Im Dienste der Weiterbildung

Außenstelle Schillingsfürst der Volkshochschule feiert 40-jähriges Bestehen

SCHILLINGSFÜRST – Volkshochschulen (VHS) sind ein elementarer Baustein der Erwachsenen- und Weiterbildung in Deutschland. Die Schillingsfürster Außenstelle feiert heuer ihr 40-jähriges Bestehen. Leiterin Anita Biel wirft deshalb einen persönlichen Blick zurück auf die Entwicklugen in den vergangenen vier Jahrzehnten.

Das Dreierteam der VHS-Schillingsfürst (v.l.): Bettina Gaube, Anita Biel und Martina Hofacker. Foto: mes

„Ich kann mich noch sehr gut an einen Nachmittag im Juli 1978 erinnern“, beginnt Anita Biel ihre Rückschau. Hochschwanger stand sie damals auf der Leiter in der Küche, um die Holzdecke zu streichen. Da schaute der kürzlich gewählte Bürgermeister Gerhard Götz vorbei und „entführte“ ihren Mann Werner Biel.
Damit hatten sich zwei „Macher“ gefunden, so Anita Biel. Gemeinsam machten sie sich an die Gründung einer Volkshochschule in Schillingsfürst. Nach der Beratung im Stadtrat wurde sie am 3. November 1978 aus der Taufe gehoben. Sie war und ist immer noch in die Volkshochschule des Landkreises Ansbach integriert. Peter Hammerich aus Dinkelsbühl hatte die übergeordnete Leitung im Landkreis inne. In der Schloss-Stadt gab es ein 50-köpfiges Kuratorium.
Anmeldung im Vorzimmer
Anita Biel erinnert sich auch an die „tatkräftige Unterstützung“ durch Hansgeorg Felker und das Interesse der Familien Haider, Wöckel und Asemann. Elke Abel, die Vorzimmerdame im Rathaus, nahm die Anmeldungen entgegen. 1979 startete man mit einem jährlichen Gesamtplan und einem laufenden Monatsplan zu den aktuellen Kursen.
Es wurden betriebswirtschaftliche Kurse sowie Kurse zu Psychologie, Englisch, Jugend im Entwicklungsalter, „Halali für den Kochtopf“, Fahrten nach Nürnberg in die Oper und ins Schauspielhaus sowie weitere Unternehmungen damals angeboten. Die Zusammenarbeit mit Vereinen hatte man bereits im Blick, so dass Bastel- und Flötenkurse über die evangelische Kirchengemeinde angeboten werden konnten.
An dem vielseitigen Kursangebot durfte jeder teilnehmen, der mindestens 15 Jahre alt war und die Kursgebühren bezahlt hatte. Veranstaltungsort war fast ausschließlich das Volksschulgebäude. Bereits in den 1980er Jahren schaute man über den Tellerrand der Schloss-Stadt. So fanden im Rahmen eines Kulturaustausches drei Konzerte mit einem japanischen Pianisten statt – bei romantischem Kerzenschein im Schloss. „Meine Kinder, die mich damals zur Vorbereitung ins Schloss begleiteten, waren gespannt auf die Prinzessin“, so Anita Biel. „Als dann die alte Frau Rieger, die damals Museumsführungen machte, in Filzpantoffeln hereinkam, entsprach sie nicht so ganz ihren fantasievollen Vorstellungen.“
Beharrlichkeit hat sich gelohnt
Ein schönes Zeichen der öffentlichen Wertschätzung entdeckte die jetzige Leiterin in dem „Heimatbrief“ von Hansgeorg Felker, dem überaus engagierten Vorsitzenden des Heimatvereins. Dort war über die Akzeptanz der VHS in Schillingsfürst zu lesen“: „(…) man merkt, die Mühe und Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Die Bevölkerung erkennt allmählich den Wert dieser Einrichtung.“
1986 gab Werner Biel aus beruflichen Gründen die Leitung ab. Nachdem für seine Frau die Organisation der VHS nicht neu war, übernahm sie diese Funktion bis 1989. Hansgeorg Felker stand ihr dabei nach wie vor zur Seite wie auch Walter Reuter, der inzwischen in Ansbach der übergeordnete Chef war.
Ab 1991 bis 1999 übernahm Marianne Kamm die Leitung. Anschließend kam Robert Meier von 2000 bis  2001 und nach ihm Karin Zobel. Sie war von 2002 bis 2008 die Leiterin der örtlichen Volkshochschule. Celine Galloyer bekleidete dieses Amt von 2008 bis 2009. Im Frühjahr 2009 kam dann wieder Anita Biels Stunde. „Meine familiäre Situation hatte sich grundlegend geändert und ich sah auf Anfrage der Stadt in der Übernahme der verwaisten VHS eine erneute He-rausforderung“, erklärt sie.
Die Stelle der Anmeldungsaufnahme durch Elke Löschel wurde mit Martina Hofacker besetzt, die sich „von Anfang an voll einbrachte“. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Bettina Gaube nehme sie ihr den „meisten Computerkram“ ab, sagt Anita Biel dankbar. Ohne die beiden Damen im Rathaus wäre das Kurs-Angebot in Schillingsfürst „so mal nebenbei“ nicht mehr zu schaffen, ist sie überzeugt. Denn inzwischen umfasst das jährliche Angebot 40 bis 45 Kurse, davon im Herbst mehr als im Frühjahr.
„Es macht Spaß, die Auswahl den regionalen Gegebenheiten und Bedürfnissen anzupassen. Am liebsten biete ich allerdings etwas aus dem örtlichen Umfeld“, sagt sie. Gerade in Schillingsfürst stecke so viel Geschichte, dass es eine wahre Freude sei, hier danach zu „graben“. Dankbar ist sie auch dafür, dass es Dozenten gibt, die sich auf das „Wagnis“ einlassen. Meist sind dies dann Vorträge auf Spendenbasis, die oft im Schloss stattfinden, wo die örtliche Leiterin volle Unterstützung bekomme. Wenn so ein Vortrag gelingt, „ist meine Welt in Ordnung“, erklärt Anita Biel.
„Arbeitsaufwendiger Nervenkitzel“
Die Raumbeschaffung sei nach wie vor das größte Problem. Ihr Dank gilt deshalb allen privaten Personen und öffentlichen Institutionen, die ihr hierbei unter die Arme greifen.  Leider sei auch die mangelnde Bereitschaft zur längerfristigen Anmeldung ein organisatorisches Problem. Das Zuwarten bis zum letzten Augenblick ist für die Dozenten wie für die Leitung „arbeitsaufwendiger Nervenkitzel“.
Der Lohn eines übersichtlich gehaltenen Angebotes ist, dass mindestens 85 bis 90 Prozent der angebotenen Kurse laufen. Wenn es dann mehr werden, („wir hatten auch schon 100 Prozent) ist das Dreierteam der VHS-Schillingsfürst „dankbar, glücklich und zufrieden“. Und auch für 2019 wurde ein vielseitiges Frühjahrs- und Sommerprogramm zusammengestellt (siehe Kasten).   ab/mes

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