Zur Startseite FRÄNKISCHER ANZEIGER
Suchen & Finden
Suche starten
Nachrichten 06.09.2010, 12:39 Uhr

Minimarkt
Kleinanzeigenmarkt für Rothenburg und Umgebung

Gestrichelt
Veranstaltungen
< September 2010 >
MoDiMiDoFrSaSo

 

 

www.rothenburg.de
Bild der Woche
Rothenburg-Wetter
ROTABENE Medienhaus
Aus der Rubrik Aus der Stadt
 

Springen 1997: Erik Päßler fliegt dem Sieg entgegen.

Rothenburg hätte noch immer das Zeug zum Skispringen

Taubertalschanze bräuchte Impuls

ROTHENBURG – Schade, dass die Zeiten großer Skispringen auf der Taubertalschanze scheinbar endgültig vorbei sind. Das gilt gerade in Wintern wie diesem, der mit seinen guten Schneelagen selbst in sonst eher benachteiligten Gebieten ohne weiteres solche Wettbewerbe zuließe.

Wir sprachen darüber mit Walter Lassauer, der Rothenburg als Leiter der Skiabteilung des einstigen und im Jahr 2000 in den TSV übergegangenen ASV denkwürdige Tage beschert hat. Nicht von ungefähr gerade mit ihm: Die Stadt an der Tauber war unter seiner Ägide auf dem bes­ten Wege, sich zum weithin anerkannten mittelfränkischen Standort für Skispringen in Stellung zu bringen.
Vor über zwanzig Jahren (1988 bis 1990) wurde die Taubertal-Sprungschanze, die in den 50er Jahren von der Oberstdorfer Skisprunglegende und Schanzenkapazität Heini Klopfer gebaut worden war, umfangreich nachgebessert und auf die Erfordernisse eines Wettbewerbs mit Sprüngen um die 40 Meter ausgelegt. Über die Hälfte der damals veranschlagten und eingereichten Kosten von rund 50 000 Mark für eine FIS-gerechte Renovierung der heruntergekommenen Sprunganlage an der Engelsburg sei in Eigenleistung erbracht worden.

Lassauer: „Den Bedingungen der genehmigenden Stellen vom Bayerischen Skiverband, vom Bayerischen Landessportverband BLSV und vom Freistaat Bayern haben wir uns klaglos gefügt und kräftig in die Hände gespuckt. Den kleineren Teil der Restsumme von etwas über 20000 Mark brachten der Staat, der BSV, der Bezirk Mittelfranken, der Kreis Ansbach und die Stadt Rothenburg auf.“
Mit den damaligen Plänen und Vorhaben sei man total auf dem Boden geblieben und habe verantwortlich gewirtschaftet. Das Ergebnis gab den Aktivisten Recht: Nach Fertigstellung hatte die Taubertal-Sprungschanze wieder die verlangte FIS-Zulassung (mit Wettkampfnummer) für alle Nordischen Wettbewerbe.
Für viele Rothenburger sei das damals allerdings ein Unding gewesen, erzählt Lassauer: „Ich war wirklich einige Jahre (bis zum ersten Springen) dem ausdauernden Gespött mancher Zeitgenossen ausgesetzt und brauchte starke Nerven, um den öffentlichen Druck auszuhalten. Dabei waren wir ausgeprägte Visionäre aber keine Spinner!“

Dankbar erinnert sich der Skisport-Motor von der Tauber an all jene, die ihn unterstützt haben: Die Stadt Rothenburg habe von Anfang „die Stange gehalten“, ebenso das Rothenburger Technische Hilfswerk (THW) damals noch unter der Leitung des damaligen Ortsbeauftragen und später unter Hans Schwab. Die Genannten und auch viele Ungenannte hätten einen Großteil dazu beigetragen, dass das „Premierenspringen“ am 24. Feb­ruar 1991 bei eigentlich aussichtslosen Schneebedingungen doch ein Riesen-Erfolg wurde. Immerhin waren weit über 3000 Zuschauer an die Schanze gekommen.

Ermöglicht wurde der grandiose Anfangserfolg, weil die als neue Landsleute hinzugekommenen Verantwortlichen und Aktiven aus den erzgebirgischen Springerhochburgen Klingenthal und Oberwiesenthal Lassauer und denen an seiner Seite beispiellos und ohne Wenn und Aber unter die Arme griffen. Doch mit jenem ersten Springen im Januar vor 19 Jahren war die kurze Erfolgsgeschichte der Taubertalschanze noch nicht zu Ende.

Nach jahrelangem Mangel an Schnee oder Schnee zur falschen Zeit, gelang mit dem am 12. Januar 1997 nachgezogenen Neujahrsspringen der Höhepunkt. Weit über 4000 Zuschauer aus nah und fern (teilweise bis aus Bamberg und Heilbronn) konnten sich an den tadellosen Leistungen der Nachwuchsspringer von Sachsen und Thüringen erfreuen. Erstmals seit fast 30 Jahren gingen wieder einmal Rothenburger Nachwuchsspringer über den Bakken an der Taubertal - Schanze.
Lassauer: Es tue sicherlich weh, dass diese Zeit vorbei sei und sich damit dieses Engagement nicht gelohnt habe. Das reichlich vorhandene und von ihm im März 1998 überlassene Kassenvermögen sei „verbraten“ worden bei teilweise sinnlosen Aktionen wie einem vergebenen Groß-Auftrag fürs Rasenmähen an der Engelsburg. Vor einziger Zeit habe sich die Skiabteilung total aufgelöst und sich den Freizeitsportlerin im TSV angegliedert. „Bei meiner Demission hatte der Skiclub fast 180 Mitglieder und einen Nettokassenbestand knapp am fünfstelligen Bereich.“

Während seiner zehnjährigen Amtszeit sei die Skiabteilung immer nur Geber für den Hauptverein gewesen und niemals Nehmer. Im Klartext heißt das aus Lassauers Sicht: „Wir haben nie Zuschüsse verlangt und gebraucht, sondern alles selbst erwirtschaftet.“ Rückbetrachtet habe sich der TSV Rothenburg damals eine Riesenchance entgehen lassen: „Klingenthal, Oberwiesenthal, Lauscha und andere Springerorte hätten uns nach wie vor unterstützt.“

Auch das Angebot vom SV Klingen­thal, Mitte der 90iger Jahre Kunststoff-Matten für die Sprungschanze kostenlos zu überlassen, sei leider nicht verwirklicht worden, da der Hauptverein seine Interessen anderswo sah, kritisiert Lassauer. Seine Nachfolger hätten damals gemeint, die Spezialisten aus dem Erzgebirge oder aus dem Thüringer Wald würden auf Abruf parat stehen, die schon darniederliegende Skiabteilung des TSV zu unterstützen. Allerdings habe eine Kontaktaufnahme nie stattgefunden, obwohl das von der Leitung des Sportvereins wiederholt beteuert worden sei.

„Rothenburg mit einer Sommer-Skisprunganlage! Gar nicht auszudenken, welche enorme Werbung dies vor allen bei der Skisprung begeisterten Nation Japan gewesen wäre,“ sagt Lassauer: „Ein, zwei Sommer-Mattenspringen in jenem Tourismusort, den Besucher aus Fernost so hoch schätzen. Das Tourismusbüro hätte mit diesem einmaligen Pfund wuchern können! Gar nicht auszudenken, was da auch an Einnahmen an den TSV geflossen wäre.“

Er persönlich habe gemeinsam mit seiner Frau nach fast zwanzig Jahren immer noch sehr engen Kontakt ins Erzgebirge. Gerhard Nöbel war damals mit einem Artikel im „Bayernski“ (Oktober 1990) für Lassauer der „Wegbereiter und Erstgeburtshelfer“ bei der Reaktivierung der Taubertalsprungschanze. „Und dies hat uns zu Freunden gemacht, zu echten Freunden,“ betont der Rothenburger.
Von einem „Vorzeigewinter“ 2009/2010 zu sprechen, hält Lassauer genauso für übertrieben wie die Behauptung, die meisten Winter der vergangenen zehn Jahre seien keine ordentlichen gewesen. Es habe im Gegenteil immer wieder erstaunlich viele und gute Schneetage gegeben, die für passable Wintersportgelegenheiten in unserer Gegend sorgten. Selbst am vergangenen Wochenende nach dem großen Tauwetter gab es noch Schnee in Hülle und Fülle an der Engelsburg.

„Mich hatte die Materie Schnee nicht erst seit meiner Zeit in Rothenburg sowohl geschäftlich als auch sportlich immer im Griff, “ betont der Ruheständler und denkt gerne an die großen Tage zurück. Wie oft wohl hat er sich solch prächtige Schneemassen wie im Moment gewünscht zu einer Zeit, als bei ihm in Rothenburg noch die Fäden fürs Skispringen zusammenliefen?

Infiziert vom Skisport war Lassauer von frühester Jugend an. Mit 15 Jahren war er beim ASV-Skiclub als Skispringer aktiv und startete auch in der Nordischen Kombination (Springen und Langlauf). Jahre später, im Januar 1965, nahm er mit dem kleinen, aber feinen Team der Bundesmarine (7 ausgesuchte Mann von fast 700) im Biathlon (damals „Militärischer Patrouillenlauf“) an den Deutschen Militärmeis­terschaften (Heeres-Skimeisterschaften) in Garmisch-Partenkirchen teil.

„Ein unvergessliches Erlebnis war für mich als damals noch blutjunger Mensch allein schon der Einmarsch im Fackelschein beim großen Zapfenstreich ins altehrwürdige Garmischer Olympiastadion,“ erzählt Lassauer: „Gänsehaut-Atmosphäre, die ich heute noch spüre. Vorbereitet wurden wir in einem fast vierwöchigen Trainingslager in der Bundeswehr-Sportschule Sonthofen und in der Hochgebirgskampftruppenschule.“

ww, 08.02.2010


Weitere Artikel der Rubrik

 

Anzeige

Kurz gemeldet
„Also – wat nu?“
Die Tucholsky-Lesung des Kulturforums „Also – wat nu?“ findet am kommenden Mittwoch aufgrund des zu erwartenden beständigen Wetters im Toppler-Theater statt. Bei ungünstiger Witterung wird in den Musiksaal ausgewichen. Beginn ist um 19 Uhr. Antje und Martin Schneider, Berlin, lesen und rezitieren ausgewählte Texte und Lyrik aus dem eindrucksvollen literarischen Werk Kurt Tucholskys. Musikalisch kommentiert von Gabriele Müller am Piano.

Arbeitslosenquote
Leicht angestiegen, wie überall im Bereich der Arbeitsagentur Ansbach zum Ende August, ist auch für Rothenburg und Umgebung die Arbeitslosenquote. Sie liegt jetzt nach 2,9 Prozent im Juli bei 3,1 Prozent und hat damit den zweitniedrigs­ten Wert im regionalen Vergleich. Nur in Neustadt/Aisch ist sie mit 3,0 Prozent noch niedriger. Im gleichen Monat des Vorjahres hatte die Erwerbslosenquote in Rothenburg noch 4,0 Prozent betragen. Auch im Arbeitsmarkt der Tauberstadt schlägt sich die konjunkturelle Erholung nieder. Der leichte Anstieg zuletzt gilt als saisonüblich. Es ist Urlaubszeit und wenige Firmen stellen da ein. Betriebliche und schulische Ausbildungen sind abgeschlossen und junge Leute melden sich auf der Suche nach einer Stelle erst einmal arbeitslos.

Live vom Marktplatz
Kamera-Standorte:


© 2003 Fränkischer Anzeiger, Schneider Druck GmbH
Technische Umsetzung, Programmierung © 2002-2003 Kiessecker Data
unter Einsatz von Rotaweb Content