Tiefenentspannt und überschäumend

Konzertkritik: Pasadena Roof Orchestra wusste bei Kunst Kultur Korn erneut zu begeistern

ROTHENBURG – In seinem 49. Bestehensjahr begeisterte das Pasadena Roof Orchestra aus England beim erneuten Auftritt in der Kornhalle. Die Bigband aus 11 Musikern könnte kaum authentischer sein. Mit dem Rhythmus im Blut ließen sie auch bei ihrem jüngsten Gastspiel bei Kunst Kultur Korn die Tanzmusik der „Roaring Twenties“ mitreißend aufleben.

Könner am Saxophon: von links David Pritchard, Robert Fowler und Oliver Wilby. Fotos: Castelo

Frontmann Duncan Galloway war wie seine Bandkollegen bei der ers­ten Probe der Band im November 1969 noch nicht dabei, aber er führt das Lebensgefühl, die Melodien und die Qualität des erfolgreichen Orchesters mit jeder Menge Entertainment, verschmitzten Lächeln, charmantem Akzent und einer Prise englischem Humor fort, natürlich stilsicher im Frack, mit Fliege und Ansteckblume.

Das Orchester spielt Jazz-Klassiker von 1917 bis 1938 in allen Stimmungslagen, denn auch romantische und nachdenkliche Stücke dürfen nicht fehlen, von Louis Armstrong, von Bing und Bob Crosby, Stücke vom Duke Ellington Orchester, Ray Noble, Harry Woods und vielen mehr. Vorherrschend ist jedoch das fröhliche Dixie- und Swing-Gefühl in Highlights wie dem „Tiger Rag“, „Happy Feet“ und „Wochenend‘ und Sonnenschein“.
Die schwungvolle Tanzmusik mit zahlreichen kurzweiligen Soli von Trompeten, Saxophonen, Posaunen und Klarinetten erzählt Geschichten, ist tiefenentspannt und schäumt über vor Lebenslust. Galloway singt auf deutsch und auf englisch, liefert Tanzeinlagen und wirkt souverän wie Fred Astaire persönlich. Dazu kommen beeindruckende Soli, zum Beispiel von Tom Spats Langham auf dem Banjo mit äußerst flinken Fingern. Robert Fowler am Saxophon, Malcolm Baxter an der Trompete, David Pritchard an Saxophon und auf der Klarinette, Richard Busiakiewicz am Flügel – sie bilden eine perfekte Harmonie, sorgen für satten Klang und flotte Beats. Die unglaubliche Freude am Spiel hört man nicht nur, man sieht sie in ihren Gesichtern und wird davon angesteckt.

Meister seines Faches: Duncan Galloway.

Zur letzten Zugabe wurde der Kreis zum ersten Stück in der ersten Probe 1969 geschlossen und „Home in Pasadena“ gespielt, dieses wurde zum Namensgeber der Musiker neben der Tatsache, dass es in den 1920ern und 30ern auf vielen Hotels Dachgärten und somit auch „Dach-Orchester“ – roof orchestras – gab. Die Bigband professionalisierte sich 1974, wurde beinahe über Nacht in Deutschland extrem erfolgreich und im Anschluss weltweit.

Das Pasadena Roof Orchestra spielte die Musik zum Kinofilm „Comedian Harmonists“, im letzten Kinofilm mit Marlene Dietrich und auch Robbie Williams arbeitete mehrfach mit ihnen zusammen. Die stetig wieder zunehmende Popularität des Swing schreibt die Bigband ihrer eigenen Tätigkeit zu – bei der langen Geschichte, dem hervorragendem Niveau und der großen Bekanntheit wohl zu Recht. cas

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