Ein mitreißendes Finale

Ein Konzerterlebnis in besonderer Atmosphäre – Klassische Musik im Schlosshof

SCHILLINGSFÜRST – Zu einer italienischen Nacht hatte Fürst Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst geladen – und er durfte ein großes Konzertpublikum, unter ihnen der mittelfränkische Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer, der Karikaturist Horst Haitzinger und der Leiter der mittelfränkischen Berufsfachschule für Musik, Erich Schneider, begrüßen.

Roberta Verna (Violine), Franziska Glemser (Klavier), Joel Blido (Cello). Foto: Schwandt

Florian Glemser, mehrfach ausgezeichneter Pianist und Dozent für Klavier und Korrepetition an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl ist der neue künstlerische Leiter des Liszt-Festivals. Die Achse zwischen Rom und Schillingsfürst gelte es auszubauen, Kurienkardinal Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst habe Franz Liszt in Rom die „niederen Weihen“ erteilt und eine intensive Freundschaft mit ihm gepflegt. Ludwig van Beethoven hat Franz Liszt als Kind angeblich die Stirne geküsst – und so startete der Abend mit einem Klaviertrio des Altmeisters in Es-Dur.

Franziska Glemser, Roberta Verna und Joel Blido erwiesen sich dabei als exzellente Interpreten. „La Traviata“ von Giuseppe Verdi lieferte die Melodien zur Fantasie für Klarinette und Klavier von Donato Lovreglio und zauberte gewaltige, italienische Opernklänge in den Schlosshof: Jens Singer brillierte als virtuoser Solist und begeisterte das Publikum mit seinem hinreißenden Spiel.

Harmonie pur erlebten die Zuhörer bei den Chansons für Klavier zu vier Händen von Johannes Brahms, in denen er u. a. die frühere russische Nationalhymne verarbeitet hatte, grandios dargeboten vom Ehepaar Franziska und Florian Glemser. Kurzfristig war Joel Blido für den erkrankten Cellisten Florian Schmidt-Bartha eingesprungen: Der 20jährige hat bereits seinen Bachelor-Abschluss und studiert an der Musikhochschule in Weimar. Die Rokoko-Variationen von Peter Iljitsch Tschaikowski gehören zu den anspruchsvollsten Werken für Violoncello. Blido spielte diese auswendig, zeichnete dynamische Spannungsbogen und klare Strukturen, entführte das Publikum sehnsuchtsvoll in die Klangwelt des 18. Jahrhunderts: eine großartige Interpretation.

Einer „rasanten Fahrt durch wildes Gelände“ glich die Tzigane für Violine und Klavier von Maurice Ravel mit Roberta Verna als Solistin. Die 21jährige Würzburgerin stammt aus einer Musikerfamilie, sie ist u. a. Kulturförderpreisträgerin der Stadt Würzburg. Meisterlich beherrscht sie ihr Instrument – eine Violine von Antonio Stradivari, die ihr von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt wurde.

Mit den temperamentvoll improvisierten virtuosen Zigeunerweisen zog die junge Geigerin die Zuhörer in ihren Bann. Nino Rota, bekannt als Komponist der Filmmusik „Der Pate“, lieferte schließlich die feurige Musik für das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier in drei Sätzen: ein originelles, mitreißendes Finale des überaus gelungenen Abends.

Das dritte Liszt-Festival auf Schloss Schillingsfürst hat mit seiner Freiluftveranstaltung im Schlossinnenhof ein neues Format gefunden, das beim Publikum ankommt. Und auch Bürgermeister Michael Trzybinski sparte nicht mit Lob: Schillingsfürst bietet eine hervorragende Kulisse, auf der herausragende Inhalte gespielt werden. Was für ein Auftakt!                                   -sw-

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