Attraktive Kleinstadt für alle?

Möglichkeiten zur Entwicklung

ROTHENBURG – Wie kann eine Kleinstadt ihr Potenzial besser nutzen und für jüngere Menschen und Familien attraktiver werden? Eine Studie des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat sich damit beschäftigt. Die Ergebnisse könnte man als Ideen und Anregungen für die eigene Stadtentwicklung zur Hand nehmen.

Vom renovierten Schwimmbad bis zur neuen Hochschule im Luitpoldschulhaus: Für eine Stadt der Größe Rothenburgs ist viel für die Bürger geboten Fotos: hwf

Geht man ins Detail und überträgt  die Themen auf Rothenburg, kann man feststellen, dass man für eine Stadt der Größe Rothenburgs gute Voraussetzungen vorzuweisen hat. So zum Beispiel den Tourismus und die in weiten Teilen gute Infrastruktur. Beispiel dafür sind die verschiedenen Schulen, das Krankenhaus sowie die Vereine und Gemeinschafts-orte, wie das Jugendzentrum oder die städtische Bücherei.

Verbesserungsbedarf hat Rothenburg bei der Mobilität und beim Wohnungsmarkt. Zur Mobilität gehört die Erreichbarkeit der nächsten Zentren und die Anbindung der Ortsteile an die Kernstadt, auch ohne ein eigenes Auto zu besitzen. Diese beiden Punkte sind allen Bevölkerungsgruppen wichtig. Ältere Menschen legen noch Wert auf eine fußläufige Erreichbarkeit von Versorgungs- und Gemeinschaftseinrichtungen.
Den jungen Erwachsenen kommt es dagegen auf eine gute Anbindung auch abends und am Wochen­ende an. Die Studie macht Mobilität als Kernthema bei einer möglichen Konkurrenz der Kleinstädte um junge Einwohner aus. Diese legen ein verändertes Mobilitätsverhalten an den Tag und werden als „großstadtaffine Generation“ bezeichnet. Man könnte diese also vor allem mit alternativen Beförderungsmitteln zum eigenen Auto ansprechen.
Der öffentliche Nahverkehr wird hierbei ein Thema, das Rothenburger Busnetz kann man dazu als ausbaufähig bezeichnen. Vielen Bürgern sind die Transportzeiten zu lang, weshalb sie lieber auf das eigene Auto zurückgreifen. Eine Verbesserung des Busnetzes gestaltet sich aber schwierig. Stattdessen könnte man einen anderen Weg wählen, um alternative Mobilität im Stadtgebiet zu verbessern. In der Studie wird auch dem Fuß- und Radverkehr eine große Bedeutung in einer attraktiven Kleinstadt beigemessen.
Auf Basis aufbauen
Rothenburg verfügt in weiten Teilen über gut ausgebaute Rad- und Fußwege. Auf dieser Basis könnte man aufbauen. Oder man könnte Ideen aus den Groß- und Universitätsstädten zur Hand nehmen. Dort sind Carsharing oder Leihfahrräder sehr gefragt. Fahrradständer an denen man mit Hilfe seines Smartphones Fahrräder ausleihen kann, könnten an verschiedenen Punkten in der Stadt aufgestellt werden. Wichtig ist bei einer Verbesserung der Mobilität, dass der Verkehr intelligent vernetzt wird. Ein Plan zur Entwicklung des innerstädtischen Verkehrs könnte hierbei helfen.
Ein weiteres zentrales Thema ist der Wohnraum und die Lebensqualität in der Kleinstadt. Es geht dabei um gute Bedingungen für das Leben der Bürger, weniger um Arbeitsplätze. Viele der Bürger in der Studie wünschen sich lebendige Orte. Sie haben ein Bedürfnis nach Urbanität, nach Treffpunkten und Austausch. Das Bedürfnis konnte man quer durch die Generationen finden. Urbanität meint eigentlich ein vielfältiges und tolerantes Leben in der Stadt. Die Studie fasst Urbanität aber weiter: Neben einem vielfältigen Angebot an kulturellen Einrichtungen, Gastronomie und Konsumgütern, werden zur Stadtkultur auch Vereine, Traditionen oder Vertrautheit hinzugezählt.
Es gibt quasi eine eigene „kleinstädtische“ Urbanität, die in den Augen der Studienteilnehmer ein Ge-genmodell zum Leben in der Großstadt darstellt. Denn in der Kleinstadt trifft das städtische mit dem dörflichen Leben zusammen, was in ihrer Sicht ganz eigene Vorteile zu bieten hat. Vor allem in der Altstadt hat Rothenburg ein urbanes Lebensgefühl zu bieten, wobei urbane Treffpunkte auch außerhalb der Stadtmauern zu finden sind.
Aber zur Lebensqualität gehört auch das Thema Wohnraum. Hierbei meint die Studie, dass sich die Wohnungsnachfrage innerhalb der Gemeinden wandelt. Diese ist in Zukunft nicht mehr nur auf Einfamilienhäuser begrenzt, sondern differenziert sich stärker aus. In den Metropolen gibt es um bezahlbaren Wohnraum seit langem eine scharfe Diskussion. Mittlerweile ist das Thema auch in Rothenburg angekommen und man bemüht sich, den steigenden Wohnungspreisen entgegenzuwirken. Die Stadt hat eigene Pläne für neue Sozialwohnungen und auch die Diakonie plant zusätzliche Wohnungen für behinderte Mitbürger. Zuletzt wurden einige Häuser in der Altstadt renoviert, aber es gibt weiterhin viele  leerstehende Altbauten. Junge Erwachsene und Familien schätzen aber eine moderne Ausstattung. Und diesen Häusern in der Altstadt fehlt genau das: die Sanitär- und Heizungsanlagen stammen manchmal noch aus den Nachkriegszeiten.
Anreize für Zuzug in Altstadt
Auch entspricht die Raumaufteilung dieser Häuser oft nicht den modernen Ansprüchen. Man hätte hier Möglichkeiten, Wohnraum, den sich junge Familien leisten können, zu schaffen. Mit Bauförderungen bei Modernisierung könnte man Anreize zum Zuzug in die Altstadt schaffen. Oder eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gründen, mit deren Hilfe die leerstehenden Häuser saniert und vermietet werden könnten. Auch das geplante Baugebiet „Himmelweiher“ bietet neue Möglichkeiten für die Stadt.
In der Studie wird festgestellt, dass die Industrie und das Gewerbe weniger Einfluss auf die Attraktivität der Kleinstädte haben werden. Beim derzeitigen Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist das nicht verwunderlich, da in ganz Deutschland Ausbildungsstellen und Vollzeitjobs unbesetzt bleiben. Attraktiv wird eine Kleinstadt durch andere Merkmale.
Wissensökonomie und Dienstleistungsjobs werden in Zukunft ein höherer Stellenwert beigemessen. Und bildungstechnisch ist Rothenburg gut aufgestellt. Man hat alle weiterbildenden Schulabschlüsse vor Ort. Mit der Berufsschule und vor allem mit dem Außenposten der Hochschule Ansbach hat man außerdem vielen anderen Kleinstädten einiges voraus. Die Unternehmen in der Region bieten auch Möglichkeiten für ein duales Studium oder Auslandsaufenthalte an, um so junge Erwachsene vor Ort zu halten.
Der Studie nach werden in Zukunft nicht mehr der Job, sondern andere Dinge auschlaggebender sein, ob man die junge Generation hier halten kann. Die Lebensqualität, eine vorhandene Urbanität oder öffentlicher Nahverkehr werden Einfluss darauf haben, wie  attraktiv eine Stadt ist.
Attraktivität ist aber für jede Person unterschiedlich. Der eine ist mit der Stadt zufrieden, der andere beschwert sich über die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in der Altstadt und wieder ein anderer möchte, dass Bars abends länger geöffnet haben. Das sind nur Beispiele, aber es wird ersichtlich, dass es nicht einfach ist für ein junges Klientel attraktiv zu sein. hwf

6 Kommentare zu Attraktive Kleinstadt für alle?

  1. D.Dahm sagt:

    Die Parkgebühren sind für Urlauber die langer als 1-2 Tage bleiben eine Frechheit.
    ein Gast der seit fast Jahre nach Rothenburg kommt.

  2. Wolfgang sagt:

    Ganz einfach. Rothenburg lässt sich ohne Park- und Spaßverkehr viel besser erleben. So wird ein Schuh draus! Der Autoverkehr gehört, außer Anwohner, Pflegedienste und Lieferanten, nach draussen. Die Stadt voll zu öffnen war ein Fehler. (Rosen-Wenggasse ist die reinste „Stadtautobahn“ geworden.) Anreize schaffen vor der Stadtmauer zu parken – Tagesticket innen 10€, aussen 5€. Man muss es nur wollen. Ein paar Meter zu Fuss hat noch keinem geschadet und flanieren geht auch besser wenn man sich nicht dauernd von der Gasse auf die Seite hüpfen muss. Ausserdem belastet der viele Verkehr auch das Kopfsteinplaster, mann sehe sich die Passage Rödertor an.

    • Tim sagt:

      Aber wenn ich als Anwohner, der NICHT in der Altstadt wohnt erst draußen einen Parkplatz suchen und dann erst noch rein laufen muss, vergeht´s mir ehrlich gesagt eben. Ich bin beispielsweise auch ein „Gessert-Opfer“ und werde bei der Hausarztsuche bestimmt keinen Arzt innerhalb der Altstadt wählen, denn erst ewig nach einem Parkplatz suchen und mich dann durch die halbe Altstadt schleppen, am Ende auch noch ein Knöllchen kassieren weil ich auch meinem Bezahlparkplatz zu lang gestanden bin, nee..da hab ich keinen Bock drauf..

  3. Eva Renardy-Busch sagt:

    Nachdem es mich ab und zu wieder nach Rothenburg in meine alte, gèliebte Heimat zieht,ärgert es mich riesig, sehr viel Parkgebühren zahlen zu müssen, denn meine Freundin wohnt in der Stadtmitte. Ich wüsste gar nicht, wenn ich in Rothenburg übernachten, wo ich längerfristig kostenlos parken kann. Es tut eigentlich richtig weh, dass alles nur mit Geld zu erleben ist. Liebe Stadtoberhäupter, dass ist ein totaler Minuspunkt für euch.

    • Wagner,Herrngasse sagt:

      Hallo, Eva..

      Andere Städte machen es vor..Parkgebühren unter 1 Euro/Stunde, genügend Plätze für Anwohner und deren private Gäste..

      Aber wir wissen ja,dass unsere Verwaltung für eine Stadt unserer Größenordnung zu viele Mitarbeiter und als drittgrößte Stadt im Landkreis einen Oberbürgermeister hat und wer das wohl zahlt?

  4. Joe Schoebel sagt:

    Zu einer lebenswerten Stadt gehören in erster Linie gute und günstige Parkmöglichkeiten, die einen Einzelhandel belebt könnten. Jedoch verbringt man etliche Minuten an verschiedenen Parkautomaten, die am Ende manchmal auch gar nicht funktionieren und man 2 Tage nach Ablauf seines Anwohnerparkausweises gleich 15 Euro Strafzettel bekommt und keinen Hinweis oder Sonntags 18.05 am Kepellenplatz das Knötchen bekommt wenn man 5min. drüber ist. Das ist keine Willkommenskultur, wie es vielfach in anderen Städten betrieben wird 2-3h gratis Parken ohne komplizierte Automaten und Rothenburg Card, einfach gerne kommen und gehen. Die Stadtverwaltung sollte dies wirklich nochmal grundsätzlich überdenken und erneuern, ein Parkraumkonzept, das für Jeden immer ein „Geschmäckle“ hat und somit das Leben in der Altstadt ungemütlich macht. Was die Lebenswertigkeit am Philosophenweg betrifft, wer will denn bitte in das dunkle feuchte Loch am Turmseelein ziehen, lasst es doch den Kröten und Insekten, es gibt soviel Platz um die Stadt herum mit Licht und trockenem Boden.

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