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Die beiden Archäologen Regina Däschner und Horst Brehm erforschen in mühevoller Arbeit die Geschichte Rothenburgs. Foto: Schäfer

Der „Tag des offenen Denkmals“ soll die Blicke schärfen

Historische Schätze

ROTHENBURG – Zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, den 14. September gibt es eine Reihe von interessanten Besichtigungsangeboten.
Von 11 bis 16 Uhr werden 45-minütige Rundgänge über die Gerüste der Jakobs-Kirche mit Besichtigung der Bauhütte angeboten. Für die Führung ist Anmeldung im Pfarramt erforderlich unter Telefon 09861/7006-24. Es gibt auch Informationsstände, Jakobs-Säfte, Schauspielerei, Pantomime und Musik mit der Festspielgruppe „Mummenschanz“.

Der Verein Alt-Rothenburg informiert über historische Gebäude beziehungsweise Objekte: die archäologischen Befunde in der ehemaligen Rossmühle im Rothenburger Kappenzipfel (Jugendherberge), die restaurierte Sakristei des ehemaligen Dominikanerinnenklosters (heute Reichsstadtmuseum), den Landturm bei Lichtel im heute württembergischen Teil der Rothenburger Landwehr und die aktuellen Ausgrabungen im Haus Judengasse 14.

Die Rossmühl-Führung mit Bodendenkmalpfleger Horst Brehm beginnt um 11 Uhr. An der Tauber gab es um Rothenburg zwar auch Mühlen, die ganz oder teilweise gewerbliche Aufgaben erfüllten: die Bronnenmühle, die Quellwasser in die Stadt hinaufpumpte, die Hammerschmiede im Schandtaubertal, die Pulvermühle, die Gipsmühle, zwei Walkmühlen (zum Bearbeiten von Textilien), die Papiermühle. Von existentieller Bedeutung waren aber immer die Getreidemühlen. Für mögliche kriegerische Bedrohungen der Stadt oder Zeiten extremen Wassermangels musste man vorsorgen.

Zu diesem Zweck erbaute man im Spitalviertel zu einem unbekannten Zeitpunkt eine große Mühle, die durch die Muskelkraft von Pferden oder Ochsen angetrieben wurde. 1452 taucht in einer Urkunde die Bezeichnung „Mühlacker“ auf. Das heute zu sehende Gebäude stammt von 1516. Die Rossmühle hatte vier Mahlgänge und einen Gerbgang (zum Reinigen des Dinkels von der Spelz). Der Antrieb erfolgte durch Pferde, die paarweise im Kreis liefen. Horst Brehm, seit Jahrzehnten als qualifizierter Archäologe und Bodendenkmalpfleger für Stadt und Altlandkreis tätig, hat Ende der 80er Jahre die Fundamente des bedeutenden Technikdenkmals freigelegt und uns damit genaue Vorstellungen von der Funktionsweise der Rossmühle vermittelt. Erst 1865 hat man das Mühlwerk entfernt, als man in das Gebäude eine Turnhalle einbaute. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand die moderne Jugendherberge.

Durch die Sakristei des ehemaligen Dominikerinnenklosters führt der Leiter des Reichsstadtmuseums, Dr. Helmuth Möhring. Der gewölbte Raum hatte direkten Zugang zum Chor. Bei der Wiederherstellung des Raumes 2007 wurden die Reste der alten Substanz (Gewölbe noch aus dem 13. Jahrhundert, Fresken um 1410/1420) gesichert und notwendige statische Maßnahmen (Stahlträger und -stütze) durchgeführt.

Abfahrt zum Landturm Lichtel ist um 15 Uhr am Spitalparkplatz – mit Zusteigemöglickeit an der Berufsschule. Die Führung übernimmt Bernhard Mall von Alt-Rothenburg. Um Anmeldung unter Telefon 0175/ 725 1670 wird gebeten. Von den ursprünglich neun Türmen, die die wichtigsten Straßendurchlässe durch die Rothenburger Landhege sicherten, sind die meisten verschwunden. Neben den Resten des Rohrturms bei Hilgartshausen und dem Großharbacher Turm hat sich der Landturm bei Lichtel als bedeutendstes Baudenkmal der Landhege vollständig erhalten. In unmittelbarer Nähe des Turmes finden sich gut erhaltene Reste der Landhege. Der Lichteler Landturm ist heute im Besitz des Schwäbischen Albvereins, der die Turmstube vom Rothenburger Maler Ernst Unbehauen mit Wandmalereien ausmalen ließ.

Im Zuge der Sanierung des alten Judengassenanwesens mit der Hausnummer 14 führen zur Zeit Horst Brehm und Regina Däschner eine Grabung im Inneren des Hauses durch. Wichtige Erkenntnisse zur Entstehungs- und Baugeschichte werden von 14.45 bis 15.30 Uhr von den beiden Archäologen vorgestellt. Andreas Konopatzki wird bis 17 Uhr aus der Sicht des Architekten historische Baubefunde erläutern und über die vorgesehenen Restaurierungsmöglichkeiten sprechen. Wer Interesse daran hat, wie man alte Bausubstanz unter strenger Einhaltung denkmalpflegerischer Maßstäbe behutsam wieder bewohnbar macht, wird hier aus erster Hand informiert. Martin Nadler, Referent für vorgeschichtliche Archäologie beim Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Nürnberg, hält um 14.30 Uhr einen Kurzvortrag über „Archäologie in Rothenburg“.

Auch Schillingsfürst beteiligt sich wieder am „Tag des Denkmals“: Im Wasserturm von 1902 finden von 14 bis 17 Uhr Führungen statt.

sis, 03.09.2008


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