Die Möglichkeiten erkennen

Städtebauliches Entwicklungskonzept war zentrales Thema bei Bürgerversammlung

SCHILLINGSFÜRST – Zur Bürgerversammlung mit Ehrungen verdienter Bürger hatte Schillingsfürsts Bürgermeister Michael Trzybinski in das Hotel „Die Post“ geladen, neben den Schillingsfürstern auch diejenigen, die in den der Stadt Schillingsfürst zugehörigen Ortsteilen Altengreuth, Bersbronn, Faulenberg, Leipoldsberg, Neureuth, Neuweiler, Schorndorf, Stilzendorf, Wittum, Wohnbach und Ziegelhütte zu Hause sind.

Die 1. Mannschaft des VFB Schillingsfürst wurde für ihre sportliche Leistung ausgezeichnet. Foto: Schwandt

Zudem waren der zweite Bürgermeister Herbert Seidel und zahlreiche Stadträte gekommen. Seit der letzten Bürgerversammlung habe es 16 Stadtratssitzungen gegeben, so der Bürgermeister, dazu eine Klausurtagung in Klosterlangheim. Dort habe man sich mit Chancen und Möglichkeiten städtebaulicher Instrumente für die Stadt Schillingsfürst beschäftigt. Die Ergebnisse der Klausurtagung sollen in die künftige Stadtentwicklung einfließen.

Michael Trzybinski stellte die neuen und laufenden Projekte der Stadt vor: So arbeite man gemeinsam mit der Gemeinde Dombühl an einem Klärschlammprojekt, Kulturangebote und Tourismus sollen ausgebaut und das Stadtmarketingkonzept vorangebracht werden. Dazu kommt die Instandsetzung von Straßen – insgesamt hat Schillingsfürst 32 Kilometer Straße zu betreuen –  die Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses Wohnbach, die Sanierung des Wasserturms, das Baugebiet Marienhof II als Pilotprojekt mit N-Ergie und der Abschluss der Friedhofssanierung.
Vorbereitungen des Heimatfestes 2019/20 stehen ebenso an wie das Jubiläum anlässlich der 30-jährigen Partnerschaft mit Chamberet. Schillingsfürst startet ein Pilotprojekt „Autarkes Wohnen“ und will die Klassenzimmer der Grund- und Mittelschule digitalisieren. Das Dörflermuseum benötigt eine neue Heizungsanlage und der Neubau des Feuerwehrgerätehauses ist in Planung. Zudem wird die Personalkonzeption „Bauhof“ mit einem neuen Bauhofleiter neu aufgestellt.
Besonders wies das Stadtoberhaupt auf die erfolgreichen Großveranstaltungen Mittelaltermarkt, Gartenlust und den Fürstlichen Weihnachtsmarkt hin, die sich alle als regelrechte Besuchermagneten erwiesen. Einen weiteren Höhepunkt stellte das erstmalige Wasserturmfest dar. Schillingsfürst solle kontinuierlich zur „Eventstadt“ um- und ausgebaut werden, mit attraktiven Veranstaltungen. Dazu gehört auch eine Neuausrichtung der Kirchweih mit einer Oldti-merausstellung.
Kontinuierlich gestiegen
Derzeit leben in Schillingsfürst 2847 Einwohner, acht mehr als 2018. Erfreulich die Zahl der Gewerbesteuereinnahmen, die sich positiv entwickeln und im Jahr 2018 das Stadtsäckel mit rund 1,12 Million Euro füllten (2016: 694897 Euro, 2017: 750047 Euro). Auch die Einkommensteuerbeteiligung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Lag die Verschuldung der Stadt 2011 noch bei 2,5 Millionen Euro, ist sie 2018 auf 1,9 Millionen Euro gesunken, trotz erheblicher Investitionen, wie der Erschließung der Baugebiete. Die Bayerngrundverschuldung ist mittlerweile auf Null, so das Stadtoberhaupt, nicht zuletzt, weil die Bauplätze sehr begehrt sind. Zudem plädiert Trzybinski dafür, in Niedrigzinsphasen Bauvorhaben voranzubringen, wie den Bau des Feuerwehrgerätehauses. Besonders liegt dem Stadtoberhaupt das Anwesen Neue Gasse 16 am Herzen, das die Stadt mittlerweile erworben hat. Es steht auf der Denkmalliste und soll mithilfe der Städtebauförderung saniert werden.
Marke weiter entwickeln
Trzybinski möchte zudem die „Marke Schillingsfürst“ weiter entwickeln. Ein besonderer Höhepunkt ist die Enthüllung einer neuen Bronzebüste anlässlich des 200. Geburtstags des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst am 31. März – Fürst Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst wird die Festrede halten.
Ein Fachvortrag zum Thema Städtebauförderung und ISEK (Integriertes Städtebauliche Entwicklungskonzept) in Schillingsfürst folgte den Ausführungen des Bürgermeisters, der als Referenten den Architekten und Städtebauplaner Bernd Müller begrüßte. Eine Stadt sei ein komplexes Gefüge, diese benötige Akteure, Restaurants, Einkaufsläden und dergleichen. In der Stadt Schillingsfürst seien vorbereitende Untersuchungen bezüglich der Stadtsanierung bereits erfolgt.
Der Ort reißt an den Kanten ab, die Ober- und Unterstadt sollten besser miteinander verknüpft werden. Er plädierte für eine „Krapfenstadt“ anstatt einer „Donut-Stadt“, das heißt, im Stadtkern sollte sich das Leben abspielen, nicht außerhalb. Die Stadt habe viele Qualitäten, ein toll saniertes Rathaus, herrliche Aussichten. In dem ISEK werden alle Handlungsfelder der Stadtentwicklung betrachtet, nicht nur die Baulichkeiten der Altstadt. So werde die Verkehrssituation beleuchtet, ebenso die wirtschaftliche Situation und die Entwicklungsfähigkeit des Gebiets unter Berücksichtigung seiner Versorgungsfunktion im Verflechtungsbereich.
Tatsächlich gilt es unter anderem zu klären, ob Schillingsfürst eine Einkaufsstadt des Umlandes ist und inwieweit hier Entwicklungspotential vorhanden ist. Auch die infrastrukturelle Erschließung des Gebietes, die Ausstattung mit Grünflächen, Spiel- und Sportplätzen werden bedacht, und die sozialen sowie kulturellen Aufgaben einbezogen. Sollten Bürger in Sanierungen investieren, können sie die Kosten nach Paragraph 7h Einkommenssteuergesetz abschreiben.
Damit die Stadt Fördergelder zur Stadtsanierung bekommen kann, muss sie zunächst ein Sanierungsgebiet und später die einzelnen Ordnungs- und Baumaßnahmen festlegen. Dies könne bis Anfang Juni 2019 erfolgen. Ein weiteres Jahr dauert dann die konkrete Planungsphase mit Behördenterminen, Vorstellungen im Stadtrat und Bürgerworkshops. Im Juni 2020 soll die Planungsphase abgeschlossen sein und konkret umgesetzt werden, dazu hat die Stadt mehrere Jahre Zeit.
Wichtig ist, der Regierung von Mittelfranken ein umsetzbares, stimmiges Konzept vorzulegen. Wenn dieses schlüssig ist, wird es auch bezuschusst. Es gilt, eine Art „Drehbuch“ zu erstellen, in dem Szene für Szene nachgebaut wird. Die Umsetzung bis zur Fertigstellung wird etwa 15 Jahre in Anspruch nehmen, so Bernd Müller. In der Aussprache wurden verschiedene Anliegen der Bürger vorgetragen, so zur Straßen-sanierung, dem Breitbandausbau und der Umsetzung von ISEK. Für die Straßensanierung gebe es eine Prioritätenliste, so das Stadtoberhaupt, beim Breitbandausbau müsse die Telekom erst eine Liste an Mängeln  abarbeiten, bevor wieder Geld fließt und ISEK sei noch in der Planungsphase, es habe aber bereits ein Gespräch mit der Regierung stattgefunden.
Ehrenamtliches Engagement
Abschließend folgten die Ehrungen verdienter Bürger für ihr großes ehrenamtliches Engagement: So wurde Marina Gröner, die das Brokatkleid des Schillingsfürster Christkindes geschneidert hatte und auch für die Stupfl oder den Bauernhaufen Gewänder gestaltet, geehrt. Gerhard Pfeffer aus Faulenberg, das „Allroundtalent“ mit großem handwerklichen Geschick drechselt Windmännchen in alter Tradition und wurde ebenso wie Hans Tillmann, der sich unermüdlich für den VfB Franken Schillingsfürst einsetzt und auch sonst zur Stelle ist, wenn man ihn braucht, mit einer Urkunde aus der Hand des Bürgermeisters ausgezeichnet.
Roland Hasselt, Vereinsvorsitzender des Schillingsfürster Bauernhaufens, Dieter Jakoby, Vereinsvorsitzender der FFW Schillingsfürst und – in Abwesenheit – Christoph Maul, Vereinsvorsitzender des VfB Schillingsfürst, wurden ebenfalls geehrt: Sie hatten mit ihren Vereinen das Wasserturmfest initiiert und die Bewirtung übernommen. Den Erlös in Höhe von 1500 Euro spendeten sie für die Turmsanierung. Für ihre besonderen sportlichen Leistungen wurden die Mitglieder der 1. Mannschaft des VfB Schillingsfürst ausgezeichnet – und sie waren zur Ehrung persönlich angetreten.
Abschließend richtete der Bürgermeister sein Wort an die Frauen, die sich ehrenamtlich sehr stark engagieren, vielfach im sozialen Bereich, still, im Hintergrund. Am Weltfrauentag sagte er dafür „Danke“ – mit einer Rose für jede Dame. sw

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