Kriminalität gestern und heute

Buchpräsentation im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg treibt alte Fragen an

ROTHENBURG – Härtere Strafen für Einbrecher? Anprangern von Steuersündern? Wie umgehen mit Kriminalität? Fragen, die die Menschen seit Jahrhunderten bewegen. Jede Epoche antwortet auf ihre eigene Weise. Auch das macht der Band „Historische Kriminalitätsforschung in landesgeschichtlicher Perspektive“ (siehe auch Beitrag nebenan) deutlich.

Freude um den neuen Band: von links Herbert Lindörfer, Hans Karl Friedrich Schmidt, Sigrid Strauß-Morawitzky, Sabine Wüst mit Söhnchen, Professor Dr. Wolfgang Wüst, Marina Heller, Petra Devich und Dr. Markus Hirte. Foto: Weber

Freude um den neuen Band: von links Herbert Lindörfer, Hans Karl Friedrich Schmidt, Sigrid Strauß-Morawitzky, Sabine Wüst mit Söhnchen, Professor Dr. Wolfgang Wüst, Marina Heller, Petra Devich und Dr. Markus Hirte. Foto: Weber

Tausend Jahre Rechtsgeschichte finden sich im Mittelalterlichen Kriminalmuseum Rothenburg eindrucksvoll dargestellt. Doch nicht nur mit seiner umfassenden Sammlung der Exponate vom grausamen Folterinstrument bis zu den aus heutiger Sicht oft grotesk anmutenden Vollzugsmitteln der Ehren- und Schandstrafen weiß die Einrichtung zu glänzen.

Es ist auch ein über Deutschland hinaus anerkannter Ort anspruchsvoller Geschichtsforschung. Das wurde bei der Präsentation des Fachbuches „Historische Kriminalitätsforschung – in landesgeschichtlicher Perspektive“ unterstrichen. Professor Dr. Wolfgang Wüst gab zu verstehen, man wisse diese Einrichtung besonders zu schätzen. Nicht von ungefähr sei man von Seiten des Lehrstuhls für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte zum dritten Mal seit 2000 zu einer Veranstaltung hier.

Bürgermeister Kurt Förster sprach in Vertretung von Oberbürgermeister Walter Hartl und von (erstmals auch) Landrat Dr. Jürgen Ludwig vom besten Museum Deutschlands wenn nicht gar ganz Europas für mittelalterliche Rechtspflege.

Geschäftsführender Direktor Dr. Markus Hirte durfte sich in Anwesenheit seiner Lebensgefährtin Petra Devich (M.A.) über dieses Kompliment freuen und in seiner Eigenschaft als Mitautor des Bandes zum Thema „Hexereidelikt und Hexenprozesse“ auch über das Interesse der Universitätsvertreter, Geschichtsfreunde und Rechtsinteressieren an der Präsentation. Als Vertreter des Bezirks war Herbert Lindörfer zur Buchvorstellung gekommen, als Vertreter der Schulen Oberstudiendirektor Walter Först und als Vertreter der Kirchen Dekan Hans-Gerhard Gross.

Ertappt werden oder nicht

Bei der Begrüßung schlug Dr. Hirte den Bogen zur aktuellen Situation. Er wies darauf hin, dass derzeit in der Bundesrepublik nur jeder fünfte Wohnungseinbruch und Einbruchsdiebstahl aufgeklärt werde. Dabei sei die Wahrscheinlichkeit ertappt zu werden doch heute ebenso entscheidend wie früher.

Als früherer Polizist könne er die Rothenburger in diesem Punkt nur beruhigen, sagte Förster. Einbrüche spielten hier so gut wie keine Rolle. Zudem handle es sich meist um lokale Täter, die man in der Regel kenne und die schnell ermittelt seien.

Mit Leseproben zu vier ausgewählten Beiträgen verstand es Marina Heller als Autorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Professor Dr.Wüst Lust zu machen auf eingehendere Lektüre des neuen Werkes.

Dr. Hellmuth Möhring nannte die Vorstellung des Bandes als Vertreter des Vereins Alt-Rothenburg einen guten Tag für die Geschichtsforschung. Es sei nicht zuletzt auch der Beweis dafür, dass es hier abseits vom touristischen Rothenburg echte Geschichte und echte Geschichten zum Anfassen gebe.

Sigrid Strauß-Morawitzky vom Wi-Komm-Verlag Stegaurach stellte an dem von ihr in Form gebrachten Buch den Abwechslungsreichtum der Beiträge heraus: „Für jeden etwas. Manchmal brutal und manchmal aber auch zum Schmunzeln“.

Hans Karl Friedrich Schmidt von der Verlagsdruckerei Schmidt in Neustadt an der Aisch ging auf das Druck- und Verlagsrisiko sowie auf die neuen Herausforderungen für seine Branche durch das Internet und seine Verkaufswege beziehungsweise die Suchmaschinen ein. Der Band ist der bislang neunte, den sein Haus in der regionalgeschichtlichen Reihe „Franconia“ gedruckt hat.

Beim anschließenden Empfang mit Wein und Häppchen wurde rege von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Buch zum Vorzugspreis zu erwerben und signieren zu lassen. -ww-

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