Diskussion zum Flachdach

Im Hinterhof in der Paradeisgasse ist erdgeschossiges Gebäude vorgesehen

ROTHENBURG – Dürfen in der Altstadt Gebäude im Flachdach-Stil neu errichtet werden? Der Bauausschuss beantwortete diese Frage in seiner jüngsten Sitzung mit einem eindeutigen Ja, allerdings unter der Bedingung, dass ein solcher Bau  nicht vom Straßenraum einsehbar sein darf. Das Gremium genehmigte einstimmig den Antrag auf Genehmigung eines so gestalteten erdgeschossigen Erweiterungsbaus im rückwärtigen Bereich in der Paradeisgasse.

Was, wenn diese Baulücke geschlossen wird? Ein Aspekt in der Flachdachdiskussion. Fotos: Weber

Ob man da nicht einen Präzedenzfall schaffe, der künftige Ablehnungen erschwere, gab Dr. Günther Strobl (SPD) eingangs zu bedenken. Aber Stadtbaudirektor Michael Knappe zerstreute diesen Einwand. Es bestünden längst sehr viele Gebäude mit Flachdach in der Altstadt. Sie seien vor allem in Hinterhöfen zu finden, wo sie das historische Ensemble nicht stören.
Gleiches sieht der Chef des städtischen Bauamts jetzt für besagten Bauantrag gegeben. Der setzt formal freilich die Erlaubnis zur Abweichung von der Baugestaltungssatzung voraus. Die wurde erteilt. In der Sitzung geäußerte Vorbehalte hatten keinen Bestand. Fritz Sommer (UR) hatte Bedenken, dass durch das Projekt weniger Licht in die Häuser direkt angrenzender Nachbarn fallen könne. Das sei schon wegen des Flachbaus nicht zu erwarten, betonte der Stadtbaudirektor.
Dr. Karl-Heinz Schneider (FRV) meinte, der Brandschutz für den Flachbau könne möglicherweise erschwert werden, wenn auf dem anschließenden Grundstück, wo sich von der Stollengasse erschlossene  Parkplätze eines Geldinstituts befinden, die vom Krieg herrührende Baulücke geschlossen werde.
Es sei nach wie vor doch erklärtes Ziel, diese Löcher im Ensemble nach und nach vollständig verschwinden zu lassen. Der Chef des Bauamts verwies darauf, dass auch direkt anschließend an der Stollengasse und an der Paradeisgasse die Feuerwehr im Fall der Fälle zum Löschen nicht in den Hof oder von hinten an die Rückfassade gelangen könne. Wenn es brenne, müsse der Brand dort über die Drehleiter von oben bekämpft werden.

Die Mauersanierung hier kostet 36000 Euro mehr.

Stefan Reihs (SPD) machte die Befürchtung von Nachbarn (zwei von ihnen haben den Bauantrag nicht unterschrieben) zum Thema. Demnach werde hier kaum neuer Wohnraum geschaffen, sondern es entstehe eine Ferienwohnung. Es sei die Wohnraum-Erweiterung beantragt und nichts anderes, betonte der Stadtbaudirektor.  Man werde ein Auge auf die Umsetzung haben.

Von der Tagesordnung genommen worden ist der beantragte und von der Bauverwaltung skeptisch gesehene Austausch von Fenstern im Gebäude Judengasse 37. Man habe sich auf eine einvernehmliche Lösung geeinigt, betonte Bürgermeister Kurt Förster. Er leitete über weite Strecken die Sitzung und vertrat den erst zum Ende des öffentlichen Teils dazugestoßenen Oberbürgermeister Walter Hartl.
Ohne Diskussion einstimmig befürwortet hat der Bauausschuss den Antrag von Electrolux, einen früher als Lager genutzten Teil der Werkhallen zu Büros für die Entwicklungsabteilung zu machen. Das spreche für eine erfreuliche Entwicklung beim größten Arbeitgeber der Stadt, sagte der Chef des Bauamts. Von außen werde sich die Nutzungsänderung kaum bemerkbar machen. Lediglich eine Fluchttreppe müsse angefügt werden.
Ohne weitere Wortmeldung ist auch die Mitteilung geblieben, die Firma Schöpper wolle Am Igelsbach 21 eine Lagerhalle mit Kfz-Prüfstelle und Betriebsleiterwohnung errichten. Den Ausschuss-Mitgliedern wurden Ansichten vom künftigen Projekt vorgestellt.
Rund 36000 Euro teurer als vorgesehen kommt die Mauerwerkssanierung im Bereich Hirschenweg/Kobolzeller Steige. Das hängt damit zusammen, dass von außen ein neuer Strebepfeiler notwendig geworden und dass der Sanierungsabschnitt schwer zugänglich ist. Hinter der Mauer ist bisher nur relativ lose verfüllt. Ein Haus dort ist nicht unterkellert und ein Absacken der Mauer hätte erhebliche Schäden hervorgerufen.
Durch den Mehraufwand seien die höheren Kosten gerechtfertigt, war man sich einig. Der Ausschuss genehmigte einstimmig die Überschreitung der Auftragssumme. -ww-

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