Johns Werk bei „Pittoresk“

Aktuelle Schau im Künstlerhaus in der Herrngasse eingebunden in den großen Themenzirkel

ROTHENBURG – Auch die Sammlung John bringt sich mit ihrer aktuellen Ausstellung ein in den von der Stadt ausgegebenen Themenkomplex „Pittoresk“. Gleiches gilt für die Präsentation des Werkes von Walter John in den Jahren 2020 und 2012. Das betont Udo Rödel als künstlerischer Berater und als Beiratsmitglied der Stiftung mit Wohnhaus und Atelier des 1974 verstorbenen Künstlers. Mit seiner authenitschen Atmosphäre ist das Anwesen in der Herrngasse ein idealer Schauplatz für die Bilder- und Skulpturenschau aus dem Lebenswerk Johns.     

Gediegene Atmosphäre, angereichert mit viel Kunst: die Sammlung John.

Grund genug, um vor dem Hintergrund von „Pittoresk“ ein wenig den Blick zu lenken auf Walter John als Mensch und als Künstler. 1910  erblickte er in Ramstein in der Pfalz als viertes von fünf Kindern des Malers Hugo John das Licht der Welt. Schon früh wurde sein malerisches Talent entdeckt und vom Vater, selbst auch Maler, liebevoll gepflegt. Die Natur und ihre Landschaft waren schon damals sein Metier und eine entsprechende Ausbildung für die beste Umsetzung seines Talentes zum Maler wünschte er sich.

Die Eltern zogen nach Mannheim, um dort einen Akademiebesuch zu ermöglichen. So wurde Walter John 1930 ein Schüler der Freien Akademie Mannheim und bald ein Meisterschüler von seinen Lehrern Oertel und Henselmann, damals wurde die „Münchner Schule“ gelehrt, ein Jahrzehnt prägte diese Malschule seine Art des Malens und seinen Umgangs mit der Farbe sowie der Naturwiedergabe.

Aufsehenerregend: das Burgtor im Herbstlaub des Burggartens. Fotos: Weber

Doch schon bald bemerkte man bei ihm die Suche nach weiterer „einmaliger“ Farbgebung. In den folgenden Ausstellungen fiel er mittels dieser Suche auf, so wurden französische Malerkollegen und auch Kunstkritiker auf ihn aufmerksam. Aus diesen Kontakten entwickelte sich ein verändertes Malverhalten, er streifte mit seinen Malweisen durch die verschiedenen französischen Kunstepochen und entwickelte seine persönliche Malsprache.

Endlich malen wie er es wollte

Unterbrochen wurde dies alles durch den Krieg und einer schweren Kriegsverletzung. In dieser schweren Zeit nach dem Krieg malte er wegen der Not und somit des Lebensunterhaltes wie in frühen Zeiten, dem Käuferwillen angepasst, Brotarbeiten eben, so kam kurzzeitig die Münchner Schule wieder ins Spiel.

Doch Ende der Fünfziger des letzten Jahrhunderts änderte die große Liebe sein Leben: Er heiratete, leistete sich, dank seiner Frau, ein Atelier und… endlich konnte er sich wieder die Freiheit nehmen, sich seine Art von Malerei zu suchen. Wieder reiste er mit seinem Pinsel durch die Epochen und fand seinen ganz eigenen Malstil, eben … wie Farbe zur Farbe wird … seine Bilder wurden unverwechselbar, noch mit dem Pinsel aufgestrichen, aber viel herber, kraftvoller und vereinfacht.

In diesen Jahren des Schaffens und des Wandels greift er plötzlich zum breiten Spachtel, dieses Arbeiten beherrscht er bald so meisterlich, dass er selbst die duftigen Osterglocken im Stadium des Verblühens fast durchscheinend auf den Untergrund (eine Holzplatte) zaubern konnte.

Walter John näherte sich, trotz Skizzen nach Landschaftsvorgaben und ihrer Naturgärten, immer mehr der expressiven Malerei. Schon in dieser Zeit der beginnenden 60iger hatte es ihm und seiner Frau, die aus Bad Mergentheinn stammte, diese mittelalterlichen fränkische Städte angetan, insbesondere natürlich Rothenburg ob der Tauber, er sah, welche Möglichkeiten – auf einem schönen Fleckchen Erde- mit den herrlichsten Spaziergängen in und um Rothenburg, den Gartenanlagen, den vielen malerischen Winkeln der Stadt und des Umlandes, sich ihm hier boten. Ein Traum erfüllte sich.

Das Ehepaar kaufte sich ein altes Haus in der Herrngasse. Mit einfachsten Mitteln wurde es restauriert und für seine künstlerischen Zweck eingerichtet. Er malte und malte, wurde von seinen ehemaligen französischen Freunden wiederentdeckt und geehrt, viele Ausstellungsbeteiligungen folgten und er erhielt Preise im europäischen Ausland. Das malerische Arbeiten mit dem Spachtel wurde sein Markenzeichen und von vielen Kunststudenten hochgeschätzt.

Anhand seiner Arbeiten konnte man nun seinen Weg, seinen ganz eigenen Weg, seine Suche nach seiner eigenen künstlerischen Ausdrucksweise zurückverfolgen. Die Stiftung Walter John wird dies  in den Ausstellungen 2019, 2020 und 2021 der Öffentlichkeit nahebringen und damit ihren Beitrag zu „Pittoresk“ leisten. Zu den Themenjahren läuft derzeit eine Ausstellung in der Galerie Walter John in der Herrngasse, mit seinen Werken. Sie zeigt seine Weiterentwicklung von der Münchner Schule bis zur expressionistischen Malerei in den späten Jahren. Ab Mai 2020 zeigt sich dort die Malerei von Walter John im Gedankenaustausch mit Werken von „Fränkischen Malern“ und „Fränkische Städte als Landschaftsgarten“

Im Mai 2021 beginnt eine Ausstellung, in der sich das Werk Walter John in Zwiesprache mit dem künsterlischen Beirat der Stiftung, Udo Rödel, im Kontext mit dem Thema „Rothenburg als Landschaftsgarten“ präsentieren darf.                                     -ww-

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