Genau hinsehen

„Kostbarkeiten“ wertschätzen

ROTHENBURG – Sie werden leider viel zu oft übersehen: Die kleinen baulichen Kostbarkeiten, die so sehr zum Gesamtbild der schönen historischen Stadt gehören.

Romanische Baukunst: Doppelfenster mit doppeltem Rahmen. Fotos: Schäfer

Mit der Projekt-Reihe „Kleine Kostbarkeiten“ gehen Verein Alt-Rothenburg und Stadt gemeinsam mit gutem Beispiel voran, historischen Fassadenschmuck und andere bauliche und gestalterische Besonderheiten in die Zukunft zu retten durch eine fachgerechte Sanierung dieser einzigartigen Objekte. Das Engagement trägt zur Qualität im Stadtbild bei. Außerdem steckt die Absicht dahinter, auch private Hauseigentümer als mächtige Verbündete hinter sich zu bekommen. Verbunden mit dem Wunsch, sie zu sensibilisieren für Aspekte ästhetischen Ausdrucks in der Architektur, damit sie in den Erhalt besonderer Baukunst investieren und den Wert des Schönen schätzen. Sie tragen  auch zur Wertsteigerung der Immobilie bei.

Ein gutes Team bei den „Kleinen Kostbarkeiten“ Dr. Markus Naser (li), Michael Knappe, Gudrun-Knoll Schäfer, Wolfgang Brück.

Bei der jüngsten Maßnahme handelte die Stadt als Eigentümerin. An der Blasiuskapelle im Burggarten wurde der Baldachin, die figürliche Reliefplatte und das romanische Doppelfenster gesichert und vor weiterem Verfall bewahrt.

Mit der fachgerechten Ausführung war die Steinsanierungsfirma Herzig betraut, mit der Alt-Rothenburg und Stadt schon länger zusammenarbeiten und auch gute Erfahrungen gemacht haben. Die Kosten werden aufgeteilt.
Um Anreize zu schaffen, unterstützen Alt-Rothenburg und Stadt auch Privatleute bei der Sanierung baulicher Kostbarkeiten. So lässt ein Eigentümer in der Klostergasse eine Steinbank im Rahmen des Programms „Kleine Kostbarkeiten“ restaurieren und eine Hoteliersfamilie ihre Steinpostamente aus der Renaissance, die den Eingang ihrer Garten­terrasse schmücken. Es sind vor allem die äußeren Einflüsse wie die Witterung, die dem Naturstein zusetzen.
Angeregt hat die Projekt-Reihe, die geschichtliche Zeugnisse vor dem Verfall bewahrt, das engagierte Alt-Rothenburg-Mitglied Gudrun Knoll-Schäfer. Seitdem hat sich einiges getan. Auf die Steinsanierung der Turmspitze im Klostergarten folgte die Instandsetzung einer Feuerschutztür zum Pulverturm am Schrannenplatz. Auch die romanischen Fensteröffnungen als dekoratives Gestaltungselement an der Nordseite des ehemaligen Dominikanerinnenklosters (heute RothenburgMuseum und Theaterhaus) wurde inzwischen fachmännisch saniert.
Jahr für Jahr soll ein Projekt realisiert und zum Abschluss gebracht werden. Angesichts der prekären städtischen Haushaltslage geht jetzt die Befürchtung um, dass keine Mittel mehr für die „Kleinen Kostbarkeiten“ zur Verfügung gestellt werdern können. Zuletzt handelte es sich dabei um die Summe von 15000 Euro. Bisher übernahmen Stadt, Alt-Rothenburg und im Fall eines privaten Eigentümers jeweils ein Drittel des finanziellen Aufwandes.
Wenn die Stadt ihr Budget streicht, steht die Frage im Raum, wie es weitergeht. Der Verein Alt-Rothenburg kann die Bewahrung historischer Ausstattungsstücke wie Wappen, Skulpturen, Gewände, Sandsteinbänke, Geländer, nicht alleine stemmen. Viele dieser Elemente haben hohen Sanierungsbedarf. sis

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