Von der Tauber geht es an die Côte d’Azur

AvD-Histo-Monte-Rallye erstmals in Rothenburg gestartet

ROTHENBURG – „In zwei Jahren zur nächsten Rallye am liebsten wieder in Rothenburg!“ Organisator und AvD Rallye-Leiter Peter Göbel ist begeistert von der Aufnahme, die man hier die letzten Tage für 90 Fahrzeugteams gefunden hat. So hört man es auch von den Teilnehmern. Nicht die „Schnauferl“, sondern eher jüngere Oldtimer machten sich gestern früh auf den Weg von hier nach Monte Carlo ans Mittelmeer.

Der Marktplatz bot eine große Fahrzeugschau und war AvD Histo-Monte Startplatz. Gestern ging es durchs Spitaltor hinaus. Fotos: diba

Wer hat schon einen historischen Marktplatz als Parkplatz. Auf dem trafen seit Montag nach und nach die Rallye-Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen bis Baujahr 1995 ein, von denen manche Modelle noch so zeitgemäß aussehen, dass sie im Verkehr ohne ihre Rallye-Ausstattung gar nicht weiter auffallen würden. Da sticht ein englischer Riley Baujahr 1936 natürlich ins Auge, zumal er offen gefahren wird und nicht mal ein Verdeck hat. Aber auch aufgemotzte mit zig Scheinwerfern bestückte und im Cockpit technikbepackte Limousinen erregen ebenso wie ein klassischer Austin-Mini von 1968, ein Trabi, eine Ente oder ein Lancia Stratos Kit Car besonderes Interesse.

Bevor am gestrigen Mittwoch ab 7.30 Uhr die Teilnehmer im kurzen Zeitabstand auf die große Tour geschickt wurden, konnten sie sich bereits am Dienstagabend einfahren. Dazu bot der Veranstalter Allgemeiner Automobilclub von Deutschland (AvD) mit der Agentur Plusrallye erstmals einen „Prolog“ an. Ab 17 Uhr starteten vor großem Publikum im Minutentakt die Oldtimer ins Taubertal. Über Creglingen und Röttingen ging es bis nach Ippesheim und von Bullenheim über Uffenheim zurück nach Rothenburg.

Oberbürgermeister Hartl mit Startflagge beim zweiten Fahrzeug, dem Riley von 1936.

Den Startschuss gab Oberbürgermeister Walter Hartl mit der Rothenburg-Flagge, jedes Fahrzeug wurde kurz vorgestellt. Die Ausfahrt mit Zeitvorgabe war letzte Gelegenheit für die Zwei-Personen-Teams ihre Oldtimer zu testen. Die sind natürlich alle straßentauglich und zugelassen, aber trotzdem gab es nochmals technische Kontrollen beim Rothenburger TÜV. Die weniger Erfahrenen konnten beim Rallye-Lehrgang mit Peter Göbel, der im Rathaus-Sitzungssaal stattfand, Theorie pauken. Ein Pressebüro im Eisenhut, der Montagabend-Treff im Hotel Mittermeier und die Belegung verschiedener Häuser für Übernachtungen machten abgesehen vom Medieninteresse mit Fernseh- und Zeitungsberichten den Rallye-Auftakt zu einem für Rothenburg werbewirksamen Ereignis.  Etliche Fahrer sahen Rothenburgs Altstadt zum erstenmal und versprachen gleich wiederzukommen.

Der Kabarettist Urban Priol ist mit seinem BMW 1800 tilux von 1969  bereits Rallye-erfahren, kennt Rothenburg von mehreren Auftritten und ist im April wieder bei Kultur Korn zu erleben. „Die längste Tour bisher war nach England und jetzt diese, es ist immer schön mal ein paar Tage so unterwegs zu sein und alles andere zu vergessen“, meint er, da ergäbe sich auch oft Anregendes für das Kabarett. „Im aktuellen Programm (Gestern, Heute, Morgen) könnte ich eigentlich alte Nummern wieder bringen, denn es kommt atomares Rüsten  ebenso wieder wie die soziale Frage, das ist echt verrückt und da fehlt nur noch die Mauer wieder”. Sein BMW mit 170 000 km auf dem Buckel ist noch ohne Technikfirlefanz „ganz wie früher und nicht so hochgerüstet wie andere”, betont der Rallye-Pilot am Start.

Promi-Teilnehmer Urban Priol im alltagstauglichen BMW 1800 tilux freut sich auf die Tour

Etliche sind erfahrene Tourenfahrer, so ist Horst Friedrichs (als Vorjahressieger Start-Nr. 1) schon das zehnte Mal dabei und sein Opel Ascona Rallye ist identisch mit dem von Walter Röhrl, der diesmal nicht dabei war. Er ist ebenso wie die anderen auf Winterbedingungen gut vorbereitet. Einige haben komplette Radsätze mit Schneeketten oder Spikes im Gepäck.

Alexander Haller freut sich mit seinem offenen Riley sogar auf die Herausforderung schneebedeckter Berge und meint: „Alles eine Frage der Kleidung und beim Skifahren gibt es ja auch Ski-Brillen!” Über zwanzig Jahre in einem Container geschlummert hat der 600 Kilo schwere Trabi Baujahr 1971, dessen Mitfahrer Markus Grünewald  (sein Vater pilotiert) sich auf die „Premiere mit dem guten Stück bei der Histo-Monte” freut. Von 26 auf 45 PS hat man
den Motor hochgetunt, schmunzelt Grünewald.
Den mehrfachen Deutschen Rallye-Meister Matthias Kahle trifft man im Skoda 130 RS, Fahrtleiter Göbel erlebte an seiner Seite  fünf Siege, er war außerdem Beifahrer von Walter Röhrl. Nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus Frankreich, der Schweiz, Italien, Belgien und England kommen die Teilnehmer.
Beim Fahrerfest am Dienstagabend in der Reichsstadthalle mit Begrüßung durch Oberbürgermeister Walter Hartl gab es schon Urkunden für die Besten der Abendausfahrt, gewonnen hat das Porsche 911-Team Zebulon aus Belgien. Den Siegerpokal wird am Samstag in Cannes der bekannte italienische Rallye-Fahrer Miki Biasion überreichen, der auch die letzte Etappe mitfährt. Gestern war Freiburg das Ziel, heute geht es durch die Schweiz nach Frankreich und morgen wird Cannes am Mittelmeer das Ziel sein.
Das Reglement bei dieser 22. AvD-Rallye ist streng, gefahren wird nur auf Landstraßen, steile Serpentinen sowie Teilstrecken der legendären  Rallye Monte Carlo und die Wetterbedingungen fordern von den Fahrerteams alles. Mehr als neunzig Fahrzeuge werden nicht zugelassen und alle müssen die strengen Voraussetzungen erfüllen. Oldtimer- und Rallye-Sport ist nicht billig, rund 4500 Euro beträgt das Startergeld für das Zweier-Team, wobei aber Unterkünfte bereits enthalten sind. Und die Klassik-Autos haben ihren Wert.
Das Management schwärmt geradezu vom „Gastgeber Rothenburg”. Man sei mit offenen Armen empfangen worden, was ausschlaggebend für die Wahl des Ortes war. Soviel Unterstützung und Entgegenkommen seitens der Stadt und aller Beteiligten habe man noch nirgendwo erlebt, freut sich Agentur-Geschäftsführer und Fahrtleiter Peter Göbel: „Wir fühlen uns hier sehr wohl, die Bedingungen sind toll und wir wollen sehr gerne 2021 wiederkommen!       diba

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*