„Vorinformation wäre besser gewesen“

Kritik von Bürgern über falschen Zeitpunkt von Grünpflegemaßnahmen verhallte nicht ungehört

ROTHENBURG – Die Grünpflege in der Stadt darf kritisch betrachtet werden. Mündige Bürger reden mit, haben Interessen, Forderungen und Wünsche. Sie wollen gehört und beachtet werden. Doch dabei hakt es.

Grünpflege großer Flächen: eine aufwändige und kostpielige Angelegenheit für die Stadt. Foto: privat

Wer ein Anliegen hat, muss überzeugen, argumentieren, Geduld haben. Bürger nehmen weniger als gegeben hin. Weil sie glauben, dass sich eine bessere Lösung finden lässt und sie deshalb eine Debatte anstoßen? Aber zu jedem Argument gibt es ein Gegenargument. Das ist die Krux an der Sache.

Durch die sicherlich gestiegene Sensibilität in der Bevölkerung werden Arbeiten an Bäumen, Sträuchern und Hecken stärker wahrgenommen und kritischer beurteilt. Dass die Stadt in den letzten Tagen „Pflegemaßnahmen“ während der Brut- und Austriebszeit durchführen ließ,  war für Naturschützer „ein Unding“.  Sie protestierten energisch. Warum werden Schnittarbeiten in einer Zeit durchgeführt, in der die Bäume im Saft stehen beziehungsweise noch wachsen und austreiben und die Vögel brüten beziehungsweise ihre Brut aufziehen? Sie wandten sich an  die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Auch der neue Bund-Naturschutz-Ortsvorsitzende Walter Würfel schaltete sich ein, „weil es dringend geraten wäre, dass sich ein kompetenter Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde in Rothenburg vor Ort über die aktuell durchgeführten Maßnahmen informiert.“ Mit der Anmerkung, „leider gab es schon in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit der Grünpflege beziehungsweise mit Baumfällungen in Rothenburg.“

Die Stadt hatte eine Baumpflegefirma aus Nürnberg mit dem Rückschnitt und der Beseitigung von unerwünschtem Wildwuchs beauftragt. Die Stadtgärtnerei und das Bauhof-Personal können diese umfangreichen Maßnahmen nicht allein bewältigen.

In Kabinen der Hubwägen beschnitten die Mitarbeiter die Bäume in luftiger Höhe mit der Kettensäge. Die Kritik aufmerksamer Bürger entzündete sich nicht an den „Pflegemaßnahmen“ an sich, sondern am Zeitpunkt des Vorgehens und an der Art des Rück- beziehungsweise Verjüngungschnitts. Von einer „fachgerechten Totholzentfernung“ könne keine Rede sein, wurde moniert. Fotos belegen, das abgesägte „Totholz“ war ziemlich grün.

Auch gesetzeskundig wurde argumentiert – mit Hinweis auf das Bundesnaturschutzgesetz und den Allgemeinen Artenschutz. Demnach dürfen Maßnahmen an Gehölzen – Bäume, Sträucher, älterer Efeu – nur dann vorgenommen werden, „wenn keine Vögel oder von ihnen belegte Fortpflanzungs- und Ruhestätten dadurch beinträchtigt werden können.“

Wenn die Durchführung einer beeinträchtigenden Maßnahme dennoch unvermeidbar ist, wegen abgestorbener Äste in der Krone, welche abbrechen können, oder ein Baum umzustürzen droht, ist eine Ausnahmegenehmigung durch die dafür zuständige Höhere Naturschutzbehörde erforderlich. Nicht alles, was erlaubt ist, dient zum Guten, wurde der Stadtverwaltung vorgehalten.

Die Naturschutzgesetze sind immer noch sehr dehnbar. Auch wenn die Bayerische Regierung das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zum Gesetz macht und damit den Forderungen für die Artenvielfalt nach anfänglichem Widerstand nachgibt. Mündige Bürger geben sich eben nicht dem Müßiggang hin.

Oberbürgermeister Walter Hartl nahm die Gelegenheit wahr, sich im Rahmen der jüngsten Bauausschusssitzung im Rathaus öffentlich zu der Angelegenheit zu äußern, „die für ziemliche Aufregung gesorgt hat.“ Er legte Wert auf die Feststellung, dass die Stadt eine Fachfirma mit ausgebildetem Personal für die Pflegemaßnahmen beauftragt habe, die in der Lage sei, beurteilen zu können, was notwendig ist.

Er äußerte sich aber auch offen für die Kritik. Man könne schon die Frage stellen, ob der Zeitpunkt richtig gewählt war, Obstbäume kurz nach der Blüte auf dem Bezoldparkplatz zu beschneiden. Er sei auch wenig glücklich darüber gewesen, dass im Burggarten an blühenden Kastanien gearbeitet wurde.   Die Baumfällung am Rödertor verteidigte Hartl als „notwendige Maßnahme“. Geschwächt durch einen Pilz sei die Standfestigkeit des Baumes nicht mehr gewährleistet gewesen.

Künftig soll die Öffentlichkeit im Vorfeld besser informiert werden und man will mehr Transparenz und Sensibilität walten lassen. Auch der Informationsfluss zur Unteren Naturschutzbehörde müsse verbessert werden, hat Bürgermeister Kurt Förster als OB-Stellvertreter angesichts der Welle der Kritik ausgemacht. Der zuständige Sachbearbeiter beim Landratsamt wurde durch die vielen Rufe nach Überprüfung kalt erwischt und sei zu nichts mehr anderem gekommen. Wie Förster erklärte, sei der Mitarbeiter froh über Vorinformationen, denn es gebe keine andere Stadt, die so militante Naturschützer habe wie Rothenburg.                    sis

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