Auf der Höhe der Zeit

Im Campus Rothenburg beginnt jetzt das Lehren und Lernen

ROTHENBURG – Viele Rothenburger und ehemalige Schüler der Luitpold-Grundschule nutzten nach der offiziellen Eröffnung des modernen Hochschul-Campus in dem über 110 Jahre alten qualitätvollen Denkmal den „Nachmittag der offenen Tür“ zur Besichtigung. Bei älteren Besuchern wurden lebhafte Erinnerungen wach an die Schulzeit in dem Altbau, als es dort weniger komfortabel zuging.

Modern inszeniert: Am Tag der Eröffnung war der Campus Rothenburg effektvoll illuminiert. Fotos: Schäfer

Die neue Bildungseinrichtung als Außenstelle der Hochschule Ansbach   lässt sich stolz vorzeigen. Rund 4,2 Millionen Euro hat die Stadt Rothenburg in den Umbau und die Sanierung des dreigeschossigen Dreiflügelbaus investiert, der nach den Plänen Theodor Fischers Anfang der 1900er Jahre als Schulhaus errichtet worden war und vom Aufschwung Rothenburgs Anfang des 20. Jahrhunderts zeugt. Eine Zeit, in der die industrielle und touristische Entwicklung zu einem erheblichen Anwachsen der Bevölkerung führte.

Die Grundstruktur des alten Schulhauses blieb beim Umbau zum Studienzentrum bestehen und wurde lediglich durch den Innenausbau an die neue Nutzung angepasst und mit einer Innendämmung versehen. Lediglich die nicht mehr benötigte ehemalige Hausmeisterwohnung wurde entkernt und zum Bistro mit Selbstbedienung für Studenten und Personal umgenutzt. Der kreuzgratüberwölbte Flur erschließt mit ausgeprägten Türlaibungen die großen Räume.
Das massive Treppenhaus wurde brandschutztechnisch abgeteilt. Erforderlich war auch eine statische Ertüchtigung der Tragstruktur unter Berücksichtigung des Schallschutzes. Rauchdichte Türen, Brandschutzverglasung, feuerhemmende und gut gedämmte Decken, Wände und Böden gehören zum neuzeitlichen Standard. Ebenso eine moderne Elektro- und Informationstechnik mit ultraschneller Datensynchronisation. Fast sechs Kilometer Kabel wurden verlegt und stecken in futuristischen Schienenelementen. Die verdeckten Stromtrassen mit ihrer Mehrfachfunktion erzeugen mit ihrer beweglich gelagerten Vorrichtung an der Decke eine ästhetische Raumwirkung. Die alten vergilbten, aber noch voll funktionstüchtigen Heizkörper sind hinter einer Wand­verkleidung  verschwunden, die akustisch wirksam ist und als Bücherregal verwendet werden kann.
Stadtbauamt und Hochschule bedienten sich eines renommierten Würzburger Architekturbüros, das schon das Fleischhaus und das Spitalgebäude saniert und umgebaut hat. Christian Teichmann und seine Kollegen genießen für ihre Arbeit auch im Bereich Denkmalpflege einen guten Ruf. Wie der Rothenburger Stadt­heimatpfleger, Dr. Konrad Bedal, bestätigt. Er gehörte zu den geladenen Gästen bei der Campus-Einweihung.

Professorin für Digitales Marketing: Dr. Carolin Durst.

Das Dachgeschoss des Gebäudes blieb unausgebaut. Es waren aber statische Eingriffe und Dämmmaßnahmen erforderlich. Außerdem wurde das Dach komplett neu eingedeckt. Die im Gefüge der Bauzeit erhaltenen Fassaden wurden instandgesetzt und ihr ursprüngliches Erscheinungsbild soweit als möglich wieder hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fachwerkfassade zum Hof durch eine massive Wand ersetzt. Die „versteinerte“ Westseite bekam jetzt eine mineralische Dämmung, sodass die Auskragung auch hier wieder stimmig wird. In die Putzstruktur wurde durch raue und glatte Flächen das Fachwerk modern übersetzt dargestellt. Bei den Besucherführungen durchs Haus wurde der Architekt immer wieder auf die neuen Fenster im Obergeschoss angesprochen.

„Ein heiß diskutiertes Thema an diesem Tag“, sagt Christian Teichmann. Er wurde nicht müde, die Hintergründe zu erläutern. Man habe die neuen Fenster im Fachwerkgeschoss in einer an den Ursprungsbestand angelehnten, jedoch vereinfachten Form gestaltet. „Denkmalpflege will nicht historisierend etwas nachbauen“, wie er betonte. Die neuen Fenster mit der Dreiteilung und den Quersprossen sei eine Variante, die auch vom Landesamt für Denkmalpflege abgesegnet wurde. Die zeitgenössisch übersetzte Fachwerkputzstruktur mit den neuen Fenstern spiegelt nach seinen Worten „das neue Jahrtausend wider“. Das moderne Rothenburger Studienzentrum „erfordert eine deutliche Prägung für einen innovativen Lernort“ was auch nach außen ablesbar sein sollte. Alle anderen Fenster wurden „gemäß historischem Vorbild erneuert“.
Die U-Form des gründerzeitlichen Gebäudes bot sich für den notwendigen zweiten baulichen Rettungsweg sowie die barrierefreie Erschließung an. Die vorhandene Stahltreppe wurde umgebaut, mit einem behindertengerechten Aufzug ergänzt und nimmt sich zwischen den Gebäudeflanken optisch zurück. Aus Sicht des Denkmalamtes wurde das Gesamtkonzept „der Bedeutung des Baus sehr gut gerecht“. Es verbinde Erhalt und Pflege des ursprünglichen Baubestands im Sinne der Gestaltung Theodor Fischers mit einer den ursprünglichen formalen Zusammhang veranschaulichten Überarbeitung der nach dem Zweiten Weltkrieg durchgreifend veränderten Fassadenbereiche“.
Nach der feierlichen Eröffnung des Campus Rothenburg geht nun die Arbeit los. Sie besteht darin, den hohen Ansprüchen und Vorstellungen professioneller Lehre gerecht zu werden. „Die Erstsemester sind da und die Schwerpunktfächer sind angelaufen“, sagt Prof. Dr. Carolin Durst. Mit Start dieses Wintersemesters unterrichtet sie Digitales Marketing im Rahmen von Kursen und Veranstaltungen. Sie vermittelt Vorgehens- und Denkweisen, wie Unternehmen, die im Zuliefererbereich aktiv sind, ihre Produkte besser verkaufen können.
Wer langfristig am Markt erfolgreich sein möchte, muss sich auch positionieren  mit starken Botschaften und einer lebendigen Kommunikation. Innovation zahlt sich aus. Umso erstaunlicher ist es, dass es selbst bei großen Unternehmen oft eher nach dem Bauchgefühl geht, anstatt systematisch und datengetrieben vorzugehen.
Die Spielart der Visualisierung demonstrierte der „Kommunikationslotse“ Tim Schuster von der Kölner Firma „Bikablo“ bei der Campus-Eröffnung auf effektive Art und Weise. Mit Hilfe von Worten, Bildern, Formen und Farben erstellte er ein visuelles Protokoll, welches über die herkömmliche Mitschrift weit hinaus geht. Der Auftritt der „Promis“ und ihre Botschaften wurden so stilsicher verewigt. sis

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