffentlicher Haushalte sind die Kommunen für jeden großzügigen Stifter und Spender dankbar. Ein herausragendes Beispiel ist die seit vielen Jahren bestehende Stiftung Baumann mit der einzigartigen Waffensammlung im Reichsstadtmuseum. Ohne die großzügige Hilfe dieses Rothenburger Unternehmers wäre das hochdefizitäre Museum ernsthaft gefährdet. So kann eine private Stiftung auch dazu beitragen, dass wichtige Kultureinrichtungen überleben. diba
diba, 22.01.2010 |