Bewegte Geschichte

Eingemauerte Zeitkapsel in der Rathaus-Turmhaube entdeckt

ROTHENBURG – Mit Beginn der Sanierungsarbeiten am Treppenturm des Rathauses wurde eine interessante Entdeckung gemacht. In der Turmhaube fand sich eine Zeitkapsel.

Die Dokumentenkapsel mit zeittypischem Inhalt.

Dokumente der Zeitgeschichte von lokaler Bedeutung waren in der luft- und wasserdicht verschlossenen Kupferkapsel aufbewahrt, um die Haltbarkeit des Inhalts über einen langen Zeitraum für nachfolgende Generationen sicherzustellen. Die jüngsten Inhalte stammen vom Frühjahr 1990. Seinerzeit hatte eine Reihe schwerer Orkane die Turmhaube beschädigt. Im Zusammenhang mit der Reparatur hatten die Handwerker aktuelle Zeitungen hinterlegt. In den Sportnachrichten bestimmten die Tennisstars Steffi Graf und Boris Becker die Schlagzeilen.

Als die Kupferrolle jetzt geöffnet wurde, förderte sie ein Schreiben des damaligen Oberbürgermeisters Erich Lauterbach von Pfingsten 1952 zutage. Außerdem hatte der Rothenburger Spenglermeister Karl Giel einen Brief hinterlegt. Von April bis Mai 1952 hatte er mit seinen Mitarbeitern Otto Vietz, einem Heimatvertriebenen aus dem Sudetengau, und dem gebürtigen Rothenburger Hans Hessenauer den Treppenturm mit Kupferblech neu eingedeckt. Nach Angaben des Spenglermeisters wurde der Turm im Jahr 1557 von einem Zinndecker aus Bad Windsheim eingedeckt. Um 1921 wurde die durch Zinnfraß zerstörte Abdeckung gegen eine Konstruktion aus Bleiblech ersetzt. Diese Arbeiten wurden vom Vater von Karl Giel und unter seiner Mitarbeit ausgeführt. Die Bauspenglerei hatte ihren Sitz damals am Grünen Markt, wo heute Stadtverwaltung untergebracht ist.

Beim Bombenangriff am 31. März 1945 wurde das Rathaus bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Bürgermeister Lauterbach geht in seinem hinterlegten Dokument darauf ein, dass Rathaus, Weißer Turm und Markusturm zu den ersten Wiederaufbauten gehörten. Zu der Zeit war Friedrich Hörner Stadtoberhaupt. 1947 konnte der erste Stock des Rathauses bezogen werden. Anfang 1946 war bereits der Weiße Turm wieder aufgerichtet worden. Einige Monate darauf erhielt der Markusturm seine Bedachung und im Dezember 1946 wurde Richtfest am wiederaufgebauten Rathaus gefeiert, heißt es in der Darstellung von Dr. Lauterbach.

Gerüst am Rathaus: Die Sanierung des Treppenturms hat begonnen. Fotos: Schäfer

Der Ausbau des Rathauses erfolgte etappenweise. Während der Währungsreform war die Baustoff-Beschaffung schwierig und verhinderte ein rasches Vorwärtskommen. Außerdem hemmte „die äußerst schwierige Finanzlage die Bauarbeiten“. An Pfingsten 1952 war der Wiederaufbau des Treppenturmes beendet. Die Eindeckung wurde in Kupferblech ausgeführt, „das von einem Spender für diesen Zweck zur Verfügung gestellt wurde“, wie Oberbürgermeister Lauterbach lobend erwähnt. Die örtliche Bauleitung oblag dem damaligen Stadtbaumeister Karl Rahn. Anerkennende Erwähnung fanden auch die Schreiner-, Maler- und Schlosser-innung, das Baugeschäft Sommer sowie das Zimmereigeschäft Rahn.

Die aktuelle Restaurierung des Treppenturms mit Erneuerung der Kupfereindeckung an der aufwändig getalteten Turmhaube verschlingt rund eine halbe Million Euro. Die Denkmalschutzstiftung steuerte den freiwilligen Betrag von 50000 Euro bei. Ein Autokran wird nötig sein, um die Turmhaube abzunehmen und in eine Fachwerkstatt zu bringen. Ursprünglich war geplant, die Instandsetzung auf einer Arbeitsbühne am Marktplatz durchzuführen. Davon ist man wieder abgekommen. Die Maßnahme ist so terminiert, dass sie bis Pfingsten abgeschlossen ist und das Gerüst an der Fassade verschwindet.                         sis

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