Zwei Seiten der Medaille

Rothenburger Musikschule: hervorragender Ruf und lange Warteliste

ROTHENBURG – Musische Bildung ist nicht nur Herzens-, sondern auch Persönlichkeitsbildung. Aus diesem Grund ist das Engagement der Städtischen Musikschule nicht hoch genug einzuschätzen. Doch ihr Erfolg ist Segen und Fluch zugleich, wie Vorsitzender Dr. Peter Kamleiter jüngst im Kultur- und Tourismusausschuss aufzeigte.

Derzeit warten 72 Kinder darauf, bei der Musikschule ein Instrument lernen zu können. Foto: Scheuenstuhl

Seit Dezember 1989 gibt es die Musikschule in Rothenburg, die auch Mitglied im Verband der Bayerischen Sing- und Musikschulen ist. Als öffentliche, gemeinnützige Einrichtungen sind Musikschulen fester Bestandteil des Bildungskanons in Deutschland. In Rothenburg werden derzeit 283 Schüler im Alter von 3 bis 65 Jahren von zehn festangestellten Teilzeitkräften und drei freiberuflichen Lehrern unterrichtet.

Neben einer „fundierten Breitenausbildung“ hat man auch die „gezielte Begabtenförderung“ im Blick, erklärt Dr. Peter Kamleiter. Seit Jahren räumt die Rothenburger Musikschule reihenweise Preise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ ab. Sie sei damit eine der erfolgreichsten Musikschulen in Westmittelfranken, so ihr Vorsitzender. Die Musikschule ist nicht nur im Bildungsangebot der Stadt (und des Umlands) durch Kooperationen mit Grund- und weiterführenden Schulen verankert. Mit ihren verschiedenen Konzerten über das Jahr bereichern die jungen Nachwuchsmusiker das kulturelle Leben in der Stadt. Ein Musikinstrument zu erlernen bedeutet nicht nur die Aneignung der entsprechenden musikalischen Fertigkeiten. Auch soziale Kompetenzen werden dadurch gefördert.
An Grenze angekommen
Man konnte sich auch in Zeiten des G8 über einen „relativ stabilen Schülerzulauf freuen“, so die frohe Botschaft von Dr. Peter Kamleiter. Die andere Seite der Medaille: Mittlerweile ist man an der Grenze des Möglichen angekommen. Derzeit befinden sich 72 Kinder auf der Warteliste, um ein Instrument – vornehmlich Gitarre, Klavier oder Saxophon – zu erlernen.
Hinzu kommt, dass etwa der Wettbewerb „Jugend musiziert“ für die beteiligten Teilzeitkräfte einen enormen Zeitaufwand bedeuten, unterstreicht Dr. Peter Kamleiter. Grundsätzlich gebe es „zwei nicht ganz günstige Arbeitsbedingungen“, unter denen die Mitarbeiter leiden. Da wäre zum einen der Ferienüberhang, also die Differenz zwischen den Gesamtschulferien und dem zustehenden Jahresurlaub, der sich negativ auf das Gehalt auswirke. Zum anderen führe die Deckelung des Gesamtstundendeputats dazu, dass viele Kinder nicht aufgenommen werden könnten. Im schlimmsten Falle suchen sie sich dann private Alternativen und sind somit für die Musikschule „verloren“.
Dr. Peter Kamleiter appellierte deshalb an die Ausschussmitglieder, das Deputat um 10 Prozent zu erhöhen. Dadurch könne man dann auch endlich auch einen gesanglichen Zweig an der Schule mitaufbauen. Anhand verschiedener Wortmeldungen aus  einzelnen Fraktionen war zu erkennen, dass die Ausschussmitglieder durchaus den Handlungsbedarf erkannten. Oberbürgermeister Walter Hartl verwies jedoch auf den Hauptausschuss als das verantwortliche Gremium, um sich mit diesen Anträgen zu befassen.
Bereits am Samstag, 6. April, um 15 Uhr ist die nächste Gelegenheit, in den Genuss eines Musikschulkonzertes zu kommen. Im zweiten Stock des Musiksaals zeigen bei einem „kleinen Werkstattkonzert“ die momo-Kids sowie Solisten und Solistinnen der einzelnen Instrumentalklassen der Musikschule ihr Können. Der Eintritt ist frei. mes

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