Um einen Kulturschatz reicher

Sonderausstellung Monnickendam eröffnet – Genau zur richtigen Zeit für das RothenburgMuseum

Rothenburg – „Nach fast hundert Jahren ist Monnickendam wieder in Rothenburg und wir freuen uns, dem Rothenburg-Museum  46 seiner Werke schenken zu können”, betonte Ruud van Helden als Stiftungsvorstand des Malers aus Amsterdam zur Ausstellungseröffnung in der Gemäldegalerie.

Stiftungsvorsitzender van Helden am Pult (mit OB Hartl und H.Möhring). Fotos: diba

Die feierliche Eröffnung der Monnickendam-Ausstellung am letzten Samstagabend war zugleich eine Premiere für das seit 2019 umbenannte ehemalige Reichsstadtmuseum und seine neue Ausrichtung als RothenburgMuseum. Die bisherige Wasse-Galerie erlebte man mit verdunkelten Fenstern, um die Werke des Künstlers in besserem, blendfreiem Licht erstrahlen zu lassen, was dem Ganzen einen ansprechenden Galerie-Charakter gibt.

In der Begrüßung beim Stehempfang im großen Galeriesaal begrüßte Walter Hartl neben dem Stiftungsvorstand aus Amsterdam auch den dortigen Direktor des Jüdischen Museums, Joel J. Cahen. Und  besonders die Familie Wagner mit dem Kurator und Initiator Klaus Wagner, ohne die es dieses Ereignis gar nicht geben würde.  Die Genannten haben es gemeinsam möglich gemacht (wir berichteten), dass die Stadt Rothenburg mit einem so großzügigen und wertvollen Kulturgeschenk bedacht wird. Beim Betrachten der einzigartigen Bilder entdecke man sicher manches Detail in den Rothenburg-Perspektiven, das man noch nicht kenne. Dank eines anspruchsvollen Ausstellungskataloges könne man Monnickendam „auch mit nach Hause nehmen”, schmunzelte Walter Hartl und dankte neben den Spendern dem Museumsleiter Dr. Möhring und seinen Mitarbeitern. Die holländische Stiftung habe der Stadt Rothenburg 46 Bilder geschenkt und mit über 22 Leihgaben die Ausstellung in dieser Größenordnung erst ermöglicht, wofür man sehr dankbar sei.

„Wir wissen nicht warum der Amsterdamer Maler 1922 Rothenburg besuchte, aber es war August und warm und obwohl er nur eine Woche blieb, schafft er es über 45 Zeichnungen von Stadt und Umgebung zu machen”, erinnerte Ruud van Helden in seiner Einführung. Zuhause habe Monnickendam dann noch drei große Gemälde der romantischen Stadt, die ihn so angezogen habe,  angefertigt. Mit Frau und den beiden Kindern sei der jüdische Maler damals hier gewesen und jetzt nach fast hundert Jahren kehre er an den Ort zurück.

Als schon damals bekannter Maler habe er sich Auslandsreisen leisten können, sei danach 1923 auch unter anderem in der Normandie, der Bretagne sowie mehrmals in Italien gewesen. Schon 1917 habe er ein Gemälde für 2500 Gulden verkauft, was heute 50.000 Euro entspräche. In seinem großen Haus in Elspeet hätten die beiden Töchter nach dem Tod der Mutter sehr bescheiden gelebt und alles aufbewahrt, aber nach dem Tod des Vaters 1943, der zunehmend in Vergessenheit geriet, hätten sie nicht gewusst, was mit dem Nachlass anzufangen ist.

In neuem Licht: die große Gemäldegalerie jetzt blendfrei in Kunstlicht getaucht.

Ruud van Helden erzählte, dass er die Situation damals erkannt hatte und dann 1973 gemeinsam mit den beiden Töchtern als Vorstand die Stiftung „Freunde des Malers Martin Monnickendam” gegründet wurde. Der ist zu verdanken, dass viele seiner farbenprächtigen Zeichnungen, Theater-Gemälde und Stilleben in einer riesigen Sammlung wieder zusammengeführt wurden. Es sind 4300 Arbeiten des Künstlers in einem Sammlungskatalog beschrieben! Van Helden: „Er hat große Gemälde geliebt und sein Arbeitstempo war hoch”. Dass er 1943 nach einer Lungenentzündung mit 69 Jahren starb, sei angesichts der Judenverfolgung für ihn und seine Arbeit fast ein Segen gewesen.

Dadurch ließen die deutschen Besatzer seine nichtjüdische Frau als Alleinerbin mit ihrer Sammlung in Ruhe. In der Stiftung hieß es dann in den siebziger Jahren viel zu leisten, betonte der Vorsitzende: alles katalogisieren, die Originale sichern und viele davon erst restaurieren, darunter auch die beiden Großgemälde mit den Rothenburg-Ansichten. Zusätzlich galt es zahlreiche Materialien von Fotos und Briefen bis zu Notizen und Auszeichnungen als Dokumente zu ordnen sowie mit den letzten noch lebenden Studenten des Malers Interviews zu führen.

Viele Leihgaben aus niederländischen Museen

„Die Stiftung freut sich sehr, heute in Rothenburg zu sein und Ihnen sein Werk mit Leihgaben aus mehreren niederländischen Museen zeigen zu können”, sagt Van Helden mit einem Dank für die gute Zusammenarbeit an die Beteiligten. Zum würdigen Rahmen gehörte die passende musikalische Begleitung durch die Familie Wagner, der die Musik im Blut liegt. Opernsängerin Katrin Wagner (Oboe), Tobias Volz-Wagner (Fagott), Theodor Wagner (Cello) und Karl Wagner (Posaune) bereicherten die Eröffnung mit den Stücken „Promenade” aus „Bilder einer Ausstellung” von Petrovich Mussorgski, zwei Klezmer-Stücken und zum beschwingten Abschluss „Mein kleiner grüner Kaktus” von den Comedian Harmonists.

In der großen Galerie und den Nebenräumen konnten sich die vielen Besucher einen umfassenden Eindruck von den prächtigen Werken Martin Monnickendams verschaffen, von den ganz großformatigen Bildern bis zu kleinen Motiven und  Zeichnungen. Seine leuchtenden Farben, kräftigen Kontraste und atmosphärenreichen Bilder sind beeindruckend und werden gleich hinter den ganz großen Malern wie Van Gogh, Rembrandt oder Vermeer genannt.

Manchmal kommen eben glückliche Umstände zusammen. So ist die Monnickendam-Ausstellung einer der Höhepunkte bei den Themenjahren zu„ Rothenburg als Landschaftsgarten”. Und sie kommt mit der Schenkung punktgenau richtig zur Neupositionierung des städtischen Museums, das nicht nur im Marketing, sondern auch im Angebot künftig mehr Aufmerksamkeit erreichen möchte.

Dank eines Projekts der Hochschule Würzburg kann man sich sogar manche Infos zu den Bildern über eine Handy-Anwendung virtuell erschließen (allerdings nur für Android-Nutzer), wie Direktor Dr. Möhring betont. Die Anwendung funktioniert bereits mit der Passions-Ausstellung. Auch hier startet das Museum in die Zukunft. diba

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*