Raum und Zeit geben

Trauercafé bietet Angehörigen Trost und Beistand

ROTHENBURG – Jeder trauert auf seine Weise und niemand kann ganz genau den Schmerz eines anderen nachempfinden. Und dennoch: Sich mit Menschen auszutauschen, die ebenfalls einen Verlust erlitten haben, kann helfen, mit den eigenen Gefühlen umgehen zu lernen. Der Hospizverein möchte deshalb Menschen, die trauern, Raum und Beistand im Rahmen eines Trauercafés geben.

Idyllische Natur, fernab von der Hektik des Alltags: Der Hospizverein organisiert in Detwang ein Trauercafé.            Fotos: Scheuenstuhl

Idyllische Natur, fernab von der Hektik des Alltags: Der Hospizverein organisiert in Detwang ein Trauercafé. Fotos: Scheuenstuhl

„Wir wollen mit diesem Angebot dem Bedarf zumindest ein bisschen gerecht werden“, sagt Trauerbeglei-terin Uschi Memhardt. Als Koordinatorin des Hospizvereins Rothenburg, der das Trauercafé ins Leben rief, weiß sie, dass es viele Menschen gibt, die sich nach dem Verlust eines geliebten Menschen eine Form der Begleitung in ihrem Schmerz wünschen.

Die Arbeit der engagierten Hospizhelfer umfasst zu einem gewissen Teil zwar auch die Trauerbegleitung der Angehörigen. Doch diese ist für die Ehrenamtlichen über einen längeren Zeitraum nicht möglich. Zudem möchte man auch jenen trauernden Menschen die Möglichkeit zum Austausch ihrer Gefühle geben, die bislang noch nichts mit dem Hospizverein zu tun hatten.

Das Trauercafé soll ab kommenden Dienstag, 17. Mai, 14 bis 16 Uhr, regelmäßig im Detwanger Gemeindehaus stattfinden. Es ist ein offenes, kostenloses, konfessionsübergreifendes Angebot, zu dem jeder aus Rothenburg und dem Umland kommen kann, der sich mit Menschen austauschen möchte, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es wird kein Lehrplan abgearbeitet, wie man am besten die Trauer bewältigt. Vielmehr sind die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer maßgeblich.

Durch Trauer begleiten

Weinen, lachen, schimpfen, zuhören, schweigen – für jede Emotion, die dem Teilnehmer auf seinem Weg hilft, bietet das Trauercafé Raum und Zeit. Es ist auch möglich, dass man etwa abseits der ganzen Gruppe bei einem Spaziergang in der Natur zu zweit seine Gefühle offenlegt. „Uns geht es darum, Impulse und die Möglichkeit zum Gespräch zu geben“, um die Menschen durch die Trauer zu begleiten, erklärt Uschi Memhardt.

Trauerbegleiterin Uschi Memhardt, Pfarrer Johannes Raithel und Pfarrerin Claudie Schlottke geben Menschen, die einen Verlust erlitten haben, Raum und Beistand ihre Gefühle zu verarbeiten.

Trauerbegleiterin Uschi Memhardt, Pfarrer Johannes Raithel und Pfarrerin Claudie Schlottke geben Menschen, die einen Verlust erlitten haben, Raum und Beistand ihre Gefühle zu verarbeiten.

Bei aller Offenheit: Das Trauercafé ist ein geschützter Raum. Alles was dort gesagt wird, bleibt unter den Teilnehmern. „Es ist kein Stammtisch“, macht Uschi Memhardt deutlich. Auch Pfarrer Johannes Raithel bekräftigt den Charakter des Trauercafés als Selbsthilfegruppe.

Der Geistliche aus Adelshofen begleitet als Vorstandsmitglied des Hospizvereins und als ausgebildeter Seelsorger die Gruppe. Die Lage in der Abgeschiedenheit des Taubertals hat für ihn einen besonderen Vorteil: „Es ist ein Ort, an den man bewusst mit seiner Trauer hingeht.“ erklärt er und fügt hinzu: „Wer kommen will, muss sich dafür auf den Weg machen.“ Es ist also kein Angebot, dass man so schnell mal zwischen Feierabend und dem Wocheneinkauf in Anspruch nimmt.

Dass sich die Gruppe in dieser idyllischen Umgebung treffen kann, ist Claudie Schlottke, Pfarrerin an St. Jakob und in Detwang, zu verdanken. Sie bot sofort das Detwanger Gemeindehaus als Treffpunkt an. Die Pfarrerin komplettiert das seelsorgerische Trio des Trauercafés. Es ist gut, dass die Begleitung auf mehreren Schultern verteilt ist, meint Johannes Raithel. Wenn es jemandem schlecht geht, kann man sich mit ihm für ein Gespräch unter vier Augen zurückziehen. Die Trauerbegleiter verweisen gegebenenfalls auch auf therapeutische Hilfe.

Die hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins hat eine Zusatzausbildung zur Trauerbegleiterin gemacht. Gerade ältere Menschen sondern sich nach einem Trauerfall von sich aus von anderen ab, um „ihnen den Spaß an Aktivitäten nicht zu verderben“, weiß Uschi Memhardt. Auf beiden Seiten herrscht oftmals große Unsicherheit, wie man sich verhalten soll oder darf: Wird mir ein Lachen nach dem Tod meines Partners als fehlende Trauer ausgelegt? Darf ich gegenüber der trauernden Witwe über meine vergleichsweise kleineren Probleme klagen?

Raus aus der Isolation

Ein wichtiger Teil der Trauerarbeit ist es, den Trauernden aus der (selbstgewählten) Isolation zu helfen. Es gilt ihm zu zeigen, dass ein normaler Umgang trotz des Verlusts möglich ist. Die Gruppe kann hierfür ein erster Schritt sein. Es ist für viele schön zu sehen, „ich bin nicht allein mit der Trauer“, sagt Claudie Schlottke. Auch jene, bei denen der Trauerfall schon einige Zeit zurückliegt, sind beim Trauercafé willkommen, ebenso Menschen, die durch eine Scheidung einen geliebten Menschen verloren haben und den Verlust verarbeiten wollen. Koordinatorin und Trauerbegleiterin Uschi Memhardt steht für weitere Fragen zur Hospizarbeit und dem Trauercafé unter Telefon 0151/ 54809353 zur Verfügung. mes

Das Trauercafé des Hospizvereins findet jeden dritten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr im Gemeindehaus in Detwang statt.

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