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Erfreulich: die Läden in der Rödergasse haben fast alle treffende Bezeichnungen. Fotos: diba |
Deutsch oder Denglisch? In Rothenburg gibt es beides
Coffee to go bei Fresh and Free ROTHENBURG – Nicht die „Firma Sale“ hat das Geschäft übernommen, sondern der Schlussverkauf ist im Gange. Wir wollen vielleicht einen Kaffee zum Mitnehmen, aber sicher keinen „Coffee to go“. Ging man früher noch ins Theater, zum Konzert, auf ein Fest oder zur Geburtstagsfeier, so bleibt heutzutage nur noch der Besuch eines „Events“. Und anstatt zu entspannen wird relaxt, nachdem man sich beim Walking fit gemacht hat. Es ist höchste „Time to talk“, wenn es um die Rettung der deutschen Sprache geht! Die Liste der Beispiele, die alle aus Rothenburg stammen, lässt sich beliebig erweitern. Ganz besonders bunt treiben es natürlich bundesweit manche Konzerne, wobei die Telekom den Vogel abschießt. „Web’n’ walk“ wirbt sie als „Hot Spot“ und im „t-mobile-newsletter“ erfahren wir, dass der „relax“-Tarif sehr günstig sei, weil man Mitglied der „Free Move Alliance“ ist und im Rahmen des „Virtual Home Environment-Konzepts“ nahtlose Dienste wie „Voice-Mail“ anbiete. Kundenverwirrung und Wichtigtuerei durch Worthülsen und Anglizismen, oft aber auch durch aufgeblähtes Beamten- und Bürokratendeutsch sind an der Tagesordnung.
Die Deutschen, die dank der Fußball- Weltmeisterschaft neuerdings wieder Fahnen schwenken und dabei sind ein demokratisches Nationalbewusstsein zu entwickeln, verraten durch den unsinnigen und unverständlichen Gebrauch von Anglizismen ihre eigene Sprache. Das geht soweit, dass sogar der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger erklärt, künftig müsse man sich vorwiegend in Englisch verständigen, denn Deutsch sei nur noch die Sprache der Familie. Für diesen Blödsinn wurde er mit großer Mehrheit zum „Sprachpanscher 2006“ gewählt.
Doch zurück ins Tauberstädtchen. Hier wurde gerade noch verhindert, dass der Einzelhandelsverband und die Aktionsgemeinschaft anlässlich der „Living and Garden“-Ausstellung (Garten-, Wohn- und Lebenskultur heißt es wenigstens im Untertitel) auch noch zu einem „Red Night Shopping“ einladen, wie es den Mitgliedern vorgeschlagen worden war.
Zum Weidefestival am Wochenende gab es selbstverständlich einen „Bus-shuttle“ und keinen Pendelbus. Zu den „Highlights“ zählt dort „Timbersports“, wem aber das „sportliche Holzfällen“ nicht gefällt, darf sich die „Cattle-Horse-Show“ oder ein „Off-Road“-Ereignis anschauen. Und beim Taubertalfestival war die „Fan-Community“ gefragt, von der sich allerdings die „Tauberplantscher“ erfreulich abheben (so heißt ein Internetauftritt von Festival-Anhängern). Aus dem „Newsletter“ ist zu entnehmen, dass es eine „Sounds for Natures“-Bühne gibt. Und wer Glück hat kommt auch mal „backstage“.
Die besten Aussichten jedoch auf den lokalen Sprachpanscher-Preis hat die kirchliche Jugendorganisation – dabei müsste es gerade dort eher umgekehrt sein. Schließlich ist sogar der populäre Peter Hahne prominentes Mitglied im Sprachverein. Ende Juni lud die Kirche zum „Fresh and Free-Festival“ mit „Check-in-Gottesdienst“ vors Spitaltor ein. Dort durfte „Beach Soccer“ gespielt werden, es gab Aktionen des „Why not?“ zu bestaunen und der Radiosender „Cross-Channel“ moderierte alles. Gespräche führte man im „Time-to-Talk-Zelt“. Grundsätzlich gibt es bei solchen Ereignissen keine Eintrittskarten mehr, sondern nur noch „Tickets“.
 | Wenigstens zweisprachig: Sale und reduziert. | Bei den Geldinstituten und in der Bank-Sprache häufen sich die Sprachblüten. Es wird zum „Powertrade“ für Börsianer über das „Call-Center“ informiert, man lädt zum „Riesterday“ ein, auf „Beamer“ werden Details vermittelt, das „Corporate Design“ hervorgehoben. Ganz schlimm ist es häufig bei Fachvorträgen, in denen die Spezialisten mit Fremdwörtern glänzen wollen.
Ein Blick in die Anzeigenwelt der Zeitung genügt, um die Liste endlos fortzusetzen. Da wird für einen „House-Sitting-Service“ inseriert, Friseure heißen „Hair Attack“ oder „Starcut“, aber erfreulicherweise auch (wie schön und griffig!) „Kamm und Schere“ oder „Haarschneiderei“. Kürzlich hatte man Gelegenheit in einem Rothenburger Laden am „Summer Sale Fashion“ teilzunehmen. Wie überhaupt der gute alte Schlussverkauf oder Ausverkauf einem gewissen „Sale“ Platz gemacht hat. Und dazu lohnt es sich dann mal die eigene „Footwear“ (so der Prospekt eines Herstellers, den ein örtliches Schuhgeschäft auslegt) zu überprüfen.
Von all dem fast erschlagen könnte es sein, dass der Rothenburger Verbraucher einen Elektromarkt aufsucht, um sich zur Entspannung einen Digital-Satelliten-Receiver zu kaufen. Dieser hat eine „Interface“-Schnittstelle und der clevere Verkäufer erklärt ihm dann das tolle „Free-to-Air“-System, ein „On-Screen-Display“ und natürlich ein integriertes „Common Interface zur Aufname von CAM-Modulen“.
Dieser Tage flattert der Redaktion ein freundliches Schreiben einer evangelischen Stiftung aus Kirchberg an der Jagst auf den Tisch, die ein „Event im Schloss“ verspricht (in Mergentheim machten Werbeleute sogar aus dem Kurpark einen „Eventpark“). Als Mitglied eines Freundeskreises Schloss Kirchberg darf man sogar an „Fundraising-Aktivitäten“ teilnehmen und „Zukunftsvisionen live erleben“. Bei soviel Beispielen fällt einem am Schluss höchstens noch der „Crazy Butcher“ ein, wie sich ein Rothenburger Metzger mal nannte, auch die „School-Out-Party“ war nicht ohne. Die Medien und die Verlagsbranche nehmen wir nicht aus, also auch Selbstkritik ist angesagt. Handzettel und Druck statt Flyer und Print sind nur kleine Beispiele. In der Gastronomie wird man ebenso fündig, von der „Happy Hour“ bis zum „Catering“. Auch „After show parties“ fanden in Rothenburg schon statt und im Kulturprogramm wird ein „special guest“ angekündigt. Und in Kürze eröffnet ein „Outlet-Laden“ in einer Rothenburger Shopping-Meile.
Glücklicherweise gibt es immer mehr Initiativen zur Pflege der Sprache. Ausgerechnet in Berlin-Kreuzberg hat man den Reiz kreativer Wortschöpfungen für Kneipennamen entdeckt. Und auch die Rothenburger bieten noch genügend Erfreuliches. In diesem Sinne kann sich die Einkaufsstraße Rödergasse durchaus sehen lassen, denn dort liest man auf großen Holztafeln an den Häusern von der „Sammler-Truhe“, der „Foto-Galerie“, dem Keramik- oder Bäckerladen, von Obst-, Gemüse- und Feinkost, es gibt ein Geschäft namens „Sammelsurium“, einen „Büchermarkt“, Hutladen und sogar ein „Cafe-Stübchen Zuckersüß“.
Das Verhunzen der deutschen Sprache ist manchmal auch reine Gedankenlosigkeit, und so bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele, vor allem auch Betriebe und Organisationen, Behörden und Verwaltungen bereit erklären, künftig mehr auf verständliches Deutsch zu achten, womit nicht nur Anglizismen gemeint sind. So hoffen wir, dass die Rothenburger Mittwochs-Wanderer nicht künftig singen müssen „Das Walking ist des Müllers Lust!“ diba, 18.08.2006 |
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| Fest der Klänge | Festliche Musik für Trompete und Orgel von Stanley, Bach, Mendelssohn, Widor und Busser erklingt beim Nachtkonzert im Rahmen der Reichsstadt-Festtage am Samstag, 4. September, in der St.-Jakobs-Kirche. Ausführende sind das Duo Pliquett und Gast, das seit 1979 gemeinsam konzertiert: Joachim Pliquett, Solotrompeter des Deutschen Symphonieorchesters Berlin, und Avid Gast, Professor für künstlerisches Orgelspiel an der Musikhochschule Lübeck. Mehr als 300 Konzerte haben sie schon im In- und Ausland gegeben und sind beispielsweise bei den Weihnachtskonzerten des Winds-bacher Knabenchores gerne gehörte Gäste in St. Jakob. Karten für das Konzert, das nach dem Feuerwerk um 22.15 Uhr beginnt, sind an der Abendkasse erhältlich.
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| Arbeitslosenquote | Leicht angestiegen, wie überall im Bereich der Arbeitsagentur Ansbach zum Ende August, ist auch für Rothenburg und Umgebung die Arbeitslosenquote. Sie liegt jetzt nach 2,9 Prozent im Juli bei 3,1 Prozent und hat damit den zweitniedrigsten Wert im regionalen Vergleich. Nur in Neustadt/Aisch ist sie mit 3,0 Prozent noch niedriger. Im gleichen Monat des Vorjahres hatte die Erwerbslosenquote in Rothenburg noch 4,0 Prozent betragen. Auch im Arbeitsmarkt der Tauberstadt schlägt sich die konjunkturelle Erholung nieder. Der leichte Anstieg zuletzt gilt als saisonüblich. Es ist Urlaubszeit und wenige Firmen stellen da ein. Betriebliche und schulische Ausbildungen sind abgeschlossen und junge Leute melden sich auf der Suche nach einer Stelle erst einmal arbeitslos.
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