Weiteres Licht für Leuchtturm

Unternehmerfrühstück thematisierte Campus-Stiftungsprofessur, die heute startet

ROTHENBURG – Seit seinem Start mit dem Wintersemester 2016/2017 nimmt der Campus Rothenburg immer mehr an Fahrt auf. Ab heute beginnt auch die Stiftungsprofessur von Dr. Ritam Garg – die gemeinsam von den unternehmerischen und politischen Unterstützern der Hochschul-Außenstelle finanziert wird. Die Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken nahm dies mit dem örtlichen IHK-Gremium, der Stadt Rothenburg und der Wirtschaftsförderung des Landkreises zum Anlass, sich im Rahmen ihres Unternehmerfrühstücks im Campus-Gebäude mit dem Thema „Stiftungsprofessur – aktueller Stand und Nutzen“ zu befassen.

Rund 40 Vertreter aus Politik und Wirtschaft kamen im Campus Rothenburg zum Unternehmerfrühstück zusammen. Foto: Scheuenstuhl

Professorin Dr. Ute Ambrosius, Präsidentin der Hochschule Ansbach, ging in ihrem Impulsvortrag zunächst auf die Entstehungsgeschichte des Campus Rothenburg ein. Angefangen      habe alles bei einer China-Reise der Fränkischen Gesellschaft zur För­derung der deutsch-chinesischen        Zusammenarbeit. Oberbürgermeister Walter Hartl ist dort an Dr. Ute Ambrosius mit der Idee einer Hochschul-Außenstelle in der Tauberstadt he-rangetreten – für die es auch ein passendes Gebäude geben würde.

Sie sei damals zwar gerade erst ein paar Wochen im Amt gewesen, habe sich aber schon vorgenommen gehabt, die Hochschule „in der Region zu verankern“. Westmittelfranken wird oft als strukturschwach wahrgenommen und leidet unter der Abwanderung junger Leute. Dr. Ambrosius und ihre Kollegen machten aber durchaus auch einige Potenziale der Region aus (verkehrsgünstige Anbindung, hohe Lebensqualität und ein starkes Interesse der maßgeblichen Akteure, die Region „gemeinschaftlich voranzubringen).
Daraus leitete man dann Ziele ab, was man mit dem Campus erreichen kann – also wie man den Gegentrend schaffen und junge Leute hier halten und auch hierher holen kann. Bei verschiedenen Workshops in Rothenburg ging es dann darum, die Kompetenzen der Region und die Angebote der Hochschule zusammenzubringen. Als Klammer kristallisierte sich schließlich das interkulturelle Management heraus. Diese beinhaltet die drei fachlichen Ausrichtungen auf Gastronomie und Tourismus, Handel und Dienstleistungen sowie Produktion und Handwerk.
„Eisern drangeblieben“
Darauf aufbauend hat man ein Konzept entwickelt, das man der Politik vorgestellt hat und mit dem man in die wettbewerbliche Ausschreibung gegangen ist. Während dieses Prozesses sei man „eisern drangeblieben“, betont die Hochschul-Präsidentin und dankt allen Beteiligten für das „große Engagement“. Dahinter verbirgt sich unter anderem die Sanierung des Luitpold-Schulhauses für 4,2 Millionen Euro sowie die finanzielle Übernahme der Stiftungsprofessur für fünf Jahre, wie Oberbürgermeister Walter Hartl hervorhob.
Dies wurde der Stadt und den weiteren Unterstützern als Bedingung auferlegt, was er „nicht ganz fair“ findet. Denn bei größeren Städten zahle dies der Freistaat. Man hat dies letztlich aber in Kauf genommen, weil der Campus das „Zukunftsprojekt für die Stadt und die Region“ sei. Und die Entwicklungen der ersten Jahre scheinen dies zu bestätigen. Zum bevorstehenden Wintersemester werden 250 Studenten am Campus Rothenburg eingeschrieben sein – eine „tolle Sache“ konstatiert Dr. Ambrosius. Die Resonanz auf das Studienangebot ist so groß, dass bereits im laufenden Semester ein Numerus Clausus, also eine Zulassungsbeschränkung, eingeführt werden musste.
Nachdem man zwei Semester lang im Reichsstadt-Gymnasium und anschließend in der    Berufsschule untergebracht war, konnte man im vergangenen Herbst endlich die frisch renovierten Räumlichkeiten im Hornburgweg beziehen. „Kämpfer vor Ort“, so Dr. Ambrosius, ist Professor Dr. Dominik Kögel. Mit „guten und innovativen Ideen“ leitet er den Rothenburger Campus. Seit einigen Monaten ist mit Dr. Carolin Durst auch die zweite Professorenstelle besetzt. Ihr Schwerpunkt auf „Digital Marketing“ sei eine „tolle Kompetenzergänzung“, findet die Hochschul-Präsidentin.
Akademisches Trio
Einen „sehr guten Griff“ habe man, laut Dr. Ambrosius, auch mit Dr. Ritam Garg gemacht. Als Stiftungsprofessor für den Studiengang „Interkulturelles Management“ komplettiert er ab heute das akademische Trio. Allein die Vita beeindruckt: Nach der Promotion an der Thapar Universität in seinem Heimatland Indien erlangte er den Master of Business Administration in Oxford. Er war bislang auch an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg sowie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Berlin tätig.
Darüber verfügt er über ein „spannendes und internationales Netzwerk“ in Europa und den sogenannten „BRICS“-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), erklärt Dr. Ambrosius, von dem die Hochschule wie auch die Studierenden profitieren können. Es bedeutete aber auch, dass er beim Unternehmerfrühstück selbst nicht answesend sein konnte, da er als Redner auf einer internationalen Konferenz weilte.
Ein Anliegen des Studiengangs sei, so die Hochschul-Präsidentin, gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen „ein Bewusstsein zu schaffen“, dass interkulturelle Kompetenzen ein „strategischer Faktor“ sind. Angesichts des Fachkräftemangels muss man auch der Überlegung eine Chance geben, dass Mitarbeiter nicht nur aus Westmittelfranken kommen können.
Vieles ist in Sachen Campus Rothenburg bereits geschafft. Und die Verantwortlichen der Hochschule haben schon die nächsten Schritte in Planung. Neben der Forcierung von Kooperationen mit anderen Hochschulen und dem Eingehen von internationalen Beziehungen möchte man auch die Bildungseinrichtung in Rothenburg noch sichtbarer machen, etwa in Form von Unternehmerabenden. Ziel aller Maßnahmen ist, den „Campus als Leuchtturm mit überregionaler und internationaler Strahlkraft“ zu etablieren.
Auf Land noch nicht so präsent
Für Dr. Gerhard Walther, Vorsitzender des IHK-Gremiums Rothenburg und Moderator der anschließenden Diskussionsrunde, muss sich bei der einheimischen Bevölkerung aber auch das Gefühl einstellen „das ist unsere Hochschule“. Schließlich seien Stadt und Umlandgemeinden am Campus „stark beteiligt“. Gerade bei der Bevölkerung auf dem Land sei das Thema noch nicht so angekommen, räumte Hans Baier, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Rothenburg ein. Deren sechs Mitgliedsgemeinden sowie Colmberg und Buch am Wald beteiligen sich an der Stiftungsprofessur. Es sei innerhalb der Landgemeinden „sofort klar“ gewesen, dass man mitmacht, da es um die Region gehe. Zwar gab es zwischen Stadt und Land unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der Höhe der Beteiligung, doch letztlich habe man eine „gute Regelung getroffen“, findet Hans Baier.
Achim Schneider, Geschäftsführer im Rotabene Medienhaus, sieht mittelbare und unmittelbare Effekte für Unternehmen durch den Campus vor der Haustüre. „Extrem spannend“ sei die Zusammenarbeit, durch die Studenten einerseits neue Gedankengänge in die Unternehmen bringen, wo sie andererseits wichtige Fachpraxis miterleben könne.
Über Hochschulgrenzen hinweg
Interkulturelles Management sei ein weit gefasster Begriff. Als Hilfe für die Unternehmen regte er deshalb an, eine Art Liste mit Themen aufzustellen, die die Studenten bearbeiten können. Eine besondere Chance sieht er in der Präsenz der verschiedenen Bildungseinrichtungen in Rothenburg (Hochschul-Campus und IHK-Bildungs-Campus Westmittelfranken). Denn ein Studium sei mittlerweile so offen geworden, dass man über Hochschulgrenzen hinweg Kompetenzen erwerben und sich Leistungen anrechnen lassen können.
Aus den Reihen der rund 40 Zuhörer brachte Berufsschulleiter Dr. Friedhard Nichterlein seine Einrichtung in diesem Zusammenhang ebenfalls ins Spiel. Und Dr. Gerhard Wal-ther versicherte, dass man von Seiten der IHK „offen für alle Ideen“ sei.
André Neutzler, Geschäftsführer bei der Ebalta Kunststoff GmbH, wies aufgrund eigener Erfahrung aus seinem Unternehmen darauf hin, dass es junge Leute gibt, die keinen Widerspruch zwischen einer internationalen Ausrichtung ihrer Arbeit und der in einer heimeligen Umgebung wie Rothenburg sehen.
Oberbürgermeister Walter Hartl nutzte das Stichwort „Verankerung des Campus in der Region“, um an Wohneigentümer – gerade auch in den Umlandgemeinden – zu appellieren, Wohnungen für Studenten zur Verfügung zu stellen. Im Campusgebäude befindet sich für derartige Angebote ein Schwarzes Brett. mes

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