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Die „Global Kryner“ beim Auftritt auf der Kornbühne. Foto: Düll

Kulturkritik: „Global Kryner“, ein Ereignis in der Kornhalle

Polka, praller Pop und Poesie

ROTHENBURG – So stoisch selig die Volksmusik noch zu Ernst Mosch’ Zeiten um sich selbst kreiste; so betonhart blieb sie vorerst im Geiste. Pop, das war damals Pop, und Blas war Blas, auch wenn avantgardistische Jaz­zer wie Hannes Zerbe spielerisch anarchisch bereits Mitte der Achtziger die Kanten bröckeln ließen.
Publikumsstimmen





Heute sind selbst Stimmungskanonen so multi­funktional wie Schweizer Messer, aber leider oft auch banal und beliebig. Nicht so hier: Die „Global Kryner“, der Name deutet es an, sind ein Sextett, das herzenstiefe An­klänge an die schmissige slowenische Feinmechanik des Ländlers und der Polka pop- ja bisweilen weltmusikalisch legiert. Das Angenehme daran: Kein Miefhauch von ötzigem Alpen-Rap oder besoffen-prolliger Après-Ski-Laune. Die sechs, zur Hälfte steirische Wahl­wiener, verschweißen, heizen ein, ohne auch nur ein Fleckchen verbrannter Erde auf den elysischen Feldern des Geschmacks zu hinterlassen.

Man kann nahezu jeden der fliegenden, durchgeachtelten Takte goutieren, auch wenn die „Global Kryner“ keine ästhetische Qualität entwickeln, die über den Moment hinaus reicht. Zumindest dieser Moment aber trägt genialisch musikantische Züge. Was in Worten restlos verrückt klingt, erlangt hier die klangvollste Logik. Ein Melodic-Rock-Denkmal wie „Eye of the Tiger“ mit Akkordeon, Posaune, Trompete und vor allem mit mehr Hintern in der Hose als das Original – das ist schon ein starkes Stück, und an denen mangelt es in diesem Programm nicht. Apropos Posaune: Martin Temmel ist ein „Tier“ an eben jener, gibt sozusagen einen funky Bombardon, der viele E-Bassisten neidisch ergrünen ließe. Grandios und hoch sympathisch: Was immer die Truppe angeht, glänzt alsbald golden warm, nicht zuletzt, weil etwas daraus spricht, was heutzutage in der allgemeinen Verballhornungs-Manie längst den Heldentod gestorben ist: die Originalität und vor allem der Respekt.

Vom wienerischen Couplet bis zur augenzwinkernd-explosiven Madonna-Hommage ( „Like a virgin“) ist es da nicht weit. Wenn sie „Rollin’ down the river“ mit rock’n’rolligem Volldampf über die Bühne jagen, dann juckte es wahrscheinlich sogar Tina Turner in den Beinen. Doch Tina brauchen sie nicht, denn sie haben ja Sabine Stieger, visuell wie stimmlich ein Juwel und stilistisch ebenso flexibel wie charakterstark, ganz so wie die Band an sich.

Das reicht von einem jazzig-apart phrasierten „Over the rainbow“ über ein tief sinnliches „Bésame Mucho“ bis hin zum satt „schwarzen“ Siebzigerjahre-Diskotheken-Kracher „Lady Marmalade“, der die Frontfrau zwischen volksmusikalischer Unschuld und selbst postulierter Verruchtheit schillern lässt wie im Song „Ich bin eine Schlampe ( – „und das mit Haut und Haar“), mit dem die Mittzwanzigerin andernorts im Programm liedermacherisches Profil beweist. Stimmungsmacher sind die „Global Kryner“ auch im feineren Sinne: dann, wenn Edi Köhldorfer, ein Tausendsasa zwischen Jazz, Rock und oberkrainernder Schlaggitarre, die Poesie des Wienerliedes, wenn Anton Sauprügl am Akkordeon den Geist der Musette oder Markus Pechmann den Blues magisch beschwören, wenn Christoph Spörk seine Klarinette klezmerisch sprechen lässt oder sich ins Zentrum eines Instrumentals von balkanischem Zauber spielt.

Dem einzigen Quereinsteiger der Gruppe merkt man seine zweite Berufung (studierter Politikwissenschaftler) nur in einer Hinsicht an: Seine Moderationen tendieren zum kabarettistischen Kabinettstückchen, amüsant, liebenswürdig nah am Gastspielort, mit Esprit und Witz gesegnet.

So spielen sich die „Global Kryner“ in die Herzen des Publikums in einer fast ausverkauften Kornhalle, verzücken, verblüffen, berühren. Das provoziert nicht nur bei heißblütig echter Salsa (Santanas „Oye como va“) standing ovations“, hier durchaus im teutonischen Sinne als stehend, aber auch als tanzend und lang anhaltend zu verstehen. Bei „Something stupid“, die Sinatras machten es einst berühmt, „krynert“ es dann wieder lebenslustig. Ernst Mosch hätte aus egerländischer Ferne sein Okay gegeben, ein gewiss lakonischer Fingerzeig nur, aber ein lächelnder.

hd, 01.03.2010


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