Vorgaben festklopfen

Die Stadtverwaltung hat ihre Hausaufgaben schon gemacht

ROTHENBURG – Die künftige Brauhaus-Nutzung bleibt weiter ein spannendes Thema. Stadtbaudirektor Michael Knappe und der städtische Jurist, Rechtsdirektor Michael Sommerkorn, haben die schwierige Aufgabe übernommen, Ausschreibungsunterlagen für die favorisierte Lösung eines 4-Sterne-Hotels zu erarbeiten und inzwischen konkrete Bedingungen zum Verkauf des städtischen Industriedenkmals vorgelegt.

Hehre Absicht: Der parkähnliche Charakter des Brauhausgeländes vor dem Klingentor soll erhalten bleiben. Fotos: Schäfer

Nun müssen die im Stadtrat vertretenen Fraktionen ihre Hausaufgaben machen. Sie sind aufgefordert, ihre Ansichten zu dem Konzept der Verwaltung einzubringen und zu einem gemeinsamen Vorschlag zusammenzufassen. Bei diesem wichtigen Entscheidungsprozess soll die Öffentlichkeit nicht außen vor bleiben, wie der Stadtbaumeister im Gespräch mit der Redaktion betont. Geplant ist eine Sondersitzung des Stadt­rates, bei der die Inhalte der rechtssicheren Festschreibung für die private Investorensuche transparent gemacht werden.
Auf welche Eckdaten sich die Verwaltung festgelegt hat, daraus macht Michael Knappe kein Hehl. Demnach sind die kritischen Punkte mehr oder weniger bereinigt. Die öffentliche Debatte in den letzten Monaten um das stadtbildprägende Objekt im Umgriff der Altstadt am Klingentor hat sicherlich zur Sensibilisierung beigetragen, dass jetzt ganz viele wichtige Dinge geregelt und festgeklopft werden sollen.
In die Pötte kommen
Die Stadträte als gewählte Volksvertreter stehen im Blickpunkt, ihre Rolle als Souverän stärker zu spielen in Sachen Stadtentwicklung. Es kann nicht sein, dass Investoren die Marschroute vorgeben und etwaige Versprechen abgeben, die nicht eingehalten werden müssen, denn sie sind keine verbindlichen Verträge, deren Einhaltung gerichtlich einzu- klagen sind.

Marschroute vorgegeben: Das Sudhaus muss als Teil der Neukonzeption erhalten werden.

Die Verwaltung will, dass das Sudhaus als Einzeldenkmal erhalten bleibt und geht sogar noch einen Schritt weiter mit ihrer Forderung, „dass es denkmalgerecht saniert“ werden muss. Die Verwaltung will auch konkret abgesichert haben, dass die Kellergewölbe in die neue Nutzung mit einbezogen werden und der parkähnliche Charakter am Zugang zum Gelände erhalten bleibt.

Wenn der Stadtrat möglichst rasch in die Pötte kommt, soll die öffentliche Ausschreibung deutschlandweit erfolgen. Ziel ist es, einen echten  Wettbewerb zu gewährleisten. Michael Knappe ist zuversichtlich, dass es eine Resonanz bei Investoren geben wird und interessante Angebote kommen.
Interessenten gab es bisher schon für das Brauhausgelände. Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Eine Stadtrats-Mehrheit hat klar die Hotel-Nutzung favorisiert. Es kann sich auch die Investorengruppe wieder bewerben, die zunächst einen Grobentwurf zur Wohnbebauung vorgelegt hat, aber vielleicht auch an einem neuen Hotelbetrieb interessiert sein könnte, um in Rothenburg weitere Pflöcke einzuschlagen.
Der Vorschlag einer Wohnnutzung auf dem Brauhausgelände war nicht von vornherein vom Stadtrat verworfen worden, sondern erst nach Abwägung der Auswirkungen im Interesse der Allgemeinheit. Bezahlbarer Wohnraum ist eine der großen sozialen Fragen, denn er ist auch in Rothenburg knapp. Die Stadtrats-Mehrheit ging aber davon aus, dass sich das Angebot für Wohnraum eher in einem mittel- und höherpreisigen Segment bewegen würde, schon um die möglichen höheren Kosten für die schwierige Hanggelände-Situation zu amortisieren, wenn die Statik des Gebäudes ertüchtigt werden muss.
Es wurde auch angesprochen, dass die Wohnbebauungs-Konzeption der Investorengruppe unter Ausnutzen jeden Quadratmeters noch freier Fläche gedacht war. Diese „bauliche Dichte“ führe zu einem Missverhältnis von bebauter zu unbebauter Fläche. Das Maß der baulichen Nutzung ist ein wichtiges städtebauliches Steuerungsinstrument des öffentlichen Baurechts. Die an das Brauhausgelände angrenzenden städtischen Wohnblocks an der Mergentheimer Straße sind momentan nicht Bestandteil des geplanten Ausschreibungsverfahren, sagt Michael Knappe. Sie können aber als Option angeboten werden. Auch darüber muss der Stadtrat noch befinden. Die Verwaltung favorisiert die Lösung, die beiden Häuser in Eigenregie zu sanieren und zusätzliche Mietwohnungen zu schaffen.
Im Zusammenhang mit der Hotel-Nutzung auf dem Brauhausgelände besteht aber auch Interesse, die Wohnblocks mit einzubeziehen. Gute Mitarbeiter für Hotellerie und Gastronomie seien nur zu gewinnen, wenn ihnen eine Wohnung in Aussicht gestellt wird. „Diese Möglichkeit möchten wir vorerst noch offenlassen“, so der Stadtbaudirektor. sis

Ein Kommentar zu Vorgaben festklopfen

  1. Wagner,Herrngasse sagt:

    Ob das mal gut geht?
    Wir sind ja bereits mehrmals von fremden Investoren jahrelang hingehalten worden und am Ende sind schon einige Luftschlösser in sich zusammengefallen.

    Wie lange wollen wir dem Ausverkauf unserer Heimat an fremde Investoren noch zusehen?Ist es angesichts der derzeitigen politischen Lage mit Shutdown, Brexit und anderen Krisenherden nicht an der Zeit, nicht alles in Richtung Tourismus zu denken? Weshalb kein gehobenes Wohngebiet..es würde neue finanzstarke Bewohner in die Stadt bringen..
    Und wo soll Ersatz für die städtischen Wohnungen in der Mergentheimer Stra0e herkommen?

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