Eine zweite Kostbarkeit

Verein Alt-Rothenburg ließ Turmspitze aufwändig instand setzen

ROTHENBURG – Im Rahmen der Verein-Alt-Rothenburg-Reihe „Kleine Kostbarkeiten“ konnte bereits das zweite Projekt realisiert und zum Abschluss gebracht werden. Nach der Instandsetzung des „Türchens am Schrannenplatz“, folgte nun die Steinsanierung der Turmspitze im Klostergarten. Mit seinem Bestreben trägt der Verein einen nicht unwichtigen Teil zur Altstadt-Erhaltung bei. 22 weitere „kleine Kostbarkeiten“ sollen mindestens noch saniert werden.

Wie kommt eine ehemalige Turmspitze der St. Jakobs-Kirche in den Rothenburger Klostergarten? Das weiß keiner so genau. Um die Jahre 1913 und 1914 wurde die Kirche renoviert. Gut möglich, dass die damalige Nordturmspitze damit einhergehend in den Klostergarten wanderte. Sehr genau dagegen scheinen die Mitglieder des Vereins Alt-Rothenburg zu wissen, wie wichtig es ist, auch die kleinen Kostbarkeiten einer Stadt wie Rothenburg zu erhalten. Und so wurde nun in Zusammenarbeit mit der Firma Herzig aus Schnelldorf jene Turmspitze vor dem Verfall bewahrt. Ohne sie dabei in ein neues Gewand zu stecken. Ziel der Maßnahme, betonen die Verantwortlichen, sei keineswegs „die komplette Re­kons­truktion beziehungsweise Reprofilierung des historischen Steinbauteils“ gewesen. „Viel mehr stand der Erhalt und die Konservierung des Ist-Zustands im Vordergrund.“

Zufrieden mit dem Ergebnis: Julia Schüttler, Wolfgang Brück, Gudrun Knoll-Schäfer, Dr. Hellmuth Möhring und Andreas Hauf (von links) an der frisch sanierten Turmspitze.      Foto: Götz

Zufrieden mit dem Ergebnis: Julia Schüttler, Wolfgang Brück, Gudrun Knoll-Schäfer, Dr. Hellmuth Möhring und Andreas Hauf (von links) an der frisch sanierten Turmspitze. Foto: Götz

Am Abnahmetermin präsent zeigten sich Gudrun Knoll-Schäfer vom Verein Alt-Rothenburg, Wolfgang Brück und Julia Schüttler von genanntem Atelier, Dr. Hellmuth Möhring vom Reichsstadt-Museum und Andreas Hauf für die Stadt Rothenburg. Den Erhalt zu sichern, gestaltete sich als eine zeitaufwändige Aufgabe. Die gesamten Kosten übernahm die Firma Herzig, spendete damit die Sanierung. „Es war an der Zeit einer solch schönen Stadt wie Rothenburg mal etwas zurückzugeben“, begründet Wolfgang Brück, Restaurator und Geschäftsführer des Ateliers, die Spende. Zwischen 150 und 200 Stunden Arbeit hat Restauratorin Julia Schüttler in die Renovierung investiert. Ein gutes viertel Jahr dauerte die Sanierung, da im Zuge der sachgemäßen Instandsetzung nicht alles am Stück erledigt werden konnte. Eine Vielzahl an Maßnahmen wurde über diese drei Monate hinweg durchgeführt.

Dazu zählte unter anderem die Natursteinfestigung. Primäres Ziel war im Zuge dessen, „die Festigung der Schadensbereiche, also der Mürbzonen, durchzuführen, damit wieder ein tragfähiges Korngerüst im Naturstein gegeben ist“, heißt es im Bericht des Ateliers. Hierzu war ein aufwändiges Verfahren, unter anderem mit der Nutzung von Kieselsäureester verbunden, notwendig.

Außerdem wurde in einem weiteren Verfahren der „stark biogen besiedelte Naturstein mittels eines biologischen Fungizids, basierend auf Mikroorganismen, beseitigt.“ Es folgten eine Heißdampfreinigung, die Rostschutzbehandlung der in der Turmspitze vorhandenen Eisenteile, Rissinjektionen, Steinergänzungen mit Restauriermörtel und noch einiges mehr. Abschließend erfolgte die Verfugung. So wurden „defekte Fugenbereiche händisch geöffnet, jedoch vorhandene, historische Verfugungen belassen.“ Die geöffneten Fugen wurden gereinigt und vorgenässt, von Hand wurde der neue Fugenmörtel eingebracht. Der Mörtel ist sowohl in „Körnung und Härte auf den Naturstein abgestimmt, als auch in Körnung, Farbe und Zusammensetzung speziell an die historische Rezeptur angelehnt.“

Der Verein Alt-Rothenburg legt viel Wert darauf, dass im Zuge der Sanierung die Originalität im Vordergrund stand und weniger die Ästhetik. Als nächstes Projekt ins Auge gefasst, haben die Alt-Rothenburg-Verantwortlichen die Sanierung des Treppengeländers am Weißen Turm. Das wäre dann schon Kostbarkeit Nummer drei, die saniert mit dazu beiträgt, dass am Ende auch das Gesamtbild Rothenburgs kostbar bleibt. og og

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*