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Forstbetriebsleiter Heinz Dalhäuser pendelt täglich von Dinkelsbühl nach Rothenburg. Foto: Schäfer

Der Freistaat investierte 580000 Euro in die Einrichtung

Forstbetriebsstandort ausgebaut

ROTHENBURG – Rund 580000 Euro hat das Unternehmen Bayerische Staatsforsten mit Sitz in Regensburg in den Ausbau und die Ausstattung des Forstbetriebsgebäudes an der Adam-Hörber-Straße investiert und damit den Betriebsstandort Rothenburg gestärkt – zur Freude von Forstbetriebsleiter Heinz Dalhäuser und der Mitarbeiter.

Vier Jahre ist es her, dass die Forstverwaltungsreform vom Bayerischen Ministerrat beschlossen wurde. Kern der Maßnahme war die Trennung der bisherigen Einheitsforstverwaltung in eine für Hoheit, Beratung und Förderung zuständige Forstverwaltung. Die Bayerischen Staatsforsten – eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die der Rechtsaufsicht durch das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten unterliegt – bewirtschaften für den Freistaat rund 720000 Hektar Wald – rund ein Drittel der Waldfläche Bayerns – durch 40 Forstbetriebe und 3000 Beschäftigte.

Wie sieht der Rothenburger Forstbetriebsleiter heute das Ergebnis der Forstverwaltungsreform? „Sie hat Vorteile gebracht für den Wald, vor allem für die Investitionsmöglichkeiten, für das menschliche Miteinander, für Führung und Fortbildung“, zählte Heinz Dalhäuser auf. „Es wurden auch gleichmäßige Qualitätsstandards festgeschrieben und durchgesetzt“. Als Nachteil nannte er die längeren Wege, von denen er selbst betroffen ist. Früher konnte er zu Fuß zur Arbeit gehen, heute fährt der Dinkelsbühler 45 Kilometer.

Mit dem Geld der Bayerischen Staatsforsten konnte der Forstbetrieb Rothenburg in dem fast hundert Jahre alten denkmalgeschützten Gebäude „seine Betriebsabläufe und Organisationszuschnitte effizienter gestalten“. Durch die Neuorganisation der Forstverwaltung wurde eine „Servicestelle“ neu eingerichtet, um die Revierleiter zu entlasten, die größere Reviere („in der Regel das Doppelte“) bekommen haben. Der Servicestelle sind die Waldarbeiter und Forstwirtschaftsmeister unterstellt, die früher den Revieren zugeordnet waren.
Servicestellenleiter Hermann Jakobs und vier Forstwirtschaftsmeister sind jetzt im ausgebauten Dachgeschoss untergebracht, das bisher nur als Abstellraum genutzt wurde. Mit dem Ausbau wurde das Dach vollisoliert und bekam Bullaugen, die zusätzliches Licht in die Büroräume bringen, aber das Dachgeschoss im Sommer nicht aufheizen. Das gesamte Haus bekam neue Fenster als Wärmeschutzmaßnahme und eine energiesparende Konvektionsheizung. Mit der Einrichtung und Möblierung aus Buchen- und Eschenholz wirbt das Forstamt gleichzeitig für nachwachsende Rohstoffe aus heimischen Wäldern.

Für die neue und ebenerdig zugängliche Wildsammelstelle mit Kühlkammer wurden die alten Garagen auf dem Forstbetriebsgelände abgerissen und gegen ein größeres Bauwerk ersetzt. Bisher mussten die erlegten Tiere über eine schmale Außentreppe und bei Eis und Schnee im Winter in den Keller gebracht werden. Der Forstbetrieb bietet nicht nur dem Wildhandel, sondern auch Gaststättenbetreibern die Möglichkeit, heimisches Wildbret für die Zubereitung von Ragout, Steaks, Braten oder Pasteten zu erwerben. Stärker als bisher will der Forstbetrieb sein Wildbretangebot, vorwiegend Reh- und Schwarzwild, vermarkten und gleichzeitig für regionale Wirtschaftskreisläufe werben.
„Das Wild muss geschossen werden, damit der Wald wachsen kann“, betont Heinz Dalhäuser. Jagd- und Schonzeiten regeln die nachhaltige Nutzung. Fester Abnehmer des Wildbrets ist bisher ein Händler. Durch die Direktvermarktung will der Forstbetrieb einen besseren Preis für das hochwertige Wildfleisch erzielen. Heinz Dalhäuser ist auf der Suche nach einem Metzger zur Zusammenarbeit, denn die Gewinnung von Wildbret unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften. Sollte er fündig werden, plant er einen festen Verkaufstag für die portionierte Ware auch in kleinen Mengen für Privathaushalte.

Die Aufträge für Renovierung und Ausbau konnte der Forstbetrieb selbst vergeben, denn seit der Neustrukturierung ist er nicht mehr dem Landbauamt unterworfen, sondern kann selbst entscheiden. Die Bauplanung und -leitung wurde an das Architekturbüro Knoll und Konopatzki übertragen, die
-ausführung überwiegend an Firmen aus dem Raum Rothenburg.

Der Forstbetrieb beschäftigt derzeit insgesamt 73 Mitarbeiter: neben dem Leiter Heinz Dalhäuser und Stellvertreter Norbert Flierl, neun Revierleiter, acht Verwaltungsmitarbeiter, fünf Mitarbeiter bei der Servicestelle, und die Waldarbeiter. Nicht auf der Gehaltsliste stehen vier Personen, die um den Standort Rothenburg auf die Jagd gehen. Jäger sind Privatleute, die entweder eine Eigenjagd besitzen oder sich ein Jagdrevier gepachtet haben beziehungsweise bei einem Revierinhaber jagen dürfen. Pirschbezirkler erwerben gegen Entgelt einen Begehungsschein, damit sie auf einer bestimmten Fläche jagen dürfen. Das Wildbret dürfen sie nicht behalten, denn es ist Eigentum des Forstbetriebs. Jäger und Förster werden oft verwechselt. Zwar ist ein Förster meist auch ein Jäger, aber als Bediensteter des Staates hat er in erster Linie für den Wald zu sorgen.
20000 Hektar Staatswald bewirtschaftet der Forstbetrieb Rothenburg – in einer „zerrissenen Struktur“ aufgrund der fränkischen ehemaligen Adels- und Klöstersitze. Von Weiltingen im Wörnitzgrund bis Münchsteinach und von der württembergischen Grenze bis zur Stadtgrenze Nürnberg reicht das Gebiet. Zu den größten zusammenhängenden Flächen gehört der Nordenberger Forst.

Trotz des von den Bayerischen Staatsforsten verordneten Sparprogramms, das auch den Wirtschaftsplan 2010 betrifft, sieht der Rothenburger Forstbetriebsleiter keinen Grund zum Klagen. „Wir müssen weder am Wegezustand sparen, noch an der Qualität der Kulturen und auch nicht an der Pflege der Waldbestände“, betont er. Was den Holzzuwachs in seinem Zuständigkeitsbereich anbelangt, hält er die Nachhaltigkeit „für sehr gut gewährleistet“. Durch den „effektiven Einsatz“ seiner Waldarbeiter, die bei Bedarf auch in Nachbarbetrieben eingesetzt werden und durch die Reduzierung von Fremdarbeitskräften kann der Forstbetriebsleiter Kosten reduzieren. Durch weniger Holzeinschlag versucht er den Preis am Markt zu halten und mit Gewinn zu arbeiten. Es sieht ganz danach aus, dass ihm das Vorhaben trotz schwieriger wirtschaftlicher Zeiten gelingt.

sis, 10.07.2009


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