Pflegekräfte sind gefragt

Unterhaltsamer Schlusspunkt unter Ausbildung – Beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt

ROTHENBURG – Der Trend spricht für die Pflegebranche: Die Menschen werden immer älter, Patienten bleiben nicht mehr so lange im Krankenhaus wie früher, brauchen aber weitere Betreuung. Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen zieht einen großen Bedarf an Fachkräften nach sich.

Stellvertretender Landrat Stefan Horndasch zeichnet die Einser-Absolventinnen Annika Borgartz, Franziska Zorn und Anja Sabbatini Nogueira da Costa mit dem Staatspreis aus.

Gerade haben vierzehn Absolventen des Schulzentrums von ANregiomed ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen: acht Berufsfachschüler bestanden das Examen als Gesundheits- und Krankenpfleger und sechs Berufsfachschüler die einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer.   Vom kommunalen Klinikverbund wird – mit einer Ausnahme – angesichts des vorübergehend verfügten Einstellungsstopps als Auswirkung des Spardiktats durch die hohe Verschuldung niemand übernommen.

Lediglich Anja Sabbatini Nogueira da Costa aus Weidendorf bei Bechhofen, sie hat die einjährige Ausbildung zur Krankenpflegehelferin als glatte Einser-Kandidatin absolviert und wurde dafür mit dem Staatspreis der Regierung von Mittelfranken ausgezeichnet, bekam ein weiteres Beschäftigungsangebot von ANregiomed. Am Schulstandort  Dinkelsbühl hat sie die Möglichkeit, sich in einer dreijährigen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu qualifizieren. Eine berufliche Pers­pektive haben auch alle anderen Absolventen. Arbeitgeber der ambulanten Gesundheitsversorgung,

Dreijährige Ausbildung absolviert: die frisch gebackenen Gesundheits- und Krankenpfleger.

diakonische Einrichtungen der Behindertenarbeit und Krankenhaus-Träger aus dem ganzen Bundesgebiet  haben bei den qualifizierten Pflegefachkräften zugegriffen. Ruth Krilles wird sich als Pflegekraft in Malawi engagieren. Der Rothenburger Nick Schubert wechselt in einen anderen Beruf und hat gute Chancen auf eine Ausbildung bei der Polizei.

Annika Borgartz aus Rothenburg und die Uffenheimerin Franziska Zorn haben ihre dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin mit einer Eins vor dem Komma absolviert, was mit einem Staatspreis gewürdigt wurde. Die Auszeichnung ist mit 75 Euro dotiert.  Den Geldbetrag der Regierung von Mittelfranken stockt der Landkreis auf und die Berufsfachschule steuert einen Bildungsgutschein bei.
Köstlich bewirtet 
Stellvertretender Landrat Stefan Horndasch kam die ehrenvolle Aufgabe der Preisverleihung zu. Er sparte nicht mit Lob und guten Wünschen. „Sie können stolz sein auf ihren Abschluss.“ Er habe großen Re-spekt vor dem Pflegeberuf, weil er mehr als ein „Job“ ist. Da gehört auch persönliches Engagement und Identifikation dazu. „Wir können die schönsten Krankenhäuser bauen und die modernsten Geräte kaufen, die Menschlichkeit aber kommt immer von den Pflegekräften“, so Stefan Horndasch.
Bürgermeister Kurt Förster überbrachte die Glückwünsche der Stadt Rothenburg. In seinem Grußwort machte er einen Schwenk zur Krankenhaus-Situation. Es gebe immer wieder unleidige Diskussionen, etwa die, dass sich OB Hartl, der auch dem Verwaltungsrat von ANregiomed angehört, nicht entschlossen genug für das Krankenhaus Rothenburg einsetzt. Das Gegenteil sei der Fall. Der Erhalt der Klinik sei in der Satzung des Kommunalunternehmens verankert. „Warum soll etwas zerstört werden, was hervorragend klappt?“

Gute berufliche Ausgangslage geschaffen: die Krankenpflegehelfer. Fotos: Schäfer

Schulleiter Hans-Peter Mattausch machte aus seinem Stolz auf die Absolventen kein Hehl: „Alle haben ihre Prüfung ordentlich gemacht und auch bestanden.“ Die Abschlussfeier des Examens fand im Gastronomischen Berufsbildungszentrum statt mit köstlicher Bewirtung durch ANregiomed-Küchenleiter Gerald Wüchner und seinem Team.

Der feierliche Rahmen sei dem besonderen Anlass durchaus angemessen, so Mattausch. In seiner lockeren Art, immer einen flotten Spruch auf den Lippen, überreichte er die Zeugnisse. Ernste Töne schlug er gegen­über der Politik an, denn die Suche nach einer Lösung für den Pflegenotstand in Deutschland stockt. Über die Reform der Pflegeausbildung gibt es Differenzen zwischen Befürwortern und Widersachern des Gesetzentwurfs, den Familien- und Gesundheitsministerium gemeinsam erarbeitet hatten. Ob eine einheitliche Ausbildung für Kinderkranken-, Kranken- und Altenpfleger, statt der bisher auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen, die chronische Knappheit an Geld und Personal in der Pflege beseitigen kann, gilt als fraglich.
Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt in Zukunft noch und es werden Fachkräfte fehlen, um diese Menschen zu versorgen. Es ist schon jetzt abzusehen, dass die finanzielle Belastung für die Bürger noch wachsen wird – nicht aber das Gefühl, besser versorgt zu sein. Reformen sind deshalb nötig, wie eine größere Wertschätzung und ein neuer Blick auf den Pflegeberuf – von allen Beteiligten. Neben Hygiene, Medizintechnik aufwändiger Diagnostik und Therapien müssen Zwischenmenschlichkeit, Zuspruch und Zeit für Patienten eine wichtige Rolle spielen: Nächstenliebe und Fürsorge ebenso wie eine Ethik des Dienens. Gerade die Pflege hat allen Grund, den Blick der Öffentlichkeit auf Wert, Würde und Inhalt ihrer Arbeit zu lenken. sis

2 Kommentare zu Pflegekräfte sind gefragt

  1. Man lese den Artikel mal genauer.
    Der einzige maennliche Absolvent geht zur Polizei und kehrt gleich dem Beruf den Ruecken.Eine Fachkraft von 6 geht nach Malawi und ueberhaupt wird nur eine Helferin uebernommen, weil kein Geld da ist. Dann….es werden in Zukunft mehr Pflegekraefte gebraucht.Tolle Erkenntnis!
    Es wurde in den Medien gross berichtet, dass Pflegekraefte jetzt tariflich mehr verdienen,aber nicht,dass viele Kliniken eigene Hausvertraege haben und privatisiert sind. Es wird dort weit weniger gezahlt. Aktionaere kassieren Rendite aus unser aller Krankenkassenbeitraege mit Klinikaktien und Hr.Spahn toleriert das weiter. Vielleicht ist er sogar selber Aktionaer? Na klar die Buerger sollen noch mehr zahlen. In Wirklichkeit steckt viel Geld in Deutschlands Gesundheitssystem, allerdings für Maschinen, Pharmaindustrie und Aktionaere. Was fuer ein krankes System.
    Wann kapieren Politiker, dass man von Naechstenliebe nicht leben kann. Wann sehen Sie,dass soviele Schwestern schon aus dem Beruf ausgestiegen sind und weshalb. Das sich der Beruf schon lange im Notstand befindet Dass man nicht soeben 13000 Pflegekraefte billig zurueck holt und gut deutsch sprechend aus dem Ausland bekommt.
    Ich gratuliere jedoch den neuen Pflegekraeften zu einer wichtigen, hochwertigen und guten Ausbildung und wuensche den restlichen wenigen Pflegekraeften wirklich viel Durchhaltekraft.

    • Wagner,Herrngasse sagt:

      Danke Gisela für die mutigen Zeilen..

      Es stimmt..viel hat sich zum Negativen verändert..vor allem durch teure Vorstände und deren Vorzimmerdamen,die die Ärzte und wir Pflegekräfte mit finanzieren müssen.
      Von immer krasseren Dokumentationspflichten nicht zu reden.
      Wir halten noch ein paar Jahre durch, auch wenns schwerfällt..

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