Überraschung am Reichsstadt-Gymnasium Rothenburg
Schulleiter geht zum Halbjahr ROTHENBURG – Im Reichsstadt-Gymnasium Rothenburg wird in Kürze die Stelle des Schulleiters frei. Der bisherige Amtsinhaber, Oberstudiendirektor Anton Gernert (60), wechselt zum Ende des Schulhalbjahres auf den Chefsessel im etwas kleineren Gymnasium Marktbreit, wo er vor vielen Jahren sein Abitur machte und später als Lehrer über zwanzig Jahre unterrichtete. Bis ein Nachfolger für die staatliche Einrichtung in Rothenburg gefunden ist, sind die beiden Stellverteter Heinz Volkamer und Harald Schelter gefordert, denn die Stelle des Leiters wird erst zum 1. August neu besetzt. Nach Angaben von Nicole Steinbach, Pressesprecherin beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in München soll personelle Verstärkung (Zuweisung von Referendaren und zusätzliche Anrechungsstunden) für Entlastung sorgen. Die Oberste Schulbehörde versicherte, ihren Beitrag „für einen reibungslosen Übergang“ zu leisten.
Der Stabwechsel kam überraschend. Viereinhalb Jahre leitete der Ochsenfurter das über achthundert Schüler zählende Reichsstadt-Gymnasium, das im vergangenen Jahr durch das neue G8-Modell einen großen Abiturjahrgang ins weitere Leben entließ. Zuvor war er als stellvertretender Schulleiter am Siebold-Gymnasium Würzburg tätig, wo er Aufgaben der Personalplanung und die Vorbereitung der Unterrichtsverteilung übernahm.
Neben seinem Beruf engagiert sich der Sozialdemokrat seit Mitte der 80er Jahre in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Ochsenfurt als SPD-Fraktionschef und Kulturreferent im Stadtrat. In Marktbreit war die Stelle des Schulleiters freigeworden, nachdem der bisherige Amtsinhaber Heinrich Voit aus gesundheitlichen Gründen Ende Oktober seine Dienstzeit vorzeitig beendete. Das Kultusministerium hatte seiner Bitte entsprochen, nachdem er schon in den vergangenen eineinhalb Jahren gegen eine schwere Erkrankung kämpfte.
Mit dem Wechsel ans Gymnasium nach Marktbreit, das momentan 750 Schüler zählt, verkürzt sich für Anton Gernert der tägliche Weg zur Arbeit. Dort trifft er auf den stellvertretenden Schulleiter Armin Forster, ein langjähriger Kollege, dessen Chef er nur wird. Bisher pendelte der Schulleiter zwischen Ochsenfurt und Rothenburg.
Der 12-köpfige Elternbeirat des Reichsstadt-Gymnasiums wusste bereits vor den Weihnachtsferien vom Weggang des Schulleiters. Vorsitzende Ute Kraus zeigte sich im Gespräch mit der Redaktion zuversichtlich, dass der Schulbetrieb die Übergangsphase ohne größere Probleme bewerkstelligt. „Das Kollegium ist gut eingespielt und im zweiten Halbjahr gibt es ohnehin Umstellungen im Stundenplan.“
Der frühere Schulleiter Rainer Teschner, der 24 Jahre an der Spitze des Reichsstadt-Gymnasiums stand, hat der Schule nach der Pensionierung noch nicht ganz den Rücken gekehrt. Er gibt noch zeitweise Mathematik-Unterricht und nutzt ansonsten seine Freizeit, um sich ehrenamtlich für die Kulturarbeit in Rothenburg zu engagieren.
Die Voraussetzung für eine Direktorenstelle in einem staatlichen Gymnasium sind eine erfolgreiche Unterrichtstätigkeit, ausgeprägte pädagogische Fähigkeiten, Erfahrungen in der Schulverwaltung beziehungsweise Personalführung, Erfahrungen in der Schulentwicklung sowie die Bereitschaft zur Fortbildung in allen leitungsspezifischen Aufgabenfeldern. Auch kommunikative und soziale Kompetenz, Innovationsbereitschaft, hohe Belastbarkeit und gründliche Kenntnisse des Schul- und Dienstrechts sind wichtige Kriterien. Es können sich Beamtinnen und Beamte (Besoldungsgruppe A 14 und höher) mit den Prüfungen für das Lehramt und Unterrichtserfahrungen an Gymnasien unter Angaben von Prüfungsjahrgang und Fächerverbindung bewerben. Die Entscheidung über die Ernennung des neuen Schulleiters oder der neuen Schulleiterin trifft das Kultusministerium. sis, 25.01.2010 |