Ein Vorzeigestück

Viel Lob für den Lehrbienenstand am Hochzeitswald und die Imker

ROTHENBURG – Einmaliges in seiner 150-jährigen Vereinsgeschichte hat der  Rothenburger Zeidlerverein mit seinem Lehrbienenstand am Hochzeitswäldchen oberhalb der Leuzenbronner Steige geschafft und vollbracht. Die Imker krempelten die Ärmel hoch, leisteten Stund um Stund beim Arbeitseinsatz und stellten eine Anlage auf die Beine, die sich – angefügt an das schöne Stück Natur am Amerikanerwäldchen – sehen lassen kann. Voller Freude und Stolz konnte dieses Ergebnis fleißigen und gezielten Wirkens seiner Bestimmung übergeben werden.

An der Einflugschneise herrscht Hochbetrieb beim neuen Lehrbienenstand mit seinen Kästen für die Völker. Fotos: Weber

Dass dies jetzt vor solch ansehnlicher Publikumskulisse geschah, war für alle Beteiligten eine anerkennende, ehrende Bestätigung ihres Einsatzes. Vorsitzender Alfred Wegele konnte sich bei seiner Begrüßung nicht zuletzt auch zufrieden zeigen, dass seine Einladung an die Bevölkerung Resonanz gefunden hatte.

Für den Verein, so gab er zu verstehen, sei das Projekt eine Herausforderung gewesen. Ohne kräftige finanzielle Unterstützung vieler Förderer wäre diese Aufgabe nicht zu stemmen gewesen. Aber das gemeinsame Wirken der Mitglieder habe auch stark verbunden. Es habe einen Ruck durch die Reihen gehen lassen und für wesentlich mehr Zusammengehörigkeitsgefühl gesorgt.

„Mir ist das Herz voll des Dankes und der Dankbarkeit,“ sagte Wegele bei seiner Ansprache: „Wir Imker sind dankbar für das schöne Gelände, das uns von der Stadt Rothenburg zur Verfügung gestellt wurde. Bedanken wollen wir uns auch für die schnelle Bearbeitung unseres Bauantrags und das spontane Auffüllen des Geländes mit Erde sowie das Einebnen.“

Zu großem Dank verpflichtet sei der Verein nicht zuletzt auch den Förderern: „Denn das Geld, das wir auf dem Konto hatten, hätte nie und nimmer ausgereicht. Die Errichtung dieses Lehrbienenstandes war nämlich nicht von langer Hand geplant.“ Vor diesem Hintergrund könne man von „Rücklagen Fehlanzeige“ sprechen.

Es wurde einfach mehr daraus

Vor nicht einmal einem Jahr sei der heutige Ausbildungswart Marcel Budaker auf ihn zugekommen. Er betreut einen Probeimker und fragte, ob sich ein solches Projekt nicht  ausweiten ließe. Wobei er sich weniger einen Bienenstand als vielmehr die freie Aufstellung einiger Völker vorstellte.

Präsente für die Gäste: Vorsitzender Wegele (Mitte) bedankt sich mit Wein bei Norbert Hauer (rechts) und Gerhard Müller-Englert (links) fürs Kommen.

Aber als sie sich von Daniel Gros, dem Leiter des Städtischen Forst-amts, am Hochzeitswald das Gelände zeigen ließen, wurde kurzerhand beschlossen mehr daraus zu machen. Dieses „mehr daraus“ gelte es jetzt zu feiern, sagte Alfred Wegele hocherfreut. Sein Dank galt aus gegebenem Anlass Oberbauleiter Gerhard Brehm und dem Planer und Bauleiter Marcel Budaker, aber auch allen Helfern, „die hier einen Teil ihrer Freizeit in die Zukunft unseres Traditionsvereins investiert haben.“

In alphabetischer Reihenfolge verlas der Vorsitzende die Namen der 13 Spender-Firmen ohne deren finanzielle Unterstützung das Projekt nicht zu realisieren gewesen wäre.   Weder Kosten noch Mühen seien gescheut worden, der Spendertafel einen schönen Platz zu geben. Ein Schotterwerk und eine Baufirma sorgten ebenso für die Umsetzung dieses Anliegens wie Werner Streng und Werner Kreiselmeyer, die diesen wuchtigen Stein von stattlicher Größe transportiert und aufgerichtet haben. Drei weitere Firmen sorgten beim Projekt außerdem für tatkräftige Unterstützung. „Der Stein ist groß. Da passt locker eine weitere Tafel drauf,“ meinte Alfred Wegele abschließend mit einem Augenzwinkern.

Für Oberbürgermeister Walter Hartl ist dieser Lehrbienenstand die ideale Ergänzung des mit 700 verschiedenen Obstbäumen (Kirsche, Apfel, Zwetschge und Birne)  ausgestatteten Hochzeitswalds. Das betonte er in seinem Grußwort. Die Bienen hätten hier im direkten Umfeld des mit neun Völkern besetzten Standes eine wichtige Bestäubungsfunktion.

Außerdem freue ihn sehr, dass die Biene inzwischen als wichtiger Faktor unseres Ökosystems eine Art Schlüsselfunkktion in der Bewussteinsbildung der Bevölkerung eingenommen habe. Seine Frau, die mit ihm zur Feierstunde gekommen war, habe für sich eigentlich auch die Imkerei auf dem Wunschzettel. Das lasse sich aber aus zeitlichen Gründen nicht verwirklichen. Auf Nachfragen unserer Redaktion ließ Gudrun Hartl durchblicken, dass sie bereits eine Ausbildung in der Bienenhaltung durchläuft.

Der Hochzeitswald wird an dieser Stelle nicht mehr weiter wachsen können, weil der Platz dafür fehlt. Nun wird darüber nachgedacht, oberhalb der Reutsächser Steige, wo die Bank mit bester Aussicht auf die  Altstadt steht, mit einem neuen Konzept anzuknüpfen. Statt wie bisher einen Baum für jedes Paar, das in Rothenburg den Bund fürs Leben schließt, soll es dort einen oder mehrere Sammelbäume geben. Es wird überlegt, ob es hier für die Frischgetrauten in irgendeiner Form eine Möglichkeit zur Befestigung der beliebten Liebesschlösser geben kann.

Auch der für Mittelfranken und Unterfranken zuständige Fachberater für Bienenzucht, Gerhard Müller-Engler, war zur Inbetriebnahme des Lehrbienenstands nach Rothenburg gekommen. Nach zurückliegenden Zeiten, als wegen ständig abnehmender Zahlen der Bienenvölker schon mit dem Abreißen der erforderlichen Bestäubungs-Kapazitäten im Jahr 2022 zu rechnen war, befinde sich der Bestand auf neuen Höhenflügen und mit ihm das Interesse an der Imkerei, sagte er.

Inzwischen könne seine in Fürth beheimatete Stelle gar nicht mehr genug Kurse anbieten, bei denen alle interessierten Einsteiger in die verschiedenen Bereiche der Bienenhaltung eingeführt und so für ein erfolgreiches Wirken im Ökosystem fit gemacht werden können.

Einrichtungen wie der neue Lehrbienenstand am Hochzeitswald seien ideal, um das Thema vor allem auch den Kindern präsent zu machen und damit wichtige Grundlagenarbeit zu leisten. Wer einmal in Kindergarten- oder in Schuljahren vor Ort gekommen sei und gesehen habe, wie die Insekten zusammenspielen und wie ein Bienenstock funktioniere, den lasse das nicht mehr los.

Eingebunden ins Netz der Mess-Stellen in Bayern

Auch kündigte er an, dass es schon in Kürze vom Rothenburger Lehrbienenstand Daten geben werde, die Teil eines aus 140 Punkten in ganz Bayern bestehenden Messnetzes sind. Eine hochsensible Waage zeichne das Gewicht eines der Bienenstöcke zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit auf und lasse damit wichtige Schlüsse auf den Befund der Insekten zu, was nicht zuletzt genaueste Rückschlüsse auf die unterschiedlichsten umweltrelevanten Faktoren  erlaube. Es wird daran gearbeitet, die  Daten von den verschiedenen Stellen per Fernübertragung zu übermitteln und zu verknüpfen.

Als stellvertretender Bezirksvorsitzender, Kreisvorsitzender und Fachwart der Imkervereine berichtete auch Norbert Hauer aus Ansbach   von einer Renaissance der Imkerei mit steil ansteigenden Interesse. Im größten Landkreis in Bayern gebe es derzeit mit 3500 Bienenvölkern und 900 Imkern, die in 28 Vereinen organisiert sind, einen guten Durchsatz.

Anfängerkurse für Imker würden seit fünf Jahren angeboten. Sie seien derzeit so gut nachgefragt, dass dafür gar nicht mehr ausgeschrieben werden müsse und die Plätze rasant vergeben sind. Seit zwei Jahren bieten die Ansbacher Imker englischsprachige Kurse für Amerikaner an, die bis vom Truppenübungsplatz im oberpfälzischen Hohenfels zum „Bienenzentrum“ der Streitkräfte zwischen  Katterbach und  Obereichenbach auf der nördlichen Seite der B 14 kommen. Er freue sich, dass sich nun auch Rothenburg zu den Aktivposten zählen lasse.

Viele der Besucher nutzten die  Gelegenheit, holten sich im Anschluss an den offiziellen Teil der Feierstunde bei einem hinter Glas gehaltenen Bienenvolk Einblicke ins  komplizierte, aber wohlgeordnete Treiben dort und erkundigten sich bei den Praktikern und den Fachleuten vor Ort nach allerhand wissenswerten Details.

Auch in puncto Verköstigung zeigte sich der Rothenburger Zeidlerverein bei diesem markanten Ereignis der Vereinsgeschichte von seiner besten Seite. Ein Büfett mit schmackhaften Dips lud zum Verweilen ein. Dazu gab es jede Menge alkoholfreie Getränke.                                     -ww-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*