Sinnvoll für Körper und Geist

Radrundweg „Historische 8 Frankenhöhe“ wurde feierlich eröffnet

LAUTERBACH – Es ist vollbracht: Knapp zwei Wochen bevor die 14 Schüler des Reichsstadt-Gymnasiums (hoffentlich alle) endlich ihr Abiturzeugnis in Hände halten dürfen, konnten sie sich schon einmal im Feiern üben, denn der geschichtliche Radrundweg „Historische 8 Frankenhöhe“, den sie im Rahmen ihres sogenannten P-Seminars entwickelten und umsetzten, konnte bei herrlichem Sommerwetter an der Kleinen Seekneipe am Lauterbacher Weiher eröffnet werden.

Feierten gemeinsam die Fertigstellung des Radrundwegs: Projektträger, Seminarteilnehmer und LAG-Verantwortliche.

Feierten gemeinsam die Fertigstellung des Radrundwegs: Projektträger, Seminarteilnehmer und LAG-Verantwortliche.

Ziel des P-Seminars ist es, dass die Jugendlichen lernen, ein Projekt zu planen, zu organisieren und schließlich mit externen Partnern durchzuführen. Im Falle der Gymnasiasten war letzteres die Lokale Aktiongruppe (LAG) „Region an der Romantischen Straße“ beziehungsweise deren Mitgliedsgemeinde Steinsfeld als offizieller Projektträger. Dessen Bürgermeister Hans Beier erinnerte sich in seiner Begrüßung anlässlich der Eröffnung des Radrundwegs an die Vorstellung des Projekts im LAG-Steuerkreis. Ihm habe von Anfang an imponiert, dass diese jungen Leute nicht wie andere Altersgenossen nur am Computer sitzen, sondern sich mit ihrer Heimat und deren Geschichte beschäftigen. Da aus rechtlichen Gründen die Verwaltungsgemeinschaft Rothenburg als Ganzes nicht als Projektträger auftreten durfte, war für ihn sofort klar, dass seine Gemeinde diese Aufgabe übernehmen werde. Auch LAG-Vorsitzender Herbert Lindörfer zeigte sich „schwer beeindruckt“ von den Jugendlichen, ebenso wie offensichtlich die gesamten Steuerkreismitglieder, die das Projekt mit 31 von möglichen 33 Punkten bewerteten und so für die Beantragung von LEADER-Fördermitteln befürworteten. Ende August des vergangenen Jahres kam dann auch die frohe Botschaft in Form eines Zuwendungsbescheids über etwa 7800 Euro. Herbert Lindörfer betonte, dass auch solch kleineren Projekte für die Lokale Aktionsgruppe unterstützenswert sind, denn auch sie tragen dazu bei, deren Ziel zu verwirklichen, nämlich die Region an der Romantischen Straße in den Bereichen Tourismus, Kultur, Soziales und Umwelt voranzubringen und attraktiver zu gestalten.

Bei strahlendem Sonnenschein zog es zahlreiche Politiker und Bürger zu der Feierstunde an den Lauterbacher Weiher.  Fotos: Scheuenstuhl

Bei strahlendem Sonnenschein zog es zahlreiche Politiker und Bürger zu der Feierstunde an den Lauterbacher Weiher. Fotos: Scheuenstuhl

Bei dieser Aufgabe sei man „schon ein ganzes Stück weiter gekommen“, so der LAG-Vorsitzende. Denn mit der Eröffnung des Radrundwegs konnte auch das dritte Projekt aus der ersten LAG-Steuerkreissitzung, neben dem Kinderliederbuch „Ein kleiner Schelm bist du“ und dem Fahrradservicestützpunkt an der Jugendherberge in Dinkelsbühl, abgeschlossen werden. Und Weiteres soll schon in naher Zukunft folgen, denn kürzlich hat das Gremium den Bewerbungen von fünf weiteren Projekten für die LEADER-Förderung grünes Licht gegeben (wir berichten noch). Eine kleine Gruppe um den Geslauer Bürgermeister Richard Strauß, LAG-Geschäftsführerin Pia Grimmeißen-Haider, Stellvertretender Landrat Stefan Horndasch und Schülerprojektleiter Philipp Breiter ließ es sich nicht nehmen, den Radrundweg – zumindest ein kleines Teilstück davon – stilecht mit dem Zweirad offiziell in Betrieb zu nehmen. Dabei ging es vom Geslauer Rathaus über Dornhausen und Kreuth zu der Feier am Lauterbacher Weiher. Wie schon bei den Informationstafeln für den Radrundweg legten sich auch hier die Schüler mächtig ins Zeug und umsorgten ihre Gäste mit einem Umtrunk und einem kleinen Imbiss. Die Blaskapelle Geslau sorgte mit mehreren Stücken für Stimmung. Der „Historische 8 Frankenhöhe“ getaufte Radrundweg führt auf einer Strecke von 79 Kilometern durch die acht Gemeinden Schillingsfürst, Buch am Wald, Gebsattel, Neusitz, Windelsbach, Steinsfeld, Geslau und Ohrenbach. Auf dem Weg kommt man an 13 anschaulich und ansprechend gestalteten Informationstafeln vorbei, die von den Schülern konzipiert wurden.

Die Gemeinde Geslau steuerte eine weitere Tafel anlässlich ihrer 800-Jahr-Feier im vergangenen Jahr bei. Die Gesamtdistanz von 79 Kilometern kann übrigens durch einen Zwischenweg abgekürzt werden. In Kürze wird der Streckenverlauf auch auf der Homepage der Lokalen Aktionsgruppe „Region an der Romantischen Straße“ (www.gemeinsam.bayern) zu finden sein, verrät Geschäftsführerin Pia Grimmeißen-Haider. In einem weiteren Schritt soll es auch einen gedruckten Routenplan geben, sobald alle weiteren Radwege in der Region komplett erfasst und fertiggestellt sind. Philipp Breiter ergriff als Schülerprojektleiter ebenfalls das Wort und ging in seiner Ansprache auf die Bedeutung der Heimat für eine Gesellschaft ein. Dabei führte er Dostojewski an, der einst erkannte: „Ohne Heimat sein heißt leiden.“ Mit diesem Schicksal seien heutzutage, so Philipp Breiter, viele Menschen konfrontiert, etwa in Palmyra oder Damaskus, wo man nicht nur um sein Leben fürchten muss, sondern wo auch gezielt Kulturgüter zerstört werden. „Heimat konstituiert sich auch aus der Geschichte eines Ortes“, erklärte der Schülerprojektleiter. Demzufolge beraube man die Menschen ihrer Wurzeln wenn man ihre Geschichte auslöscht. Mit dem geschichtlichen Radrundweg wollten die jungen Leute des Reichsstadt-Gymnasiums dazu beitragen, die Erinnerung etwa an technische Innovationen aber durchaus auch an Grausamkeiten wie den Bauernkrieg in ihrem direkten Lebensumfeld zu bewahren. Ihnen ging es ebenso darum, einen Beitrag zur Identifikation mit der Region und zur geschichtlichen Bildung zu leisten.

Studiendirektor Bernhard Heim, der das betreffende P-Seminar leitete, zeigte sich stolz auf die 14 Schüler, die „zum Großteil selbstständig und über die Beendigung des P-Seminars hinaus“ engagiert an dem Projekt arbeiteten. Der gelernte Geograph weiß, dass man ein solches Vorhaben nicht alleine durchführen kann. Er betonte deshalb, dass man in vielerlei Hinsicht Glück gehabt habe. So fiel der Beginn des Seminars pasenderweise mit dem Start des LEADER-Programms zusammen, der die finanzielle Förderung möglich machte. Ebenso konnte man sich über stets einstimmige Beschlüsse der Gemeinde freuen, durch die der Radweg führt, ebenso wie über die Steinsfelder Bereitschaft die Projektträgerschaft zu übernehmen. Dank ging auch an die Bayerischen Staatsforsten, das Unternehmen Siniat sowie die Sparkasse Ansbach, die das Projekt mit Holz- beziehungsweise Geldspenden unterstützten. Pia Grimmeißen-Haider bekam als Dankeschön dafür, dass sie „viel Arbeit abgenommen“ habe einen Blumenstrauß überreicht. Harald Treiber, der die Holzspende als Stützpfeiler für die Informationstafeln in die richtige Form brachte erhielt einen Präsentkorb. mes

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