Wortwitz und Doppelbödigkeit

Kabarettist Günter Grünwald zeigte sich, wie ihn seine Fans kennen und lieben

ROTHENBURG – Stehe er irgendwo herum, so der Ingolstädter Kabarettist Günter Grünwald, so ziehe er im Umkreis von fünfhundert Metern alle Deppen an. In seinem aktuellen Programm „Deppenmagnet“, das er am Freitag in der Central-Garage Korn präsentierte, zieht Grünwald seine ganz eigenen Schlüsse aus den beobachteten Widersprüchen in Politik und Gesellschaft.

Günter Grünwald sieht sich als „Deppenmagnet“. Foto: Walter

In „Rothenburg an der Laber“ sei er schon einmal gewesen, witzelt er gleich zu Beginn. Aus seinen Aufzeichnungen wisse er, dass das Publikum hervorragend und das Catering ausgezeichnet gewesen sei. „Also ziang mas durch“, so der Kabarettist, „denn vor einem Auftritt kann ich nichts essen.“ Grünwald plauderte sich redegewandt durch die Absurditäten seiner Umwelt.

Der Trend, sich tätowieren zu lassen, gehörte etwa dazu. „Jeder will Individualist sein“, sagt er, „und macht das, was alle tun.“ Aber das könne auch schief gehen, wenn man um jeden Preis am Tätowier-Studio sparen will. Im Extremfall helfe nur noch, seine Geburtsurkunde abändern zu lassen, resümiert er.
Grünwald erzählt und plaudert, Dialekt gefärbt, und manchmal nahe der Geschmacksgrenze, bleibt dabei aber eher auf Stammtisch-Niveau. Hoch geistige, intellektuelle Kons-trukte schafft er nicht. Macht aber gar nichts, denn so kennen und lieben die Fans seine Bühnenfigur. Aufpassen mussten die Zuhörer dennoch, denn er spricht schnell, spickt seine Worttiraden und kleinen Geschichten mit Wortwitz und Doppelbödigkeit.
Lieblingsthema „Koch-Shows“
Koch-Shows gehören unter anderem zu seinen Lieblingsthemen. „Kochen kann trotz der Kochsendungen niemand mehr wirklich“, sagt er, „und es gibt immer mehr Fertigprodukte. Und die Hygiene-Fehler!“ Oder auch die Reisebüro-Beratung. Camping, Kreuzfahrt oder Club-Urlaub, alles keine Traumurlaube, sagt Grünwald. Ruhe, Erholung und Naturgenuss – nichts davon sei da wirklich möglich.
Und so geht es zügig weiter im widersprüchlichen Themen-Magnetfeld des Kabarettisten. Gutes Aussehen, was man ihm bis Dreißig immer bescheinigt habe und der Komiker-Beruf hätten im klaren Widerspruch gestanden. Da habe er mit Hilfe der Schönheitschirurgie gegenarbeiten müssen. Endlich sei er als Komiker erfolgreich, witzelt er.
Nur einmal thematisiert Grünwald  Zeitgeschichtliches, etwa seine Einschätzung als „Germanist“ der Schreibweise des „s“ während des Dritten Reiches. Wäre damals die Bezeichnung der Spezialtruppen das „Scharfe ß“  und nicht „SS“ gewesen, wären die vielleicht eher zur Lachnummer verkommen und hätten keinen Schaden anrichten können. Eine sehr vereinfachte und naive Sichtweise.
Zum Schluss gab Günter Grünwald seinem Publikum noch Hinweise, wie er es mit den Zugaben halte. Drei Mal Verbeugen bedeute eine Zugabe. Allerdings habe das im ersten Anlauf noch nicht ganz ausgereicht. Am Ende wurde es aber doch noch etwas. Viel Applaus für einen launigen frechen Abend unter dem Sterndach. elw

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