Zeichen der Wertschätzung

Katholische Kirchengemeinde St. Johannis empfindet Unterstützung als Segen

ROTHENBURG – Einfach himmlisch: Die katholische Kirchengemeinde St. Johannis freut sich über finanzielle Entlastung im Zusammenhang mit der aufwändigen Renovierung ihres altehrwürdigen Gotteshauses. Die private Stiftung Denkmalschutz und die Glücksspirale mit dem Lottoglück machten es möglich.

Architekt Klaus Edelhäuser, Bauingenieurin Susanne Schulz, Stadtbaumeister Michael Knappe, Pfarrer Harald Sassik, Kirchenpflegerin Birgit Hiller und Friedrich Müller. Fotos:sis

Mit der stattlichen Förderung in Höhe von 70000 Euro reduziert sich der  Eigenanteil der Kirchengemeinde auf 180000 Euro, den sie selber aufbringen muss.  Der wohltuende Geldsegen schmälert nicht weitere Zuschussmöglichkeiten – ein schöner zusätzlicher Aspekt. „Wir freuen uns sehr über die Zuwendung“, sagte Pfarrer Harald Sassik bei der Übergabe des symbolischen Schecks vor der Pfarrkirche durch Michael Knappe vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). „Wir sehen in der Auszeichnung auch eine Würdigung unseres Engagements für den Denkmalschutz“, betonte der Geistliche und fügte an, wie sehr man sich bemühe, „die Geschichte zu begreifen, um Gegenwart   zu gestalten und Zukunft positiv als He­rausforderung zu sehen.“ Die St. Johanniskirche ist eine von fünf Kirchen in der Altstadt neben St. Jakob, der Franziskanerkirche, der Spitalkirche und St. Wolfgang – Orte des Glaubens, der Geschichte und Tradition.

Die Johanniskirche gehört zu den über 440 Projekten, die die in Bonn ansässige Denkmalschutzstiftung dank privater Spenden und Mitteln der Glücksspirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.  Die Stiftung Denkmalschutz tritt dort ein, wo staatliche Mittel nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Seit ihrer Gründung 1985 von einer Gruppe von Vertretern deutscher Unternehmen auf Schloss Gracht bei Köln verfolgt sie zwei Ziele: Kulturdenkmäler zu bewahren und das Bewusstsein für den Denkmalschutz in der Öffentlichkeit zu stärken, um möglichst viele Menschen zur Mithilfe zu gewinnen.
In den 33 Jahren ihres Bestehens hat die Denkmal-Stiftung über 5000 Objekte mit 600 Millionen Euro unterstützt. Stadt- und Dorfkirchen, Klöster, Burgen und Schlösser, Bürgerhäuser, Industriedenkmale, Parks, öffentliche Bauten und archäologische Grabungen. Die Summe setzt sich zusammen aus Spenden von Privatleuten, der Industrie und einem beachtlichen Beitrag von Lotto Bayern. Die Glücksspirale als Bestandteil von Lotto Bayern stellt einen Teil ihrer Erträge der Stiftung zur Verfügung. Im Rahmen dieser Möglichkeiten wurden nun auch die Instandsetzungsarbeiten an der St. Johanniskirche gefördert.
Die Zimmerarbeiten am Dach stehen vor dem Abschluss. Holzbauteile hatten massive Schäden. Zum Teil verursacht im Rahmen der letzten Instandsetzung Ende der 1960er Jahre, als Reparaturarbeiten so durchgeführt wurden, wie man sie heute nicht mehr machen würde, weil sie Folgeschäden verursacht haben, erläuterte Architekt Klaus Edelhäuser. Balken waren ausgehöhlt oder abgemorscht und mussten ausgetauscht werden. Auch eine neue Dacheindeckung war nötig, denn der alte Bestand stellte sich als marode heraus.
Verzögerung im Zeitplan
Ein weiteres großes Gewerk be­inhaltet Schutzmaßnahmen zur Sicherung der Steinskulpturen an der Fassade. Die Zeit drängt vor dem Wintereinbruch. Dann geht es im Innenbereich weiter mit dem Einbau einer neuen Heizung und Podesten, auf denen die Kirchenbänke positioniert werden. Außerdem müssen alle Wandflächen gereinigt, zum Teil auch retuschiert und die Decke gedämmt werden, um das Raumklima zu verbessern. Im Frühjahr nächsten Jahres bekommt die Kirche auch einen neuen Fassadenanstrich. Die Farbwahl ist noch nicht entschieden. Es hat sich heraugestellt, dass der bisherige rote Anstrich historisch nicht belegbar ist.

Steinskulptur an der Fassade: der heilige Christophorus.

Gemäß dem festgelegten Zeitplan wollte man schneller vorankommen.  Aber eine Großbaustelle mitten in der Altstadt bei Auto- und Fußgängerverkehr – und jetzt im Reiterlesmarkttrubel – ist nicht einfach zu händeln. Für die Kranaufstellung gab es festgelegte Zeiten, um an Pfingsten nicht den großen Heereszug zu beeinträchtigen.    Die gleichzeitig vonstatten gehende Sanierung der Burggasse im Umgriff der Kirche stellt eine zusätzliche He­rausforderung dar.

Die Gottesdienste verlegte die Kirchengemeinde, zu deren Pfarrkirche  2760 Katholiken gehören, in die Marienkirche zu Kobolzell am Fuße der Altstadt – und jetzt in die Kirche St. Laurentius in Gebsattel, weil dort beheizt ist.  Die Gesamtkosten für die Instandsetzung der St. Johanniskirche beläuft sich auf mindestens 800000 Euro. 65 Prozent übernimmt die Diözese Bamberg.
Bei dem Gotteshaus handelt es sich um die einstige Klosterkirche der Johanniter. In der östlichen Giebelwand befinden sich noch Reste des ehemaligen Johannitertors. Diese bauliche Verbindung und die hiermit entstandene städtebauliche Situation ist heute noch durch den hervorspringenden Baukörper in die westliche Stadtflucht von der Oberen zur Unteren Schmeidgasse deutlich erkennbar. An der Nordfassade mit romanischer Fensterumrahmung stehen Steinskulpturen, die Johannes den Täufer mit einer Prophetenkonsole und einem an der Fußplatte betenden Stifter darstellen. Westlich schließt unmittelbar das Nachbargebäude an, einst Kommendehaus und heute Kriminalmuseum.
Bauliche Besonderheiten
Der schlichte, rechteckige, verputzte und spätgotische Steildachsattelbau mit massivem Giebelreiter und Glockendach wurde zwischen 1390 und 1404 erbaut. Zu größeren Veränderungen kam es 1604 und Ende der 1960er Jahre. Nachdem die Kirche dem Ritterorden entzogen worden war, wurde sie 1553 nach erfolgter Reformation bis 1803 zur evangelischen Kirche. Vier kräftige Muschelkalk-Säulen auf hohen Postamenten schmücken seit 1604 den Innenraum der dreischiffigen Saalkirche und stützen das augebaute Dach über der Bohlenbalkendecke. Das Dach birgt den 1628 ausgebauten viergeschossigen städtischen Getreidespeicher.
Die heutige Innenraumgestaltung mit dem Giebelfenster im Altarraum und die hochwertigAusstattung mit Altarkreuz, Tabernakel, Ambo (Lesepult), Osterleuchter und Weihwasserkessel geht auf die Veränderungen um 1968 zurück. Damals wurde auch das Ostfenster als Farbglasfenster von Paul Corazolla neu gestaltet. Einziges Stück der alten Ausstattung ist eine Marienstatue aus der Zeit um 1650. Zu den Besonderheiten gehören auch die Grabmäler an der Ostwand aus dem 15. und ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. sis

Ein Kommentar zu Zeichen der Wertschätzung

  1. Marc Schmidt sagt:

    Der bisherige rote Fassadenanstrich ist historisch nicht belegt heißt es. Stellt sich die Frage, welche Rolle das überhaupt spielt. Das heutige Kirchengebäude 2018 muss doch nicht den ursprünglichen Farbanstrich haben. Wichtig ist doch, dass die Farbe sich in die heutige Umgebung passend einfügt. Wie es „früher“ einmal war, das ist doch egal ! Architektur lebt von Veränderungen und nicht vom Stillstand.

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