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Botschafter Timken wagt einen Schluck (links seine Gattin, daneben Generalkonsul Nelson). Foto: diba |
US-Botschafter Timken würdigt 220 Jahre alte Verfassung der Vereinigten Staaten
Vom langen Weg in die Freiheit ROTHENBURG – Die Tauberstadt hat ihn nicht enttäuscht. Er habe sie genauso angetroffen, wie man sich das in dieser Jahreszeit vorstelle: als ein bezaubernder, romantischer Ort mitten im Weihnachtsglanz. Für den amerikanischen Botschafter William R. Timken jr. und seine Ehefrau Sue war dies, wie er betonte, genau der richtige Besuchszeitpunkt. In der Reichsstadthalle hielt der Botschafter zum 220. Jahrestag der US-Verfassung die Festrede. Die erst vor zwei Jahren in Rothenburg gegründete deutsch-amerikanische Gesellschaft Westmittelfranken e.V. hatte zu der Festversammlung am Sonntagabend in die Reichsstadthalle eingeladen. Anlass war das 220-jährige Bestehen der amerikanischen Verfassung. Bereits am Nachmittag traf der Botschafter ein und wurde um 17 Uhr vom Oberbürgermeister im Beisein beider Stellvertreter Walter Hartls im Trauzimmer des Rathauses empfangen. Dort trug er sich auch ins Goldene Buch der Stadt ein und genoss die Aufmerksamkeit mit einem „Meistertrunk“ willkommen geheißen zu werden. Während Botschafter Timken zum erstenmal die Tauberstadt besuchte, kennt seine Frau Sue Rothenburg bereits von einem früheren Besuch. Und beide gehören wie so manch andere Prominente aus der großen Politik zur Kundschaft von Käthe Wohlfahrt.
Beeindruckt zeigte sich der US-Politiker vor allem von der weihnachtlichen Stimmung in der Stadt und natürlich besuchte er auch den Weihnachtsmarkt. Dort stand ganz zufällig bei seinem Eintritt ins Rathaus eine Blaskapelle Spalier.
In seiner Willkommensrede und auch später in der Begrüßung bei der Festversammlung erinnerte Oberbürgermeister Walter Hartl an die Bedeutung der Amerikaner im Fremdenverkehr und vor allem daran, dass man nach der Kriegszerstörung auch viele Freunde in den USA hatte, die zum Wiederaufbau beigetragen haben. Er klärte den Amerikaner darüber auf, dass Rothenburg nur zu einem Drittel vom Tourismus lebt und in Wirklichkeit ein wichtiger Wirtschaftsstandort ist, der eine gute Infrastruktur für Gewerbe und Industrie biete.
William R. Timken entgegnete, er freue sich schon lange auf diesen Besuch und sei froh gerade jetzt kommen zu können, wo alles im Lichterglanz erstrahle. Es sei wichtig die Verbindungen zwischen den USA und Deutschland auf allen Gebieten zu fördern, wobei man an jedem Kontakt interessiert sei. Man schätzte sich glücklich in dieser Stadt zu sein, wo man so freundlich aufgenommen werde, sagte der amerikanische Gast, dessen Vorfahren aus Nordrhein-Westfalen stammen.
Nach einem musikalischen Auftakt durch das Stadt- und Jugendblasorchester um 19.30 Uhr in der Reichsstadthalle begrüßte der mit einladende Oberbürgermeister die über 250 Gäste, darunter Vertreter aus Politik und Organisationen. Auch der Regierungspräsident war gekommen. Die Einführungsrede hielt der Präsident der deutsch-amerikanischen Gesellschaft, Norman Blevins.
Die US-Verfassung garantiere seit der Gründung der USA, dass die individuellen Rechte und Freiheiten jedes Einzelnen einen starken Vertreter und Streiter in der Welt haben, stieg Blevins ins Thema ein. Er blickte zurück auf die damals dreizehn britischen Kolonien in Amerika und den Sreit mit dem englischen Mutterland. Im Jahre 1777 wurde der Konförderationsartikel ratifiziert und schließlich kam es zur ersten Verfassung mit einem Staatenbund. Am 17. September 1787 wurde dann ein komplett neues Verfassungswerk verabschiedet. Fünfzig Bundesstaaten und über 300 Millionen Menschen lebten heute auf Grundlage dieser freiheitlichen Verfassung.
Norman Blevins meinte sinngemäß, gerade im Zeichen des Terrorismus müsse man sich auf die freiheitlichen Grundwerte besinnen. Er erinnerte an den Völkerbund und die Vereinten Nationen sowie die Befreiung Europas vom Faschismus im Sinne des Geistes der US-Verfassung. Die Hoffnung läge im Fortbestand der Verfassung, ihrer gelebten und garantierten Werte „und in der nach Glück strebenden Republik für die sie steht”. Norman Blevins: „Einer Nation, unter Gott, unteilbar, mit Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung für alle!“
Für die bilaterale Partnerschaft dankte der Botschafter in seiner Ansprache zunächst der deutsch-amerikanischen Gesellschaft Westmittelfranken. Rothenburg verkörpere „den amerikanischen Traum von einer romantischen deutschen Stadt” und es sei eine Ehre in der „wunderschönen Reichsstadthalle zu sprechen”.
Die US-Verfassung, ihr Grundrechtekatalog (Bill of Rights), habe zunächst nur als Richtschnur für vier Millionen Menschen gedient, sei dann aber in alle Staaten getragen worden. Heute sei sie „das bedeutendste Exportgut der Vereinigten Staaten“. Die Umgestaltung der Besatzungszonen in Deutschland in einen erfolgreichen demokratischen Staat sei ein großer Augenblick der Geschichte der transatlantischen Partnerschaft gewesen. Die friedliche Wiedervereinigung eine „Erfolgsgeschichte der modernen Diplomatie”. In der Erklärung der Menschenrechte seien sich die Verfassungen besonders ähnlich.
Auch im Irak und in Afghanistan brauche es Zeit, ehe die Verfassung greife. Die Welt birge viele Herausforderungen vom Terrorismus und von gegenseitigen ökonomischen Abhängigkeiten, von der Erderwärmung bis zu Aids. Das Völkerrecht erlaube der internationalen Gemeinschaft beim Lösen dieser Probleme das Vorgehen zu koordinieren. Timken sprach die Problematik des Haftrechts im Zusammenhang mit Al Kaida und Taliban an. Die Regierung Bush habe „hart gearbeitet, um internationale Bestimmungen zu finden, die sich auf Terrorverdächtige anwenden lassen”. Man habe das Völkerrecht weder ignoriert noch neu ausgelegt. Man arbeite eng mit Deutschland und anderen Partnern bei der Entwicklung von Rechtsprinzipien zusammen, um den Terrorismus effektiver bewältigen zu können.
Botschafter Timken abschließend: „Entgegen der in Leitartikeln der deutschen Presse geäußerten Meinung stehen die Bürger der Vereinigten Staaten in ihrem Glauben an Rechtsstatlichkeit und moralische Autorität keinem anderen Land nach!” Mit den beiden Nationalhymnen endete die Feier. diba, 10.12.2007 |