Hannelore Elsner war der Star

Erinnerung an den TV-Film Deutsche Novelle von Leonhard Frank – Handlung spielt in Rothenburg

Rothenburg – Wenn in diesen Tagen die Erinnerung an Hannelore Elsner als eine großartige Schauspielerin die Titel der großen Zeitungen bestimmte, so erinnert sich auch manch älterer Rothenburger an persönliche Begegnungen mit ihr: im Jahr 1971 war sie Hauptdarstellerin in dem Fernsehfilm „Deutsche Novelle” nach einem Buch von Leonhard Frank. Die Tauberstadt war damals vier Wochen lang Drehort an Originalschauplätzen, denn die Handlung  spielt fast ausschließlich in Rothenburg.

Hannelore Elsner als Josepha in einer Film-Szene am Rothenburger Bahnhof gedreht. Foto: diba

Es war die Zeit, zu der Rothenburg als Filmstadt Furore machte. Dazu gehörte auch die Verfilmung des Werkes von Leonhard Frank (1882 – 1961), der durch seine Romane, Erzählungen und Novellen bekannt wurde. Er gilt als einer der bedeutenden sozialkritischen und pazifistischen Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Ehefrau Charlotte Frank hatte anfang 1971 mit dem Regisseur Oswald Döpke Rothenburg besucht, um die Dreharbeiten für Juni vorzubereiten. Im menschlichen Schicksal, das die Novelle beschreibt, sah Döpke „ein typisch deutsches Schicksal”, wie er unserer Zeitung sagte. Es gehe um das völlig der Tradition und dem Wertedenken Verfallensein des Menschen.

Geschrieben hatte Leonhard Frank das Buch 1944 in Hollywood. Es erzählt das Schicksal der 32jährigen Baroness Josepha (gespielt von Hannelore Elsner), die in einem kleinen Palais in Rothenburg als letzter Nachkomme derer von Uffendorf mit ihrem Diener und einer tauben Köchin ihr Dasein fristet. Sie begreift nichts von der Freiheit, ist einem Macht- und Moraldenken verfallen – dann aber gibt sie sich dem raffiniert werbenden Diener hin und sieht danach nur noch den Ausweg, den Liebhaber und sich selbst zu erschießen. Zu den Örtlichkeiten des Drehs gehörten damals das Staudtsche Patrizierhaus in der Herrngasse, Klosterhof, Folterkammer,  Wildbad, das Hotel Eisenhut, die Schreinerwerkstatt Spitalgasse 17, aber auch der Friedhof und der Bahnhof.

Hinzu kamen Szenen in der Hofbronnengasse, wo eine Gruppe von TV-Turnern (in Turnerkleidung von 1912) den Karren mit dem Leichnam des Schusters, der sich laut Drehbuch in der Tauber mit einem Stein um den Hals ertränkt hatte, zum ehemaligen Kerndter-Haus ziehen. Den Kammerdiener spielte Wolfgang Reichmann und selbst die Witwe des Buchautors Charlotte Frank hat im Film einen Part übernommen. Die Rothenburger Hotelbesitzerin Marianne Berger hatte als Statistin die Mutter der Baroness Josepha verkörpert.

Der in Rothenburg ansässige ehemalige Berliner Aufnahmeleiter Willi Jeske war als örtliche Filmgröße bei der Vorbereitung beteiligt. Ihm ist zu verdanken, dass manche Filme überhaupt hier gedreht wurden. Jeske, der in der Weidmannstraße eine urige Keller-Film-Kneipe betrieb, hatte mit nahezu allen Großen des deutschen Films gearbeitet. Bei „Ich denke oft an Piroschka” oder „Der Herr vom andern Stern” 1948 mit Heinz Rühmann war er Aufnahmeleiter.

Hannelore Elsner aber stand im Sommer 1971 im Mittelpunkt als eine 29-jährige herausragende und attraktive Schauspielerin, dabei war die Liebesszene im „Herrngassen-Palais” nur eine der Herausforderungen. Am 23. Juli 1972 lief der Spielfilm dann im ZDF-Abendprogramm, 15 Millionen Zuschauer wurden als großer Werbeeffekt für den Drehort Rothenburg genannt. Die Verbindung mit dem Schriftsteller Leonhard Frank und seiner tiefgründigen Novelle aber ist als literarischer Teil des gerade neu entdeckten „pittoresken Rothenburg” hochaktuell. diba

 

Ein Kommentar zu Hannelore Elsner war der Star

  1. Hadwig Reinerth sagt:

    Schön dass Sie an diesen Film erinnern der mich seinerzeit ziemlich beeindruckt hat. Auch der „fränkische Hintergrund“ spielt dabei eine Rolle, da ich als Schülerin das Taubertal – allerdings von der württembergischen Seite aus – über mehrere Jahre kennengelernt hatte. Jenseits der bayrischen Grenze schien mir alles allzu katholisch, und dass es z. B. mit Leonhard Frank auch andere Geistesströmungen gab, habe ich erst später erfahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*