Besondere Aufgabe

Denkmalschutz als integrativer Teil der Stadtentwicklung

ROTHENBURG – Blickt man von der Höhe frei auf Rothenburg, schleicht sich immer wieder in besonderer Weise das Gefühl von Ehrfurcht ein vor den stadtbildprägenden Ensembles aus unterschiedlichen Epochen. Mit ihren ausdrucksstarken und identitätsstiftenden Zeitzeugen der Kultur- und Stadtgeschichte gestalten sie den Charakter  unserer Lebenswelt und tragen ganz wesentlich zum Wohlgefühl im Alltag bei. 

Altstadt-Baustelle in luftiger Höhe: Für den großartigen Rund-um-Blick vom Gerüst am Rathaus über Rothenburg bleibt den Handwerkern während der Arbeit wenig Zeit, aber die Pausen sind schön. Foto: Schäfer

Rothenburgs Ruf als schöne und liebenswerte Stadt lässt sich neben seiner attraktiven Lage in erster Linie auf die unmittelbare ästhetische Kraft – oder gar „Schönheit“ – seiner Bauten zurückführen. Diese gilt es wertzuschätzen und zu erhalten. Durch eine konsequente Stadtentwicklung mit Augenmaß – im Dialog zwischen Stadtplanung, Bauherren, Denkmalpflege und Bürgern.

Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Denkmalschutz sind kein Widerspruch. Gerade kontroverse Argumente können zu besonders wertvollem Ausgleich führen. Aktuell bemüht sich die Stadt intensiv darum, das noch vorhandene Industriedenkmal Brauhaus in Neues zu integrieren. Wie sich zeigt, haben die hohen Anforderungsprofile keine abschreckende Wirkung. Drei namhafte Architekturbüros von auswärts nehmen die besondere Herausforderung an und stellen sich den Wettbewerbsaufgaben – mit hohem Zeitaufwand und Personaleinsatz, der sich im fünfstelligen Kostenbereich bewegen dürfte. Die vorgestellten verschiedenen Lösungsansätze verschaffen der Stadt Rothenburg neue, ungeahnte Erkenntnisse über seinVorhaben, das Brauhaus für den neuen Zweck eines Hotelbetriebes umzunutzen.

Rothenburgs städtebauliches Potenzial sind ganze Straßenzüge, Plätze, historische Stadtkerne oder Stadtquartiere mit ihrem besonderen Charakter und in ihrer baukulturell wertvollen Gesamtheit. Erhalten heißt immer auch verändern. Entscheidungen rühren an den Kern gesellschaftlicher Wertegrundlagen, an die Frage: Was ist uns etwas wert? Was hebt das Besondere vom Alltag ab und hilft dabei, innerhalb städteplanerischer Entwürfe dieses Besondere zu erhalten?

Nachhaltigkeit im Erscheinungsbild und der Baukultur in besonderem Maße verpflichtet zu sein, stehen Rothenburg gut zu Gesicht. Solche Maßnahmen sind attraktiv für Touristen, aber haben auch großen Einfluss als Wirtschafts- und Standortfaktor.

Qualität und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen – dem Investitionsdruck und der hohen Priorisierung des Wohnungsbaus standzuhalten – ist keine leichte kommunalpolitische Aufgabe. Argumentationen dürfen sich nicht auf das Fachliche beschränken. Im Zweifel, wenn sich die neuen Dinge rechnen, dürfen Historie und Originalität nicht hintenan gestellt werden.

Der gebotene Umgang baulicher Besonderheiten hat seinen Preis. Der Erhalt und die fachgerechte Ausführung der Sanierung kostet die Stadt jedes Jahr viel Geld. Nach dem Ende der teuren Arbeiten in der Burggasse  zeigt sich, der Einsatz hat sich gelohnt, um den besonderen Ortskern-Charme der Stadtgestalt zu erhalten. Das städtische Bauamt ist bei seinem großen Aufgabengebiet auch auf die Fähigkeiten im jeweiligen Fachgebiet des Handwerks angewiesen. Rothenburg profitiert vom Renommee als Auftraggeber prestigeträchtiger Arbeiten.

So ist die aktuell laufende Sanierung des Treppenturms am Eingang des Rathauses eine anspruchsvolle Baustelle, die aber auch interessant abzuwickeln st. tadtbaudirektor Michael Knappe kann von Glück reden, gute Fachfirmen als zuverlässige Partner an der Hand zu haben bei der Ausführung,

Wie berichtet, musste der Turmhelm wegen der Schäden am Holz komplett ausgetauscht werden. Es war ein kompletter Neuaufbau erforderlich, der aus massivem und witterungbeständigem Eichenholz gefertigt wurde. Außerdem muss die Natursteinfassade an vielen Stellen des Treppenturms saniert werden, der och eutliche randspuren vom Bombenangriff auf Rothenburg 1945 trägt. Fehlstellen sind zu schließen. Große Löcher werden mit Sandsteinen geschlossen. Zum Ergänzen wird Steinersatzmasse aufmodelliert, um einer weiteren Verwitterung vorzubeugen.

Auch die Fenster am Treppenturm müssen gerichtet werden. Das macht die Rothenburger Firma Weinhardt. Turmuhren- und Glockenspezialist Gernot Dürr sorgt dafür, dass der städtische Hausmeister Otto Wasilewski das Stadtratsglöckchen zu den Sitzungen per Knopfdruck läuten kann und nicht mehr von Hand das Glockenseil ziehen muss.

Bis zu den Reichsstadtagen soll das Gerüst am Rathaus abgebaut sein, damit das Historienfest und das beliebte Fassadenfeuerwerk mit ungetrübtem Ausblick vonstatten gehen kann. Im Lichthof steht auch noch ein Gerüst wegen der Dachsanierung vom Kaisersaal.                sis

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