Große Erfolgsgeschichte

Aber das 22. Tansania-Forum zeigte auch die Fallstricke der Partnerschaft auf

ROTHENBURG – Partnerschaften mit Afrika, den Regionen und den Menschen dort erfordern ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und den unbedingten Willen, auch mit weniger Perfektion zufrieden zu sein. Das ist die Erkenntnis aus dem 22. Tansania-Forum in der Evangelischen Tagungsstätte Wildbad. Dabei zog der frühere Leiter des Hauses, Pfarrer Herbert Dersch, einen interessanten Vergleich zwischen den Ständen in Tansania 2005, als er zum vorletzten Mal in der Kilimandscharo-Region war und 2018, als er das mittelafrikanische Land zum letzten Mal besuchte.

Das 22. Tansania-Forum hatte mit dem Theatersaal des Wildbads eine prächtige Kulisse. Fotos: Castelo

Auf Einladung des evangelisch-lutherischen Pfarramts Insingen sowie des Dekanats Rothenburg fand das jüngste Tansania-Forum des Partnerschaftsausschusses statt. Neben der Weitergabe von Informationen zu den neuesten Entwicklungen aus dem Partnerdekanat Hai am Kilimandscharo referierte Valinirina Nomenjanahary von Mission EineWelt Neuendettelsau zu den verschiedenen Aspekten von Partnerschaften, die bei der Zusammenarbeit bedacht werden sollten.

Pfarrerin Barbara Müller eröffnete als kommissarische Partnerschaftsbeauftragte zum ersten Mal das Tansania-Forum des Partnerschaftsausschusses, das heuer im Theatersaal des Wildbads stattfand. Da sie bereits bei drei Besuchen Tansania sehr gut kennen gelernt hat, war es kein Hindernis, dass sie dieses Amt erst seit einem Monat inne hat. Gemeinsam mit den über 30 erschienenen Teilnehmern begann sie das Forum mit einer Andacht und dem tansanischen Lied „Asante sana yesu“.

Valinirina Nomenjanahary aus Madagaskar.

Als Gastrednerin war Valinirina Nomenjanahary eingeladen, Leiterin des Referats Partnerschaften Afrika von Mission EineWelt Neuendettels­au. Selbst aus Madagaskar, sprach sie zum Thema „Chancen, Fallstricke und Anekdoten aus der Welt der Partnerschaften“. Für sie gibt es einen klaren Anhaltspunkt, wann eine Partnerschaft erfolgreich ist: wenn die Beteiligten erkennen, dass es keine Perfektion gibt, und bereit sind, stets am gegenseitigen Verständnis zu arbeiten.

Eine Übersicht der häufigsten Fallstricke mit bildhaften Beispielen kann hier helfen: schon bei der Begegnung der unterschiedlichen Kulturen, und verständlicherweise beim Verständnis und der Einstellung zu Geld. Die entstehende Vertrautheit kann zudem zu Missverständnissen führen, zum Beispiel bei Verleihung der Etiketten „Geschwister“ und „Freunde“. Weitere Hürden können beispielsweise die Exotik-Falle oder die Exklusiv-Falle darstellen.
Viele Chancen
Dem stehen allerdings auch zahlreiche Chancen gegenüber. Die Begegnung zwischen den Kulturen ermöglicht es, mehr als Einzelgeschichten wahrzunehmen. Man kann neue Lebenswelten kennen und bekannte Lebenswelten mit anderen Augen sehen lernen. Schließlich eröffnen sich bei der Konfrontation von Kulturen immer wieder neue Fragen, Probleme werden im weltweiten Rahmen erkannt und Zusammenhänge besser verstanden.
Durch die zweite Hälfte des Tansania-Forums führte Pfarrer Herbert Dersch, ehemaliger Leiter der Evangelischen Tagungsstätte Wildbad und in der Freistellungsphase der Altersteilzeit befindlich. Da er nun viel Zeit habe, entschloss er sich im Oktober 2018 nach 13 Jahren wieder in den Norden Tansanias zu reisen, meinte er. 1998 war er das erste Mal dort gewesen und dann bis 2005 jährlich.
In den zurückliegenden 13 Jahren  habe sich viel verändert, betonte er. Er wollte Menschen und Orte wiedersehen, die Umsetzung von Projekten und Ideen ansehen und gegebenenfalls neue Impulse für weiteren Fortschritt geben.
Die Handwerkerschule, das Herzstück der Partnerschaft, ist eine wahre Vorzeigeschule im Norden Tansanias. Ihr wurde die staatliche Anerkennung bereits mündlich zugesagt, was in dem Land mit hohen Hürden verbunden ist. Ein Zeichen der Wertschätzung.
Im Ort Save gibt es mittlerweile eine neue, kleine Handwerkerschule, für die grundlegenden Basiskenntnisse. Die staatliche Schule Lerai hält ihr Niveau trotz häufigem Personalwechsel, dort lernen 500 Schüler und erhalten täglich ein Mittagessen, was die Bereitschaft der Eltern, die Kinder dorthin zu schicken, enorm fördert.
Besonderen Einsatz zeigte Dersch für das Gästehaus der Diözese Lyamungo. Dieses erinnerte ihn bei seinem Besuch sehr an seine Anfangszeit im Wildbad. Der Verfall des ehemaligen englischen Herrenhauses geht mit großen Schritten voran. Gerade aufgrund seiner Erfahrung in Rothenburg suchte der Pfarrer mit der Kirchenleitung vor Ort nach konkreten Möglichkeiten und Lösungen, um die lange bestehenden Visionen endlich umzusetzen. Der örtliche Bischof Dr. Frederick Shoo beteiligte sich bereits finanziell und das Projekt zeigt schon sichtbare Fortschritte, wie die gezeigten tagesaktuellen Bilder beweisen konnten.
Wasserversorgung schwierig
Pfarrerin Müller berichtete abschließend über die aktuellsten Neuigkeiten aus Hai. Eine der ernsten Sorgen betrifft die Wasserversorgung, da aufgrund illegaler Brunnen und ausbleibenden Regen aufgrund des Klimawandels gerade auch die Trinkwasserversorgung immer problematischer werde.
Die kommissarische Partnerschaftsbeauftragte gab zudem einen Einblick in die finanzielle Unterstützung, die vom Dekanat nach Tansania fließe. Die Spenden werden nur direkt an die Handwerkerschule sowie das Partnerschaftsdekanat geleitet, welches die Gelder dann an die Projekte verteilt.
Neue steuerliche Regelungen zum Nachweis und der Transparenz sorgen dafür, dass die Hilfe bei den designierten Empfängern ankommt. Da das Schulgeld der Handwerkerschule 500 Euro pro Schuljahr betrage, übernehme man 20 Stipendien statt wie bisher 13, um finanzielle Engpässe aufgrund der schlechten Erntejahre abfedern zu können. Knapp 20000 Euro investiert man in das Erwachsenenprojekt Boloti, das weiter wachsen und praktisches Wissen zum verbesserten Anbau vermitteln soll.
Im Anschluss an den offiziellen Teil des Forums tauschten sich die Interessierten beim Mittagessen über weitere Möglichkeiten der Unterstützung und die allgemeinen Entwicklungen aus. Die nächste Reise nach Hai und damit ins Partnerschaftsdekanat ist für 2020 geplant. cas

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