In Jubiläumslaune

Berry hat Geburtstagsfest zum Standort Dombühl  gefeiert

DOMBÜHL – Eigentlich – das gleich vorweg – ist es nicht an Berry Global Jubiläum zu feiern. Der US-Konzern mit Hauptsitz in Evansville, Indiana, hat das auf Verpackungsfolien und Laminate für Kunden der Hygieneindustrie spezialisierte Dombühler Unternehmen schließlich erst im vergangenen Jahr durch die Übernahme von Clopay Plastic Products in sein Konzernportfolio mit aufgenommen. Und auch Clopay, ebenfalls eine US-Firma, war nicht von Anfang an der Werksinhaber. 1998 hatten die Amerikaner das damals noch von Familienhand geführte Unternehmen „Böhme“ übernommen. 

Zur Feier war ein großes Zelt aufgestellt worden. Das füllte sich mit vielen Besuchern des Jubiläums. Fotos: Götz

Wofür sich Berry Global womöglich schon eher feiern lassen kann, ist, dass es der US-Konzern geschafft hat, den „Dombühler Standort nach vielen Höhen und Tiefen“, wie es Christoph Angstl, Geschäftsführer und Werksleiter vor Ort, in seiner Festzelt-Ansprache sagte, wieder zu Wachstum und Profit zu verhelfen. Allerdings nicht ohne Kostenreduzierung, die in erster Linie zu einem Personalabbau führte. Der sei für die „Standortabsicherung notwendig“ gewesen, erklärte Achim Schalk, Vice President Operations für die Regionen Europa, Afrika, Indien und den Mittleren Osten, am Rande der Jubiläumsfeier. Nach wie vor verfüge das Dombühler Werk jedoch über „ein breites, technisches Verständnis der Mitarbeiter“, weshalb er die Produktion im Gemeindegebiet, zumindest mittelfristig, für gesichert hält. „Fünf Jahre“, sagt er, weiter wolle er nicht voraus blicken.

Ziehen graue Wolken am Horizont auf?

Fünf Jahre, das ist nicht sehr lange. Doch glaubt man Frank Eschenbacher, Geschäftsführer und Direktor der Produktentwicklung bei der Berry Dombühl GmbH, selbst seit über 25 Jahren im Unternehmen, scheint das Unternehmen gut gerüstet für die Zukunft, der es an Herausforderungen nicht mangelt.

Die USA und China liegen handels-politisch weiter im Clinch, die Weltwirtschaft beginnt bereits zu schwächeln, dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran droht die militärische Eskalation, was in der Folge den Ölpreis in die Höhe klettern lassen und so gerade auch die Produktion von Kunststoffprodukten hierzulande verteuern könnte.

Und dann sind da ja noch der politische Höhenflug der Grünen und ein damit einhergehend stark steigendes Interesse an einer deutlich strafferen Klima- und Umweltpolitik in der Gesellschaft. Ob sich da Plastikverpackungen weiter wettbewerbsfähig herstellen und verkaufen lassen?

„Ja“, sagt Eschenbacher ohne zu zögern, will sich schon bevor er aufkommt, eines möglichen Gegenwinds erwehren. „Man kommt dann zum Erfolg, wenn man schon etwas in der Schublade hat, was heute noch keiner braucht. Wir arbeiten fortwährend daran, unsere Folien noch dünner zu machen. Ursprünglich bei 25 sind wir inzwischen bei 14 Mikrometern angelangt und es geht noch mehr.“ Darüber hinaus teste man derzeit Zuckerrohr als Rohstoffalternative zu Polyethylen und Polypropylen.

Und mit Blick auf die Weltwirtschaft? Als Zulieferer im Konsumgüterbereich, der zyklischen Schwankungen weniger stark unterliege, -sehe er für Berry Dombühl keine Probleme, sagt Schalk.

Derzeit kommt das Unternehmen mit etwas über 100 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro. Größter Kunde ist der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble. Insgesamt produziert die Berry Dombühl GmbH im Jahresverlauf rund 350 Millionen Quadratmeter Folie, was in etwa der Fläche Münchens entspricht.

Beim Jubiläumsfest rund 300 Besucher

Ein Großteil davon wird für die Verpackung von Damenbinden verwendet. Jede Folie besteht dabei aus mehreren Komponenten, die Grundmaterialien sind alle zertifiziert. Zunächst werden die Folien auf Extrusionsanlagen hergestellt, anschließend in einem zweiten Arbeitsschritt bedruckt und silikonisiert. Dafür suche Berry Global inzwischen auch wieder nach Druckern und Produktionshelfern zum Produktionsausbau, so Christian Günther, Leiter der Personalabteilung.

Vielleicht konnte die große Jubiläumsfeier ja schon manch einen überzeugen. Insgesamt, so Günther, seien rund 300 Leute vor Ort gewesen. Neben vielen Angestellten und ehemaligen Mitarbeitern unter anderem auch Landrat Dr. Jürgen Ludwig und Dombühls Bürgermeister Jürgen Geier. Berry hat mehrere Werksführungen angeboten, ein Programm für Kinder und auch für das leibliche Wohl der Besucher war gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass es auch nach 60 Jahren wieder Grund zum Feiern gibt.                                                   og

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