Naturreine Jungkur

Anstrich mit Leinölfirnis fürs reichlich ausgeblichene alte Burgtor-Portal

ROTHENBURG – Eine extra Portion Leinölfirnis als Anstrich hat es jetzt für das alte Holz des Burgtors gegeben. Das laut eingeschnitzter Inschrift noch von 1555 stammende originale und zuletzt reichlich ausgeblichene Portal sog die Pflegeration gierig auf.

Ins Holz des Portals geschnitzt: die Jahreszahl 1555.

Und zeigt sich nun, wenn auch  mit deutlich dunklerer Färbung als bisher, gut gerüstet für weitere Jahre und Jahrzehnte. Auch eine Holzwurmkur an einem vom Schädling stark befallenen Stück im unteren Bereich des Tors gehörte zum Renovierungsprojekt.
Die Holzwurmbekämpfung samt Renovierungsanstrich wurde von der Holzwerkstatt Göttfert mit Sitz in Neusitz im Auftrag der Stadt Rothenburg umgesetzt. Schreiner Holger Springer und Tetras David aus Eritrea legten dabei gemeinsam Hand an.

Holger Springer hat die linke Hälfte fast fertig. Fotos: Weber

Der Anstrich Leinölfirnis besteht aus Leinöl, aus einem Trocknungsmittel und aus weiteren Zusatzstoffen. Nach dem Aushärten zeigt sich eine klare, wasserabweisende Schutzschicht aus Linoxin, was als Firnis oder auch als Leinölfirnis gilt. Hergeleitet ist der Begriff aus dem Französischen. Er kommt von ‚vernis’ und bedeutet ‚Lack‘. Der Anstrich findet seine Verwendung vor allem für Holz im Innen- und Außenbereich, aber auch für andere Materialien.

Mit dem sogenannten Nadelöhr weist  das alte Portal des Burgtors im übrigen eine Besonderheit auf. Damit war es möglich, einzelne Personen durch die kleine Tür einzulassen ohne den großen Torflügel zu öffnen, was – vor allem nachts – aus Sicherheitsgründen nachteilig gewesen wäre.

In jenen Zeiten, als das Burgtor nach dem Abbruch der Burg als weiterer Zugang zur Altstadt größere Bedeutung erhalten hatte, strich alles mögliche fragwürdige Gesindel um die Mauer.  Wer einigermaßen sicher sein wollte, sollte deshalb – zumal bei Dunkelheit – den Schutz der Stadtmauer suchen, auch wenn die Wachen beim Einlass durchs Nadelöhr einen Obolus als Sonderservice nahmen.

Der Anstrich des Burgtor-Portals ist ein Beispiel für die vielen aktuellen Arbeiten besonders auch im öffentlichen Bereich. Ganz gezielt wird dafür die gegenwärtige ruhige Phase vor Beginn der Tourismussaison genutzt. -ww-

Ein Kommentar zu Naturreine Jungkur

  1. Thomas Weigand Architekt sagt:

    Für einen gebürtigen Rothenburger ist das ein Schlag ins Gesicht. Wo bleibt das nötige Feingefühl für solche Maßnahmen ? Solche, in Würde und sogar im Trockenen gealterten Baudenkmäler derart aufzufrischen kann so nicht funktionieren.
    Der herrliche Grau-Ton jahrhundertealten Holzes und die Haptik sind unwiederbringlich verloren. In dieser Optik sollte man überlegen, die Tore lieber abzuhängen, da sie das Erscheinungsbild eines der meistfotografierten Ensembles verschlimmbessert haben.

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