Die Narren sind los

„Frankemer Stupfl“ startet fulminant in die Session

SCHILLINGSFÜRST – Auf zu neuen Höhenflügen macht sich seit Samstag der „Frankemer Stupfl“. Mit einer gelungenen Prunksitzung startete er in die diesjährige Session. Auch heuer zeigten sich die Akteure wieder in Bestform und begeisterten mit Kreativität, Bühnenpräsenz und Humor samt gehöriger Portion Ironie und Sarkasmus.

Auch heuer dürfen die spitzen Zungen und tadelnden Lieder der „Stupfler“ nicht fehlen.

Einen schwungvollen Start legten die Mädchen der Jugendgarde aufs Parkett der restlos ausverkauften Albert-Zietz-Halle. Dass sich aber niemand einfach nur bequem zurücklehnen und sich von den einzelnen Darbietungen berieseln lassen kann, stellten die beiden Animateurinnen Natatlie und Maja von Anfang an klar. Denn wer sich die nächsten Stunen gut unterhalten lassen möchte, der muss zunächst in sportliche Vorleistung gehen. Da ihre Schlagfertigkeit ihrer Fitness in nichts nach steht, plauderten die beiden außerdem munter aus dem städtischen Nähkästchen.

Die dabei ans Tageslicht kommenden Geschichte – etwa über einen motorisierten „Hütchen-Spieler“ wider Willen oder den Geburtstagsscherz mit der alten Schachtel – sind so skurill, dass nicht nur diejenigen Personen darüber herzhaft lachen können, die die Protagonisten persönlich kennen.

Für Herz, Augen und Ohren

Waren die Lachmuskeln dadurch schon gut aufgewärmt gab es mit den „Stupfl-Schrabbe“ gleich im Anschluss auch was für Herz, Augen und Ohren. Anmoderiert von Mathias Neigenfind, der als wandelndes Testbild in die Fußstapfen von Dieter Thomas Heck trat, zeigten die Kleinsten im Stupfl-Reigen, was Schlager-Fieber wirklich heißt.

Ein Fieber der ganz anderen Art ergreift Martin Rohn, wenn er auf das Aufregerthema des vergangenen Jahres zu sprechen kommt, dem Diesel-Skandal, bei dem auch „Franke“ – Achtung! Eilmeldung – seit 1. Februar nicht ungeschoren davon kommt. Wobei Martin Rohn der ganzen Sache auch durchaus etwas (finanziell) Gutes abgewinnen kann. Wenn da doch bloß nicht die Angst wäre, aufgrund des eigenen Geruchs zum Umwelt-Sünder erklärt zu werden. Weit über diesen irdischen Problemen stehen, oder besser gesagt fahren Rexi und Gina. Aus dem Heißluftballon heraus haben sie den perfekten Ausblick auf das urkomische und bisweilen durchaus seltsame Treiben in der Schloss-Stadt. So entgeht ihnen auch nicht, wie eine Fensterputz-Aktion zu einer Demenz-Diagnose führen kann und welche Überraschungen hinter einer Praxistür lauern können. Per Fernglas entdecken sie zudem das Überbleibsel der jüngsten Drogenspüraktion von Kommissar Rex aus Dombühl.

In Abwesenheit verspottet

Und auch ein kurzer Rückblick auf eine mehr als enthüllende sprachliche Verwechslung des Stadtoberhaupts durfte nicht fehlen. Der „Scharler“ war und ist natürlich auch immer ein willkommenes Ziel für Spott und Tadel von Seiten der „Frankemer Originale“. Heuer musste dies entgegen alter Väter Sitte einer Prunksitzung in Abwesenheit des Bürgermeisters vonstatten gehen. Mit seiner China-Reise zur Einweihung einer privaten Malschule hat sich der „Frankemer in Shanghai“ geradezu den Originalen aufgedrängt – zumal gerade zu dieser Zeit die Frage nach dem Standort der BRK-Station an Brisanz gewann. Aber auch diejenigen Stadtratsmitglieder, die diesem Vorhaben grünes Licht gegeben haben, dürfen sich von Schausteller, Bettler, Känzenweib, Stupfler und Holzgehner so einiges anhören.

Die Garde als zweites Aushängeschild des „Frankemer Stupfl“ begeistert wie immer mit ihrem Tanz. Fotos: Scheuenstuhl

Doch nicht nur der Stadt-, sondern auch der Landesvater Dr. Markus Söder entkommt den spitzen Zungen der „Stupfler“ dank seines Kreuzerlasses nicht. Die Fünf können aber nicht nur kritisieren, sondern haben auch den einen oder anderen (eigenwilligen) Verbesserungsvorschlag parat, etwa wie man beispielsweise ein defizitäres Museum wieder auf Vordermann bringt. Und wenn man schon mal beim „Spittel“ ist, darf ein wenig Schadenfreude über das folgenreiche Tennisspiel zwischen dem Oberbürgermeister und seinem Stellvertreter nicht fehlen.

Die fünf „Stupfler“ waren aber auch in aufklärerischer Mission unterwegs: So gibt es in Zeiten übervoller Auftragsbücher gibt doch noch Handwerksbetriebe, etwa Maler, die sich nicht lange bitten lassen, ja noch nicht einmal einen Auftrag brauchen, um auch tätig zu werden. Und dass so ein bisschen Knoblauch im Kartoffelsalat geschmackstechnisch einen himmelweiten Unterschied ausmachen und dass eine Biker-Kutte auf den Chef einer Baufirma eine furchteinflößende Wirkung haben kann.

Koffer voller Probleme

Aber auch vor dem einen oder anderen Problem und dessen Auswirkungen kann man eine Heidenangst haben. Johannes Scheder hatte gleich einen ganzen Koffer davon mitgebracht. Mit seiner gereimten Büttenrede ging endlich ein langgehegter Traum der „Stupfler“- Familie in Erfüllung. Und auch beim Publikum kam sie sehr gut an.

Der Wörnitzer Wortakrobat schlug darin einen feinsinnigen Bogen von der mehr als umstrittenen Leutershausener Rat-hauschefin, der er eine ganz besondere Lokalität für ein Zweitbüro empfehlen kann, über den nach Berlin abgeschobenen Horst Seehofer bis hin zu „Angelas Kleiner Kronprinzessin“ und dem Hohen Haus, das zu einem „Migrantenstadl“ verkommen sei.

Die Lachmuskeln hatten den Abend genauso viel zu tun wie die Hände, die nicht nur Applaus spendeten, sondern bei den tänzerischen Darbietungen durchgängig den Takt mitklatschten. Während die Quanden Schratzi gekonnt auf den Tanzspuren von Michael Jackson wanderten, zeigten die urplötzlich in die Jahre gekommenen Stupf-Mäschli, dass sie noch lange nicht zum alten, sondern vielmehr zum heißen Eisen gehören.
Natürlich durfte auch die Garde, das tänzerische Aushängeschild des „Frankemer Stupfl“ nicht fehlen. In vielen Narrenhochburgen gehört zudem ein Prinzenpaar zum guten Ton. Heuer hat man auch endlich eines für „Franke“ gefunden – wenn auch in etwas anderer Gestalt als viele wohl vermuteten. Denn in barocker Aufmachung erschien das „Stupfl“-Traumduo Ralf Albig und Markus Löschel. Ein staatstragendes, würdevolles Auftreten wie man es von anderen royalen Paaren kennt, suchte man bei ihnen vergeblich – zum Glück!
Denn ebenso wie die Spitzen gegenüber den „Taubereseln“ oder einer umtriebigen Standesbeamten/ Rechtsanwälting trieb dem Publikum die Kabbelei zwischen den beiden die Lachtränen in die Augen. Und wo sie schon einmal da waren, wurden sie auch gleich für die Ordensvergabe eingespannt (wir berichten noch).
Jede gute Veranstaltung endet mit einem Knall und so traten Andreas Meder und Sven Neußer vom Bombenentschärfungskommando Mittelfranken auf den Plan. Sie mussten sich um eine herrenlose Tasche kümmern, die in der Albert-Zietz-Halle  für Angst und Schrecken sorgte. Ihre geballte Kompetenz zeigte sich in ihren bombigen Dialogen – und in der Verwendung des Rothenburger Polizisten (Mathias Neigenfind) als menschliches Schutzschild.   mes

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