Spitzenqualität, aber weniger Menge

Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Rothenburg-Schillingsfürst unter zwei Vorzeichen

ROTHENBURG – Bei der Milchqualität nach wie vor Spitzenwerte.Die angelieferte Milchmenge ist allerdings weiter im Schrumpfen. So lassen sich die wesentlichen Fakten auf den Punkt bringen.  Die 71. Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Rothenburg Schillingsfürst im Gasthof „Rappen“ für das Geschäftsjahr 2018 stand unter diesen Vorzeichen, aber auch unter Modernisierungs- und Umstrukturierungsnachrichten aus dem Bereich des Abnehmers Bayerische Milchindustrie (BMI). 26 Mitglieder und 13 geladene Gäste waren an dem Abend gekommen, um die Zahlen vom abgelaufenen Geschäftsjahr zu hören.

 

Von links BMI-Vorstand Peter Hartmann, Stv. Vorstand Christoph Langenbuch, Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Leidenberger, Vorstandsvorsitzender Markus Häßlein. Foto: privat

Vorstandsvorsitzender Markus Häßlein ging in seinem Bericht auf die Anlieferungsmengen der Rothenburger Milcherzeuger ein. Sie seien mit insgesamt 13324 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr niedriger gewesen. Ursachen seien der anhaltende Strukturwandel und der Molkereiwechsel von früheren Mitgliedern und Erzeugern. Insgesamt haben nach seinen Worten zuletzt 52 Milcherzeuger über die Genossenschaft an die BMI vermarktet.

99,71 Prozent der angelieferten Milch entsprachen dabei den Kriterien der höchsten Güteklasse. Der Milchpreis 2018 lag mit 34,53 Cent pro Kilo um 2 Cent unter dem Vorjahr. Mit 92 000 Euro lag der Jahresgewinn im üblichen Bereich. Die Einnahmen aus den vermieteten Immobilien sowie die Verzinsung der eingelegten Geschäftsguthaben bei der BMI erhöhen den Auszahlungspreis für die Rothenburger Milcherzeuger.

Die Erträge werden in Form einer Dividende in Höhe von 15 Prozent an die Mitglieder ausgeschüttet. Als Ausblick für 2019 nennt Häßlein die Umstellung auf die Fütterung ohne Gentechnik. Dies sei ein Hauptproblem, weil es von den Landwirten größere Umstellungen erfordere und höhere Produktionskosten nach sich ziehe. Im Lauf des letzten Jahres hat sich die Zahl der Mitglieder von 74 auf 46 reduziert.

Peter Hartmann, Vorstandsvorsitzender der BMI, berichtete bei der Versammlung über den aktuellen Milchmarkt und den der BMI. In einem herausfordernden Marktumfeld hat die Bayerische Milchindustrie eG (BMI) ihren Strategiekurs konsequent weiterverfolgt. Mit Investitionen in Rekordhöhe von insgesamt 42,9 Millionen Euro wurde zum einen der Neubau der Käserei in Jessen (Sachsen-Anhalt) vorangetrieben, zum anderen die bayerischen Standorte fit gemacht für die Zukunft.

In dieser Situation wirkte sich der anhaltende Preisdruck am Milchmarkt belastend auf das Geschäftsjahr aus: Trotz Absatzwachstums in allen Sparten sowie höheren Erlösen bei Frischeprodukten konnten Verwertungslücken bei konventionellen Molkenpulverderivaten und Standardkäse nicht gänzlich ausgeglichen werden. Damit blieb der Umsatz mit 598 Millionen Euro hinter dem Vorjahr (613 Millionen Euro) zurück. Auch die Exportquote lag mit 44,2 Prozent unter Vorjahresniveau (2017: 46,8 Prozent).

Der Bio-Trend hält weiter an

Die guten Milcherzeugerpreise von 2017 konnten im ersten Quartal 2018 nicht gehalten werden, stabilisierten sich aber im Jahresverlauf. Die BMI zahlte für Standardmilch (4,2 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß) im Durchschnitt über alle Milchsorten 35,49 Euro je 100 Kilogramm und bewegte sich damit im bundesdeutschen Durchschnitt. Für Milch in Bioqualität wurden im Durchschnitt 49,59 Euro je 100 Kilogramm Milch netto bei Standardinhaltsstoffen bezahlt.

Vom Jahresüberschuss in Höhe von 200000 Euro sowie von der Zeichnung weiterer freiwilliger Geschäftsanteile durch die Gesellschafter profitierte das Eigenkapital der BMI. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote beträgt 38,7 Prozent bzw. 79,5 Mio. Euro.

Insgesamt erfasste die Genossenschaft von eigenen Liefergruppierungen 795,2 Millionen Kilogramm Rohmilch (2017: 702,6 Mio. Kilogramm) und 2,1 Milliarden Kilogramm Molkenrohstoffe. Damit nahm die Eigenmilchversorgung durch BMI-Mitglieder um 13,3 Prozent zu. Dies wurde sowohl durch organisches Wachstum als auch durch Akquise von neuen Lieferanten erreicht. Im Gegenzug wurde der externe Zukauf von Roh- und Sekundärmilch um 59,7 Prozent deutlich zurückgefahren. Der europaweite Trend zu mehr Bio war auch bei der BMI spürbar: Die Anlieferung von Bio-Rohmilch stieg um 41,8 Prozent auf 55,2 Millionen Kilogramm.

Die Produktion nahm über alle Sparten hinweg zu. Positiv entwickelte sich vor allem die Käseherstellung (+7,2 Prozent) sowie der Frischebereich (+3,3 Prozent). Treiber bei Käse war vor allem die Mozzarella-Produktion durch Ausbau der Blockanlage sowie Mehrmengen bei Kugelmozzarella am Standort Jessen.

Mit Investitionstätigkeiten in Höhe von insgesamt 42,9 Millionen Euro hat die BMI 2018 wichtige Maßnahmen zur technischen und baulichen Weiterentwicklung ihrer Werke umgesetzt. Im Mittelpunkt stand der Um- und Ausbau des Werks in Jessen zum Hightech-Käsestandort: Die komplette Anlagen- und Verfahrenstechnik wurde erfolgreich eingerichtet, unter anderem zur Herstellung von Hart- und Schnittkäse sowie Cagliata.

Eine Million Kilogramm Milch werden zu Käse

Neun Käsefertiger ermöglichen hier ein Verarbeitungsvolumen von insgesamt 1 Million Kilogramm Milch am Tag. Modernsten Standards entspricht auch das Hochregallager mit 16000 Palettenstellplätzen. Drei unterschiedliche Temperaturbereiche gewährleisten hier ideale Lagermöglichkeiten für das vielfältige Produktsortiment

Auch in die bayerischen Werke wurde kräftig investiert: Eine neue Mehrwegglaslinie am Frischestandort Würzburg erhöht die Kapazitäten für Milchprodukte aus Glasflaschen, die bei Verbrauchern zunehmend beliebt sind. Im Werk Zapfendorf wurde eine neue Portionsbecheranlage installiert, an der Fruchtquark und Skyr in Kleinpackungen für Catering- und Care-Einrichtungen abgefüllt werden kann.

„Gemeinsam und mit viel Initiative hat die BMI im zurückliegenden Geschäftsjahr zukunftsweisende Projekte umgesetzt und damit die Stärke des Genossenschaftsgedanken einmal mehr unter Beweis gestellt“, betont Vorstandsvorsitzender Peter Hartmann: „Der Rückhalt und das Vertrauen unserer Mitglieder sind für uns ein wichtiges Gut, denn die Herausforderungen werden künftig sicher nicht kleiner werden.“

Zwar haben sich die Erlöse für konventionelle Molkenpulverderivate im ersten Halbjahr 2019 deutlich erholt. Jedoch zeigen milchbasierte Produkte uneinheitliche Tendenzen. Diese auseinanderfallenden Preisentwicklungen einzelner Segmente werden sich je nach Produktangebot unterschiedlich auf die einzelnen Marktteilnehmer auswirken. Mit ihrer Drei-Sparten-Strategie und hoher Biokompetenz ist die BMI stabil aufgestellt, um der Verantwortung gegenüber ihren Mitgliedern gerecht zu werden.

Bei den Wahlen zum Vorstand ist Markus Häßlein, bei den Wahlen für den Aufsichtsrat Werner Naser mit überwältigender Mehrheit in ihren Ämtern bestätigt worden.

Grußworte sprachen bei der Versamsmlung Stadträtin Jutta Striffler, Wolfgang Kerwagen vom Amt für Landwirtschaft in Ansbach und der Aufsichtsratsvorsitzende der BMI, Heinz Saalfrank.

Ziel und Kern der dabei getroffenen Aussagen und Beiträge: Trotz aller Widrigkeiten und immer neuer Auflagen und Schwierigkeiten (Düngeverordnung, Tierwohldiskussion, Qualitäts- und Hygienebestimmungen usw.) bei anhaltend geringer Vergütung der erzeugten Milch gelte es, den Milcherzeugern Mut zuzusprechen und sie zum Weitermachen anzuhalten.

Hartmann und Harzenetter sind geeehrt worden

Zwei Ehrungen standen am Ende: BMI-Vorstandssprecher Peter Hartmann geht Ende Juli in den Ruhestand. Er hat vor zehn Jahren den Vorstandsposten angetreten und das Unternehmen in einer schwierigen Lage 2009 übernommen. Mit Investitionen und Innovationen hat er wichtige Signale in Richtung Modernisierung gesetzt.

Gertrud Harzenetter war Ansprechpartnerin für die Landwirte. Sie ist seit Anfang 2019 im Ruhestand. Seit 1974 war sie bei  der BMI und deren Vorgängerunternehmen beschäftigt, fungierte als Ansprechpartnerin und Betreuerin für alle Sorgen und Nöte der Landwirte in Rothenburg und Umgebung.          -ww-

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