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Aufmerksam verfolgen Mitglieder und Gäste den Jahresbericht des Verbands. Foto: Pfänder

Der VlF kann schon auf neunzig Jahre zurückblicken

Zuversicht für Europas Landwirte

ROTHENBURG – Der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) hat in seiner Jahrershauptversammlung auf neunzig Jahre seines Bestehens zurückgeblickt. Über einen Zeitraum von drei Generationen betreibt der VLF Rothenburg eine vielseitige und umfangreiche Erwachsenenbildung. In seinem Festvortrag gab sich Dr. Ingo Friedrich zuversichtlich, was die europäische Landwirtschaft trotz der gewaltigen Herausforderungen in der Zukunft betrifft.

Zu der gut besuchten Versammlung am Samstagnachmittag im Theatersaal der Evangelischen Tagungsstätte im Wildbad konnte der VLF-Vorsitzende und Bürgermeisterr von Ohrenbach Robert Karr auch eine Reihe von Gästen und Ehrengästen willkommen heißen. Seit 1998 bereits führt Karr den Verband.
Vor der offiziellen Veranstaltung hatte Vorsitzender Karr die ehrenvolle Aufgabe, 89 „Ehemalige“ (32 Frauen und 57 Männer), die vor 50, 40 oder 25 Jahren die Landwirtschaftsschule in Rothenburg besucht hatten (145 zu Ehrende wären es insgesamt gewesen) zu ehren und eine Urkunde auszu­händigen. Zur Zeit gehören dem VLF Rothenburg insgesamt 1086 Mitglieder an (347 Frauen und 739 Männer).

Als VLF-Geschäftsführer zeigte Landwirtschaftsoberrat Hartmut Schwinghammer in seinem Rückblick auf 90 Jahre ländliche Erwachsenenbildung durch den VLF die wesentlichen Daten und Fakten auf. Im Herbst des Jahres 1920 startete mit zwei Klassen – zunächst in den Räumen des ehemaligen städtischen Schülerheims in der Herrngasse – der Schulbetrieb einer Landwirtschaftsschule Rothenburg. Noch im gleichen Schuljahr wurde der „Verein ehemaliger Landwirtschafts­schüler“ gegründet. Sechs Jahre später wurden auch Schülerinnen aufgenommen und die hauswirtschaftliche Abteilung eröffnet. Die Gründung der Landwirtschaftsschulen (bereits 1835 hatte der Rothenburger Geheimrat Christian Wilhelm Albrecht die erste landwirtschaftliche „Winterschule“ aus der Taufe gehoben) trugen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wesentlich mit dazu bei, die immer größer werdende Lücke zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ihrer praktischen Umsetzung zu schließen, führte Schwinghammer aus. Gleichzeitig reifte die Erkenntnis, dass das in der Schule vermittelte Wissen nicht für ein ganzes Berufsleben ­reichen könne. „Diesen Weiterbildungsauftrag nahm sich der Ehemaligenverband an. Er zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des VLF“, sagte der Geschäftsführer. Bereits in den Anfangsjahren fanden landwirtschaftliche Exkursionen und Flurgänge statt. Den Lehrfahrten zu beispielhaften Betrieben wurde ein großer Wert beigemessen.

Der Verein forcierte auch den Neubau einer Landwirtschafts­schule in Rothenburg, der dann im März 1952 eingeweiht wurde. Der VLF setzte schließlich bei der Erwachsenenbildung verstärkt auf ein differenziertes Angebot, da immer mehr Betriebe den Weg der Schwerpunktbildung gingen. Die Arbeit ließ aber auch Raum für die Begegnung von Mensch zu Mensch. Dazu dienen auch heute noch gemeinsame Lehrfahrten, die Treffen der Jubiläumsjahrgänge und die Bälle. „In den vergangenen 90 Jahren gab der VLF Hilfestellung, die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen und die immer neuen Herausforderungen zu meistern“, zog Schwinghammer (seit 2004 Geschäftsführer) bei seinem interessanten Rückblick das Resümee. Bürgermeister Kurt Förster, Landrat Rudolf Schwemmbauer, MdL Klaus-Dieter Breitschwert und Bauernverbandsvize Jürgen Ströbel übermittelten dem Jubilar herzliche Glückwünsche und sprachen in ihren Grußworten die veränderten und schwierigen Bedingungen in der Landwirtschaft an. In seinem engagierten Vortrag zum Thema „Europa an der Wende“ machte Dr. Ingo Friedrich, Präsident des Europäi­schen Wirtschaftssenats, den Bauern und Bäuerinnen Hoffnung und Mut für die Zukunft und gab sich zuversichtlich, dass „wir die Herausforderungen bewältigen können“. All die Veränderungen könnten nicht gestoppt oder verhindert werden. „Sie kommen, ob wir wollen oder nicht“, betonte Friedrich. Aber die Politik müsse versuchen, den Wandel möglichst mensch­lich zu gestalten und „den Mut haben, auf das Kurzfristige nein zu sagen und auf das Langfristige zu setzen“.

In seinem Ausblick sprach Alexander Küßwetter, Bereichsleiter Landwirtschaft am AELF Ansbach, die gegenwärtigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft (wie die Globali­sierung der Märkte) sowie den Strukturwandel im ländlichen Raum an und verwies auf die sich daraus ergebenden Folgen und zu ziehende Folgerungen. „Eine immer offener werdende, sich weiter differenzierende Volkswirt­schaft bietet aber auch viele Chancen, die sich in der Vergangenheit in dem Umfang nicht geboten haben“, sagte Küßwetter. In der Zukunft werde die Bedeutung der ländlichen Erwachsenenbildung noch zunehmen, betonte er. Die Versammlung wurde von einem Bläserquintett der Bauernkapelle Ohrenbach musikalisch umrahmt.

Ein ausverkauftes Haus hatte dann der traditionell am Abend folgende „Ball der Landwirtschaft“ im Theatersaal. Der wurde allerdings erstmals als richtiger Gala-Abend mit festlichem Buffet abgehalten. Wegen der großen Nachfrage mussten von den ursprünglich geplanten 170 Karten auf 190 Karten aufgestockt werden. Trotzdem konnten nicht alle Interessierten den Ball besuchen. Die dreiköpfige Band „Diebacher Musikanten“ bereite­te mit ihrer flotten Tanzmusik allen Tanzbegeisterten eine große Freude. Die Tanzfläche war vom ersten Takt an gut besucht und so manches Tanzpaar legte eine heiße Sohle auf das Parkett.
Das Küchen- und Serviceteam des Wildbades verwöhnte die Gäste mit einem kalt-warmen Buffet und allerlei Spezialitäten. Die Ballbesucher waren alle begeistert von diesem herrlichen Abend. „So ein schönes Fest sollte wieder stattfinden.“

hap, 03.02.2010


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