So schön kann Natur sein

Ausstellung des Bund Naturschutzes möchte Gartenbesitzer aufklären

ROTHENBURG – „Mehr Natur in den Garten!“ – Was sich im ersten Augenblick paradox anhört, ist für den Bund Naturschutz (BN) ein wichtiges Anliegen. Denn moderne Gartengestaltung mit viel Stein und Beton ist Gift für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Mit der Fotoausstellung „Tatort Garten – Ödnis oder Oase“, die zurzeit im Foyer der Stadtbücherei zu sehen ist, möchte die Ortsgruppe Rothenburg darauf aufmerksam machen.

Bürgermeister Kurt Förster und Bernd Horbascheck (4. und 5. v.l.) vom Bund Naturschutz eröffneten die Ausstellung im Beisein interessierter Besucher. Foto: privat

Konzipiert wurde die Ausstellung von der BN-Kreisgruppe Landshut. Dementsprechend stammen auch viele der Fotografien aus der Hauptstadt Niederbayerns. Aber auch in Rothenburg und dem Umland gebe es wohl genügend Beispiele, anhand derer sich dieser naturfeindliche Wandel dokumentieren ließe. Denn längst hat sich der Trend weg von Blumen,     Büschen und Gräsern hin zu Beton und Stein von den städtischen Ballungsräumen auch auf das flache Land ausgebreitet.

So wie sich die Architektur im Laufe der Zeit vom fränkischen Satteldach zu „stillosen Wohnkästen“, wie Bernd Horbaschek, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Rothenburg, die moderne Bauweise bezeichnet, wandelt, so wird auch die Umgebung daran angepasst. Statt üppig blühender Gartenpracht findet man dort Schotterwüsten. Ein Grashalm, der durch die Ritzen der Pflastersteine spitzt, ist dann das höchste der Gefühle.
Ernährung und Erholung
Einst diente so ein Garten der Ernährung und der Erholung. In Schrebergärten waren diese beiden Funktionen in optimaler Weise vereint. Doch auch die kleinen Parzellen, in denen Gartenfreunde ohne eigenes Stück Land direkt vor der Haustür ihre grüne Ader ausleben können, verschwinden zusehends. Man könnte meinen in den heute immer hektischer werdenden Zeiten ist so eine private Ruheoase Gold wert. Doch weit gefehlt. Der Garten wird nicht mehr als Ort für Mußestunden und um die Seele baumeln zu lassen angesehen. Vielmehr verbindet man mit ihm permanentes Unkraut jäten, Rasen mähen und lästige Insekten, die sich uneingeladen zum sonntäglichen Kaffeetrinken hinzu gesellen.

Hannelore Hochbauer hat extra einenTisch mit passenden Büchern zum Thema vorbereitet. Foto: Scheuenstuhl

Die Folge: Nicht nur die Garageneinfahrt wird gepflastert, sondern gleich die restliche Fläche um das Haus mit. Schotterflächen, die sich aus Steinen verschiedener Größe zusammensetzen, werden gezielt als Gestaltungselement eingesetzt. Hinzu kommen die seit einigen Jahren wie Pilze aus den Boden schießenden Gabionen, die vor allem als Sichtschutz eingesetzt werden.

Doch auch in Gärten, in denen tatsächlich noch Grün statt Grau die vorherrschende Farbe ist, gibt es in den Augen des Bund Naturschutzes Potenzial zur Verbesserung. Denn oftmals zieren dann Rasenflächen das Stückchen Land, das ständig bewässert und gedüngt werden muss. Außerdem findet man öfter Nadel- statt Laubbäume dort an, weil man mit Letzteren wieder mehr Arbeit verbindet (Laub, Früchte und Schnitt). Bei den Büschen werden gerne standortuntypische Exemplare ausgewählt – wohl aus optischen Gründen. Dem Bund Naturschutz stellt sich da die Frage: „Wo bleiben da die ökologischen Nischen mit dem entsprechenden Nahrungsangebot für Insekten, Vögel und die anderen Bewohner des Gartens?“
Beispiele mit Info-Material 
Die Ausstellung in der Stadtbücherei stellt positive und negative Beispiele für die Gartengestaltung gegenüber. Zudem liegt Informationsmaterial, wie ein Ratgeber für bienenfreundliches Gärtnern und eine Handreichung zum Thema „Wildgarten“. Dort wird auch erklärt, was unter einem „naturnahen Garten“ zu verstehen ist. Dieser setzt sich nämlich aus vier Elementen zusammen: einem Bestand aus heimischen Sträuchern, einem Staudenbeet, einer blumen­reichen Wildblumenwiese oder Blühfläche, und – bei ausreichendem Platz – einem Bestand an heimischen Laubbäumen. Weiterhin ist darin beschrieben, worauf man beim Kauf von Saatgut für die Wildblumenwiese achten muss, damit sich Insekten daran auch wirklich gütlich tun können.
Weitere wichtige Elemente eines Naturgartens sind etwa die Fassadenbegrünung mit Efeu oder Wildem Wein, ein Gartenteich sowie ein Komposthaufen – für Rosenkäfer oder Nashornkäfer und um selbst Dünger herzustellen. Totholz ist der ideale Lebensraum für Hirschkäfer und Bockkäfer während Igel in Reisig- und Laubhaufen Unterschlupf finden. Mit einem Insektenhotel kann man Wildbienen und Faltenwespen etwas Gutes tun – wobei fast drei Viertel aller Wildbienenarten in Deutschland im Erdboden nisten. Für sie wäre ein Fleckchen im Garten  ideal, das nie umgegraben, gedüngt und zu eng bepflanzt wird.
Und wer nach dem Besuch der Ausstellung gleich zur Tat schreiten  oder sich zumindest schon einmal mit den Informationen versorgen möchte, wie er seinen Garten zu einem Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt machen kann, der findet in der Stadtbücherei gleich die entsprechende Lektüre auf einem extra Tisch. mes
Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Januar zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen: Montag und Donnerstag von 13.30 bis 18.30 Uhr, Dienstag und Freitag von 10 bis 18.30 Uhr und Samstag  von 9 bis 12 Uhr.

Ein Kommentar zu So schön kann Natur sein

  1. Meggie Prim sagt:

    Möchte hier auch auf den Antrag für das Volksbegehren-Artenvielfalt „Rettet die Bienen, Vögel und Schmetterlinge- stoppt das Artensterben“ hinweisen. Die Eintragungszeit ist vom 31.01.-13.2.2019 für Rothenburger und den umliegenden Gemeinden, im Einwohnermeldeamt der Stadt Rothenburg.

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