Kritisch und auch mal nein sagen

FRV unterstrich bei Hauptversammlung ihr Selbstverständnis – Jutta Striffler weiter Vorsitzende

ROTHENBURG – Auch in den nächsten zwei Jahren wird die Freie Rothenburger Vereinigung (FRV) von einer Frau geführt. Bei der Jahreshauptversammlung in der Kelter der „Glocke“ ist Stadträtin Jutta Striffler einstimmig in ihrem Amt als Vorsitzende bestätigt worden.

Spitze der FRV: von links Klingler, Kirchgässner, Striffler, Holstein und Emmert.

Spitze der FRV: von links Klingler, Kirchgässner, Striffler, Holstein und Emmert.

In ihrem Rückblick auf das vergangene Jahr hat sie zufrieden Bilanz gezogen, was das Wirken ihrer Gruppierung im Stadtrat aber auch was die sonstigen Aktivitäten und Schwerpunkte angeht. Gerade die Ausschuss-Sitzungen hob sie besonders hervor: „Wir diskutieren dabei öffentliche Stadtratsthemen, die alle unsere Bürgerinnen und Bürger betreffen. Ernsthaft und kontrovers erörtern wir so, wo unseren Bürgerinnen und Bürgern der Schuh drückt und können in den allermeisten Fällen gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Lösung finden. Das dies der richtige Weg ist, das zeigen die immer sehr gut besuchten Sitzungen.“

„Immer am Puls“

Von großem Vorteil sei die hervorragende Mischung aus Mitgliedern, die im Handel, Handwerk, Dienstleistung, Gastronomie, Hotellerie und Industrie tätig sind, viele davon auch ehrenamtlich in unterschiedlichen Vereinen wirkend: „So sind wir immer am Puls der Zeit.“ Die Meinungen, Ideen und Anregungen aus der Bevölkerung seien der FRV „enorm wichtig“, betonte Jutta Striffler: „Wir nehmen das sehr ernst und lassen dies in unsere Stadtratsarbeit mit einfließen geben sie weiter und vertreten das auch.“ Den Ausschussmitgliedern sprach sie ihren Dank aus für die „immer sachlichen und konstruktiven Diskussionen sowie für die Kritik, die auch positiv sein kann.“

Die Fraktionsarbeit als Ganzes sei auch im vergangenen Jahr von gegenseitigem Respekt und Verständnis geprägt gewesen, betonte sie: „Wir vertraten unsere Meinung konsequent und nachdrücklich, wenn auch nicht immer einstimmig. Dies entspricht jedoch der Philosophie der FRV. Die Freiheit eines jeden Einzelnen innerhalb der Fraktion bleibt auch weiterhin ein Kennzeichen unserer politischen Tätigkeit. Jeder entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen, dem Gemeinwohl zur Loyalität unserer Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet.“

Die meisten Entscheidungen im Stadtrat seien einstimmig erfolgt, betonte die Vorsitzende. Dennoch behalte sich die FRV vor, „auch kritisch zu sein, zu hinterfragen und den einen oder anderen Verwaltungsvorschlag mit einem Nein zu beantworten, wenn uns der Verwaltungsvorschlag  nicht überzeugt.“ Als Beispiel nannte sie die Abstimmung zum Stadtmarketingverein. Wie berichtet, erhält er für dieses und für das nächste Jahr jeweils 41000 Euro. Die FRV habe dagegen gestimmt, „weil uns die Argumentation nicht schlüssig“ und die vorgetragenen Zahlen des Vereins nicht transparent genug erschienen.

Voll im Plan

Besonders sprach sie in ihrem Bericht große und wichtige Projekte an, die gestemmt werden mussten: Bei „eingehaltenem Zeitfenster und eingehaltenen Kosten“ habe die Mehrzweckhalle eingeweiht werden können. Sie habe bei der Ausbildungsmesse als erste große Veranstaltung ihre Vorzüge und Nutzungsmöglichkeiten gezeigt. 2300 Schülerinnen und Schüler haben sie mit ihren Eltern besucht. Einheimische Betriebe und Betriebe aus dem Umland hätten sich dabei hervorragend dargestellt, sagte Jutta Striffler.

Zum fertiggestellten Topplerschulhaus unterstrich die Vorsitzende, die FRV sei von Anfang an überzeugt gewesen von der Einhäusigkeit der Grundschule und habe das Konzept unterstützt. Sanierung und Umbau des Spitalgebäudes zum Schülerwohnheim nannte sie eine Winwin-Situation. In den Erhalt und in die hervorragende Nutzung dieses einmaligen historischen Gebäudes habe die Stadt 6,4 Millionen Euro gesteckt. Das könne sie durch die langfristige Vermietung an den Landkreis refinanzieren.

Als Gewinn für Rothenburg bezeichnete die FRV-Vorsitzende auch Sanierung und Umbau des Gastronomischen Fortbildungszentrums (GBZ) samt Berufsfachschule. Der neue Kreisverkehr an der Bensenstraße funktioniere sehr gut, trotz anfänglicher Befürchtungen, der Kreisel sei zu klein.

Auch im Campus Rothenburg, der sich schneller als erwartet entwickelt, sieht Jutta Striffler wichtiges Potenzial. Zum Wintersemester 2016/17 mit dem Studiengang „Interkulturelles Management“ gestartet, haben sich für das Wintersemester 2017/18 insgesamt 62 neue Studierende eingeschrieben, so dass derzeit schon 102 Studierende zu verzeichnen sind.

In ihrem Bericht streifte sie auch die kommende Entlastungsstraße zwischen der Ansbacher Straße und der Erlbacher Straße, außerdem das Sanierungspaket für 21 städtische Wohnungen, die Kindergartenerweiterung am Herterichweg und die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs für die örtliche Feuerwehr.

Als anstehende Projekte nennt sie beispielsweise die Schulbushaltestelle auf dem Parkplatz P1 vorm Spitaltor, das „hoch förderfähige“ städtische Projekt zum Sozialen Wohnungsbau an der Erlbacher Straße, das Baugebiet Philosophenweg Ost und die barrierefreie Bahnhofskreuzung als langen Wunsch der FRV.

Die Gehwegsanierung Riviera hat sich verzögert, weil die erste Ausschreibung viel zu teure Angebote ergab. Mit dem erneuten Anlauf sieht Jutta Striffler wesentlich bessere Voraussetzungen gegeben. Es werde neu ausgeschrieben und die Sanierung sei förderfähig, werde auf jeden Fall 2018 durchgezogen. In diesem Zuge schlägt die FRV vor, auch gleich die Entbuschung der Bereiche am Hang der Tauber mit vorzunehmen und dabei vor allem die Sichtachsen freizuschneiden in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband.

Teures Gesamtpaket

Auf dem Bildungs- und Schulsektor warten noch große Vorhaben auf Umsetzung. So steht die Generalsa­nierung der Valentin-Ickelsamer-Mittelschule an und auch das kommende Montessori-Bildungszentrum in der Bleiche, auf der Fläche gleich neben dem Gymnasium, wartet auf seine Verwirklichung.

Das Gesamtpaket sei mit hohen Kosten verbunden und dennoch war und sei es richtig und unabdingbar, „in unsere Stadt zu investieren und uns zukunftsfähig aufzustellen. Wir sind auf einem guten Weg.“ Es sei in diesem Zusammenhang unvermeidlich Schulden zu machen: „Unser Ziel wird und muss es sein, den Schuldenstand langfristig Schritt für Schritt abzubauen“. Zum Glück seien „wir in Rothenburg“ noch in der glücklichen Lage, über eine Wirtschaft zu verfügen, die sich mit Tourismus, Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistung, Hotellerie und Gastronomie auf mehrere Standbeine verteile. Das garantiere nicht unerhebliche Gewerbesteuereinnahmen.

Themenjahre wichtig

Zur Situation im Tourismus betonte die Vorsitzende: Trotz terrorbedingter kleiner Einschnitte sei 2016 für Rothenburg nach 2013 und 2015 als das drittbeste Tourismusjahr verzeichnet worden und 2017 werde daran anknüpfen, „obwohl uns eine Woche Reiterlesmarkt fehlt“. Ro­thenburg könne sehr stolz darauf sein, bei einer Auslandsumfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus als einzige Stadt unter die Top 5 deutscher Sehenswürdigkeiten zu sein. Die geplanten Themenjahre seien ein wichtiger Baustein für das Akquirieren europäischer Gäste: „So sind wir auch diesbezüglich gut aufgestellt“.

Auch über die politische Arbeit hinaus hat sich im vergangenen Jahr einiges getan bei der FRV. Das zeigte der Bericht über die sonstigen Aktivitäten. Die traditionelle und allseits beliebte Denkmalbesichtigung führte diesmal an und hinter die Kunstuhr der Ratstrinkstube. Das Winzerfest der Familie Thürauf ist nicht wegzudenken aus dem Kalender der Vereinigung. Das trifft auch auf den Kindertrödelmarkt zu, der diesmal ausnahmsweise am ersten Sommerferien-Wochenende stattfand. Die jährliche Betriebsbesichtigung führte in den Steinbruch der Familie Schneider. Stadtrat Peter Holstein berichtete darüber. Stadträtin Brigitte Klingler gab Einblicke in die Arbeit des Bauausschusses. Jutta Striffler hob auch den Kontakt zu den unterschiedlichsten Betrieben der verschiedensten Sparten bis hinein in den Agrarsektor hervor. Darüber hinaus gebe es einen guten Draht zum Arbeitskreis Schule-Wirtschaft sowie zum IHK-Gremium.

Ihren Dank sprach die Vorsitzende Albert Thürauf, Uwe Soldner, Peter Wiegner und Stefan Brinkmann aus. Sie pflegen die Streuobstwiese im Besitz der FRV. Das sogenannte „Hufnagelswiesle“ liegt unterhalb der Kobolzeller Steige. Der Landschaftspflegeverband unterstützt das Projekt.

Auf Kontinuität gesetzt

Bei der harmonisch und entspannt verlaufenden Versammlung zeigte sich Jutta Striffler fünf Vorstandsmitgliedern für die immer vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit verbunden und den vier Fraktionskollegen für das respektvolle, engagierte Miteinander. Friedrich Schmidt, seit 1993 bei der FRV, schied auf eigenen Wunsch aus der Vorstandschaft aus und wurde für sein Wirken an der Spitze geehrt.

29 stimmberechtigte Mitglieder waren bei den Wahlen um ihr Votum gebeten. Sie setzten einstimmig auf Kontinuität. Als 2. Vorsitzende wurde erneut Brigitte Klingler gewählt, als Schriftführer erneut Erich Kirchgässner und als Kassier erneut Kurt Emmert. Als neue Mitglieder wurden bei der Versammlung unter Applaus Oliver Bruno Schmid und dessen Frau Astrid Schmid willkommen geheißen. Neu in den Ausschuss wählte die Versammlung die Ärztin Susanne Hepp. -ww-

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