Mit dem fliegenden Teppich groß in Fahrt

Konzertkritik: „Quadro Nuevo“ begeistert bei seinem dritten Gastspiel bei Kunst Kultur Korn unterm Sterndach

ROTHENBURG – Wenn sie abheben mit ihrem fliegenden Teppich, fließen die Klangwelten von Morgenland und Abendland zu einer Melange zusammen, die süchtig machen kann. Sie duftet ganz herrlich nach bittersüßem Mokka aus dem fernen Südosten und Wiener Einspänner im Kaffeehaus. Kein Wunder, dass „Quadro Nuevo“ mit ihrem Programm „Flying Carpet“ bei ihrem dritten Gastspiel unterm Sterndach bei Kunst Kultur Korn für Begeisterung sorgt.

Inspiriertes und blindes Zusammenspiel: von links Mula Francel (Klarinette) und D. D. Lowka (Percussion). Fotos: Weber

Sieben Jahre nach ihrem letzten Abstecher ist der Abend zum Wiedersehen mit alten Bekannten geworden, aber auch zur Erkenntnis, dass sich in der Zwischenzeit wieder eine ganze Menge getan hat. Das mehrfach mit dem Echo ausgezeichnete Ensemble ist seit seiner Gründung 1996 ständig auf Reisen und dabei auf der Suche nach elektrisierenden Klangwelten, inspirierenden Kulturen und spannenden Ideologien mit den darin lebenden Menschen.

Sozusagen beim großen Pendelverkehr zwischen Bayern und Buenos Aires führte die Musiker der Weg immer wieder in den Nahen und Mittleren Osten. Daraus hat sich ein intensiver und besonders befruchtender Austausch mit Kollegen dort entwickelt. Aus ihrem Album „Flying Carpet“, entstanden im Zusammenspiel mit der Sufi-Band „Cairo Steps“ und Gästen aus Ägypten, hatten sie Kostproben mitgebracht, die sie am Freitagabend bei ihrem Konzert unterm Sterndach hören ließen.

Auf dem fliegenden Teppich ging es dabei dahin in brausender Fahrt über den alten Kontinent hinunter an den Kaukasus und von dort über das Meer der griechischen Göttersagen ins Land der Pharaonen. Dabei war für jeden die riesige Freude spürbar, die sie am Zusammenwirken im Konzert haben.

Evelyn Huber zaubert Klangperlen an der Harfe.

Einerseits stürzen sie sich in grandiose musikalische Manöver und treiben sich gegenseitig zu immer neuen improvisatorischen Wagnissen an. Andererseits kosten sie die ruhigen Phasen ihrer Luftfahrt aus und gewinnen ihnen nachdenkliche, geradezu mystische Momente ab.

Da und dort drängt sich ein Tango ins nasale Klangbild zwischen Morgenland und Abendland. Das klingt wunderbar beiläufig, lässt aber ahnen, wie das Ensemble das Abenteuer in südamerikanischen Landen genossen und wie sie es musikalisch geprägt hat.

Erstaunlich das Spektrum von Instrumenten, das die Luftfahrt mit dem als Symbol am Rand der Bühne ausgelegten fliegenden Teppich („Flying Carpet“) anspruchsvoll und abwechslungsreich macht. Ein Bravo auf die meisterliche Vielseitigkeit: Mulo Francel gleich an mehreren Saxophonen und Klarinetten, D. D. Lowka als treibende Kraft am sechssaitigem Kontrabass und an seiner Perkussion-Abteilung, Andreas Hinterseher zwischen den Disziplinen an Akkordeon, Vibrandoneon und Jazz-Trompete und Evelyn Huber mit Klangperlen an der Harfe. -ww-

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