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Leidenschaftlich und das Publikum mitreissend: „Campaloona“ in der Molkerei wollten die Gäste nicht mehr gehen lassen. Foto: diba

Eine Idee bewährt sich in fünfter Auflage – Aus Erfahrung lernen

Kneipen wurden zum Musik-Boulevard

ROTHENBURG – Die Erfolgsgeschichte des Kneipenfestivals setzt sich fort. Die fünfte Auflage konnte am vergangenen Samstag mit einer weiteren Steigerung der Besucherzahlen aufwarten. Rund 2500 Gäste lockten die achtzehn unterschiedlichen Bands und Gruppen in die siebzehn teilnehmenden Lokale innerhalb und außerhalb der Altstadt.

Veranstalter Martin Riedel von Kammer-Events Ansbach sprach gegenüber der Redaktion von einem „erfreulichen Ergebnis“. Der Kammerspiele-Gastronom ist einer der Initiatoren, der seit 1998 mittlerweile zwischen fünfzig und achtzig Kneipenfestivals erfolgreich in der Region durchführt. Unter anderem in Bad Windsheim, Wolframs-Eschen­bach, Zirn­­dorf, Herrieden, Weißenburg und Ansbach. Junge Leute und Erwachsene bis ins Rentenalter aus Rothenburg und Umgebung bringt die Kneipen-Tour mit ihrem breiten musikalischen Angebot auf die Beine. Auch Studenten hatten ihren „Heimat­urlaub“ danach ausgerichtet, um Freunde und alte Bekannte zu treffen.

Von ursprünglich dreizehn Lokalen und vierzehn Bands im ersten Jahr 2006 hat sich das Rothenburger Kneipenfestival kontinuierlich entwickelt. Mit 17 Kneipen und 18 Bands hat die Veranstaltung noch immer eine Größen­ordnung mit familiärer Atmosphäre. Die meisten Lokale sind von Anfang an dabei. Wie etwa der „Greifen“, der sich mit der Gruppe „EKS“ aus dem bayerischen Dittenheim schon eine eigene Fangemeinde erarbeitet hat mit den Musikklassikern von Irish Folk, Blues und Rock. Außerdem gehörten die bekannten Lokalgrößen Campaloona und das Chico Diaz Orquesta zu den Zugnummern. Guiseppe Di Prima war im „Zaliglo“ in zweierlei Funktion tätig: als Wirt und Alleinunterhalter.

In den altbekannten Lokalen ließ sich auch wieder Neues entdecken. Im „Landwehr Bräu am Turm“ begeisterten die Musikerinnen „The ­Crown Jewels“ mit Country-Hits von Hank Williams, Johnny Cash und Dolly Parton. Das attraktive Duo mit aussdrucksstarker Stimme hebt sich von der Masse ab. Monika Romanovska gehört zur Klasse der Profimusikerinnen und spielte in internationalen Bands. Je nach Bedarf greift sie zu Gitarre, Geige oder Mandoline für gefühlvolle Balladen oder rockige Nummern mit basslastigem Country-Groove.

Absoluter Andrang bei dem sogar Interessierte draußen warten mussten, herrschte im „Dideldum“. Dort heizte die Band „J.B. & The Heat“ mit der temperamentvollen Sängerin Jenny Boneja ein. Rhythmus und heißer Rock waren gefragt. Und auch in der Molkerei ging es heiß her mit der Band „Campaloona“, die einen musikalisch perfekten Auftritt hinlegte, so dass es ohne Zugaben nicht abging. Zu späterer Stunde sorgte „X-Large“ für harten Partyrock und Metal-Klänge.

Zu den neu teilnehmenden Lokalen gehörten diesmal die „Klatschtheke“ und das „Alte Guckloch“. Das Publikum wählt seine Route nach unterschiedlichen Kriterien aus. Die einen „klapperten“ alle Kneipen ab, andere suchten ihre Lieblingslokale aus oder orientierten sich gezielt an der Musik­richtung. Zwei Frauen aus Rothenburg erzählten, dass sie auf Nichtraucher-Lokale aus sind. Eine Gymnastikgruppe nahm sich die Lokalitäten vor, „in denen wir bisher noch nicht waren“. Für manche war auch der Weg das Ziel „Wir haben am Spitaltor geparkt und laufen im weiten Bogen durch die Stadt“, erzählten junge Schrozberger. Angesichts der Schneeberge in der Altstadt ließen viele Gäste ihr Auto vor der Stadtmauer stehen und begaben sich trotz Eiseskälte zu Fuß auf abendliche oder nächtliche Tour. „Draußen bibbert man, aber drinnen wird einem schnell warm“, meinte eine Schillingsfürsterin.

In einigen Lokalen herrschte drangvolle Enge. Manche Musiker waren so in die Ecke gedrängt oder eingezwängt zwischen Garderobe und Theke, dass ihnen die Gäste fast auf die Füße traten. Es gab auch Lokalitäten, in denen wenig oder fast nichts los war. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Junge Leute aus Rothenburg wünschten sich auch Metal und Punk als Musikangebot.

„Wir gehen gern auf Wünsche ein“, sagte Martin Riedel, „aber Bands und Kneipen müssen auch einigermaßen zueinander passen“. So ist klar, dass man aus den jüngsten Erfahrungen lernt und die Auswahl eventuell nochmals überarbeiten. Der Veranstalter betont, dass es ihm darum geht für das Kneipenfestival insgesamt auf ein entsprechend gutes Niveau der unterschiedlichen Angebote zu achten.

sis, 02.02.2010


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