Auf Gesamtpaket vertrauen

Freie Rothenburger Vereinigung zwischen Investitionsdruck und Schuldenabbau

ROTHENBURG – „Wir müssen alle die Ärmel hochkrempeln, denn jammern nützt nichts“, schwor Jutta Striffler, Vorsitzende der Freien Rothenburger Vereinigung (FRV), die Mitglieder bei der jüngsten Versammlung im Gasthaus „Glocke“ ein. Die notwendigen städtischen Baumaßnahmen seien zwar mit einer Schuldenaufnahme verbunden, doch Ziel müsse sein, den Schuldenstand „langfristig Schritt für Schritt abzubauen“.

In Vertretung von Fraktionsvorsitzenden Dr. Karl-Heinz Schneider informierte Jutta Striffler über Entwicklungen der Stadtpolitik der vergangenen Monate und die Haltung der FRV dazu. In den Stadtratssitzungen hätten die FRV-Stadträte ihre Meinung „konsequent, nachdrücklich, wenn auch nicht immer einstimmig vertreten“. Sie bescheinigte allen Bürgervertretern im Stadtparlament eine „gute fraktionsübergreifende Arbeit“.

Vorsitzende Jutta Striffler (re.) warb um Verständnis für die städtischen Investitionen. Fotos: Scheuenstuhl

Vorsitzende Jutta Striffler (re.) warb um Verständnis für die städtischen Investitionen. Fotos: Scheuenstuhl

Inhaltlich standen unter anderem das Gewerbegebiet Ansbacher Straße sowie die Sanierung und Erweiterung der Topplerschule an. Von der Notwendigkeit des Neubaus der Kindertagesstätte im Herterichweg sei die FRV von an Anfang an überzeugt gewesen. Nun sind bereits alle Plätze belegt und eine Erweiterung direkt am bestehenden Neubau oder alternativ am Montessori-Kindergarten wird erneut Thema im Stadtrat sein. „Viele große Projekte mussten gestemmt werden, die natürlich auch mit hohen Kosten verbunden sind“, räumte Jutta Striffler ein. Darunter fallen auch die Mehrzweckhalle, die demnächst fertiggestellt wird, sowie die Sanierung des Hospitälischen Gebäudes zum Schülerwohnheim, das nun ein richtiges „Schmuckstück“ sei. Letzteres bedeutet gleichzeitig auch den Erhalt des Gastronomischen Berufsbildungszentrums.

Die Ansiedlung der Außenstelle der Fachhochschule Ansbach wertete Jutta Striffler als „einmalige Chance“ für Rothenburg, sich „als Bildungsstadt noch besser herauszustellen“. Die Schließung des Goethe-Instituts bedauere die FRV und entwickelte deshalb die Vision, irgendwann einmal eine neue Sprachschule in der Tauberstadt zu haben.

In naher Zukunft stünden aber erst einmal die Sanierungen der Gas-, Wasser- und Stromanschlüsse an. Für die damit einhergehenden Sperrungen warb Jutta Striffler um Verständnis. Ebenso unvermeidbar ist die Erneuerung der Brandschutzmaßnahmen in der Jugendherberge Rossmühle. Die Stadt ist als Verpächter des Gebäudes für den Brandschutz zuständig. Eine Entscheidung, wie die Wege an der Riviera saniert werden sollen, wird am Montag in der Sitzung des Bauausschusses fallen. Die FRV unterstütze die gepflasterte Variante.

Trotz der hohen Kosten für all diese Projekte müsse man jetzt investieren, so die FRV-Vorsitzende, „denn vieles kann nicht auf die lange Bank geschoben werden. Man befinde sich jedoch bei allen laufenden Baumaßnahmen „im vorgegebenen finanziellen Rahmen“. Den Haushalt gelte es dennoch so aufzustellen, „um den Schuldenstand langfristig Schritt für Schritt abzubauen“. Jutta Striffler gab sich optimistisch, dass das Gesamtpaket aus gesicherter Industrie und Tourismuswirtschaft „uns wieder finanziell auf die Beine hilft“.

Der Vorsitzenden war es ein großes Anliegen zu betonen, dass die vergangene Klausurtagung des Stadtrats „sehr wichtig und kein Ausruhen“ war. Man könne in einem derartigen Rahmen „fraktionsübergreifend anders an Dinge herangehen“ und auch Brisantes in lockerer Runde diskutieren. So nahm man sich dabei etwa auch des Themas Busterminal am Spitaltorparkplatz an. „Es war gut dies auszudiskutieren und keinen Schnellschuss zu machen“, erklärte Jutta Striffler. Die FRV vertrat dabei die Ansicht, dass sich an dieser Stelle der Aufwand nicht rechne. Neben der bereits erwähnten Sprachschule möchten die Freien Rothenburger auch eine kleine Landesgartenschau nach Rothenburg holen. Nächstmöglicher Termin dafür ist im Jahr 2023.

Auch die Stadtratsmitglieder, die mit einer Pflegschaft betraut sind, erstatteten Bericht. So gab es etwa aus der Musikschule, für die Hans-Peter Nitt zuständig ist, nur Positives zu berichten. Peter Holstein ging auf den Wechsel an der Spitze des Jugendzentrums ein. Mit Oliver Guggenberger habe man jemanden gefunden, „der auf die Leute zugehen kann“ und der „Visionen hat“. Im Jugendbeirat hingegen lasse wohl bei einzelnen Mitgliedern das Engagement zu wünschen übrig.

Brigitte Klingler warnte die Verantwortlichen, ebenfalls in Vertretung von Dr. Karl-Heinz Schneider, „nicht auf die Idee zu kommen“, das Reichsstadtmuseum aus Kostengründen für eine begrenzte Zeit zu schließen. Jutta Striffler betonte, dass die Stadtwerke mit Heidenheim als Partner „gut gerüstet“ seien. Beim Hallenbad stünden Sanierungen hinsichtlich des Dachs und des Brandschutzes an. Kassier Kurt Emmert unterrichtete die rund 30 anwesenden Mitglieder über die finanzielle Situation der Vereinigung. So standen im vergangenen Jahr Einnahmen von etwa 5097 Euro Ausgaben von zirka 401 Euro gegenüber. Am Jahresende betrug der Kassenstand insgesamt 10122 Euro. Vorstandschaft und Ausschuss wurden einstimmig entlastet.

Manuela Johrend, Mitglied in der FRV und beim Arbeitskreis Asyl, gab einen anschaulichen Einblick in die praktische Arbeit der 10 bis 15 Ehrenamtlichen, die sich um die rund 100 Flüchtlinge in der Stadt kümmern. Es wurde deutlich, dass schon die kleinste Erledigung, wie etwa die Beschaffung von Sportschuhen für einen Flüchtling, der als Sportlehrer arbeiten möchte, einen unvorstellbaren Aufwand bedeuten kann. Sie hob hervor, dass die Ehrenamtlichen mittlerweile aufgrund der Arbeitsbelastung an ihre Grenzen kommen.

Neben einer Gedenkminute für die im letzten Jahr verstorbenen FRV-Mitglieder gab Jutta Striffler auch einen Überblick über die vergangenen Aktivitäten der Vereinigung wie Weihnachtsfeier, Vorstands- und Ausschusssitzungen, Betriebs- und Denkmalbesichtigung und Kindertrödelmarkt. Das Streuobstwiesenfest soll nun im Zwei-Jahresturnus stattfinden. mes

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