Für „Baba Uhli“ zum letzten Mal

Friedrich Uhl hat bei 23 Reisen nach Tansania rund 9000 Nähmaschinen repariert

ROTHENBURG – Eigentlich hat Friedrich Uhl so viel getan für Tansania, dass er jetzt im Alter von 79 Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand genießen und gar nicht mehr die strapaziöse Reise dorthin auf sich nehmen wollte. Aber ihn haben von dort dringende Hilferufe erreicht. So entschloss er sich doch, sich noch einmal auf den Weg an den Kilimandscharo zu machen. Ein letztes Mal.

Bei seiner letzten Tansania-Reise: Zum Dank erhält Friedrich Uhl ein Hemd in tansanischem Stoffdesign. Fotos: privat

Schließlich wollte er damit nicht zuletzt auch Danke sagen, allen Freunden in Tansania, die seine kranke Frau immer wieder in Rothenburg besucht hatten. „Mama Elfriede“ nennen sie sie in Afrika liebevoll, weil sie ihrem Mann in all den Jahren für dessen ehrenamtliche Hilfe unermüdlich den Rücken freigehalten und unterstützt hat.

Vor einem Jahr verstarb Elfriede Uhl, von ihrem Mann bis zuletzt aufopfernd gepflegt und betreut. Seine 23. Reise ins Innere Afrikas war Trauerarbeit und Hilfsexpedition zugleich. Er kam – wenn auch müde – als Beschenkter zurück. Große Dankbarkeit und Verbundenheit für die erbrachte Hilfe machen ihn zum reichen Mann.
„Baba Uhli“ nennen sie ihn in Tansania. Er ist für sie ein Vater. Einer, der für sie sorgt und ihnen gleichzeitig einen wichtigen Schlüssel für ihr weiteres Leben in die Hand gibt. Er ist der Mann, der in all den Jahren zuhause viele tausend gebrauchte Nähmaschinen zweier großer deutschen Marken gesammelt und instandgesetzt nach Afrika verschickt  hat. Um den Menschen dort zu einer Berufsausbildung und auch zu einem späteren selbstständigen Lebensunterhalt zu verhelfen.
Rechnet man hoch, wieviele Maschinen er bei seinen Reisen nach Afrika in Tansania in all den Jahren repariert und wieder zum Schnurren gebracht hat, kommt man auf erstaunliche Zahlen. 300 bis 400 Stück waren es meist im Schnitt pro Reise an den verschiedenen Standorten. Bis um die 9000 Maschinen durften unter seinen geübten und geschickten Händen also wieder flott werden. Ist das nicht eine riesige Zahl?
Auch bei seiner letzten Expedition hat der frühere Nähmaschinen-Fachhändler bei der Rundfahrt durch Schulen, Waisenhäuser und Behinderteneinrichtungen noch unermüdlich gewerkelt vom frühen Morgen bis in den späten Abend. Mit ein paar geübten Handgriffen und mitgebrachten Ersatzteilen behebt er die kleinen bis mittleren Defekte, vollbringt gar an hoffnungslosen Fällen schiere Wunder.
„Das ist Entwicklungsarbeit pur“, sagt Friedrich Uhl. Er hätte allen Grund zur Zufriedenheit. Vielleicht könnte er auch ein bisschen stolz sein auf das Geleistete. Aber so etwas liegt dem grundbescheidenen Mann fern. Er sieht sich viel mehr als Teil einer Mission. Einer Mission, die den Menschen in Afrika Hoffnung gibt. Und die ihnen auch spürbare Besserung bringt.
Hilfe zur Selbsthilfe. Für Friedrich Uhl ein ganz zentrales Anliegen seines Engagements in Afrika. Ein rührendes Beispiel ist Schuhmacher Rapha-eli. Als Behinderter muss er besonders um seine und für seine Existenz kämpfen. Mit einem fehlenden und einem missgebildeten Fuß waren seine Perspektiven eher begrenzt. Bis  vor Jahren Friedrich Uhl auf ihn aufmerksam wurde. Er konnte ihm nach langem Suchen in Deutschland eine  der selten verfügbaren gebrauchten Schuhmacher-Maschinen verschaffen und legte damit die Basis für eine fundierte Berufsausbildung und für ein geordnetes Leben.
Glücklich
Heute ist Raphaeli nicht nur ein Mann, der mit seinem Handwerk für sich selber sorgen kann. In seiner Schuhmacherei beschäftigt er inzwischen zwei Auszubildende, die er an den Beruf he-ranführt und fit macht für ihr späteres Auskommen. So etwas zu sehen, das macht Friedrich Uhl glücklich.
Aber auch die vielen anderen persönlichen und Kontakte, aus denen tiefe  Freundschaften wurden, sind für ihn großer Dank. So wurde seine letzte Reise nach Tansania, die er wie alle anderen vorher komplett aus eigener Tasche bezahlte und die als reiner Arbeitsbesuch geplant war, nicht zuletzt auch zu einer berührenden Abschieds-Rundfahrt.
„Meine ersten Einsätze waren in Usa-River“, berichtet Friedrich Uhl. Dort betreiben die Rummelsberger Brüder eine Behindertenwerkstätte. Weiter ging es zur Handwerkerschule Hai des Partnerdekanats Rothenburg. In der Berggemeinde Sawe am Kilimandscharo schaute er bei der Schneiderklasse vorbei, in Ushirka  wa Neema in der Schule der „Augsburger Diakonissen“ in Afrika, in Moshi bei der Schneiderschule der Mama-Clementina-Foundation von  Dr. Maria und Georg Kamm (sie war Frau von hohem Rang), danach noch in zwei Schulen in Tanga am Indischen Ozean.
Zuletzt waren zu der Reisegruppe  unter anderem Jeanine und Hannes Centmayer, Lieselotte Lindner, Heinz Schleier auch der Schwäbisch Haller Helmut Denzinger gestoßen, Wie Friedrich Uhl ist er ein Mann vom Nähmaschinen-Fach. Vier geschulte Hände beim Reparieren: Da ging es noch schneller voran. Weiterreise über die Usambara-Berge mit Übernachtung in Lushoto, dem früheren Wilhelmstal im einstigen Deutsch-Ostafrika, nach Morogoro. Dort Besuch von Hermann Christenn, der mit Georg Kamm und Friedrich Uhl in Rothenburg als früherer Klassenkamerad befreundet ist.
Weiterfahrt über Iringa nach Tosamanga mit Besuch einer großen Schneiderklasse der SCIM-Brüder. Dort gab es viel zu tun für die Nähmaschinen-Experten. Zur großen Einrichtung gehört auch ein Waisenhaus. Dort sind 100 Kinder (meist noch ganz klein) untergebracht, die ihre Eltern durch Aids verloren haben. Friedrich Uhl: „Sie werden von Theresina-Schwestern rührend versorgt“
Während die Mitreisenden den Ruaha-Nationalpark besuchten, ging es für die beiden Nähmaschinen-Reparateure mit straffem Programm ans Werk. Was für sie hieß: um 4 Uhr aufstehen, um 5 Uhr mit der Arbeit beginnen und 10 Stunden durcharbeiten. „Mit Erfolg“, wie vom Rothenburger Tansania-Helfer mit Freuden angemerkt wird.
Dass er bei seiner letzten Reise altvertraute Gesichter sehen und Freunde treffen durfte, freut ihn besonders.  Bischof Dr. Frederick Shoo, beispielsweise, die vielen Pfarrer und deren Frauen und alle anderen , die sich immer wieder auf den weiten Weg nach Rothenburg machten, um seine kranke Frau zu besuchen. Ihnen wurden die mitgebrachten Spendengelder der Familie Uhl und ihrer Freunde gerne anvertraut. „Wir konnten damit viel helfen, besonders in den Waisenhäusern,“    -ww-

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