Immer wieder ein Ereignis

Großes Engagement bei den Rothenburger Pfingstfestspielen

ROTHENBURG – Ein Außenseiter wurde bei den Pfingstfestspielen zum Liebling des Publikums.  Beim Heereszug am Pfingstsonntag streikte das Pferd an der Scharfrichter-Kutsche, weil es keine Lust mehr hatte. Nach dem Obere-Schmiedgasse-Anstieg blieb das Zugtier einfach am Marktplatz stehen und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Die Marketenderinnen singen Liebes-, Sehnsuchts- und deftige Sauf- und Gassenlieder.

Die Marketenderinnen singen Liebes-, Sehnsuchts- und deftige Sauf- und Gassenlieder.

Feldmarschall und Henker mühten sich vergeblich mit gutem Zureden und ein paar Streicheleinheiten, den Schwarz­braunen zum Weiterlaufen zu bewegen. Erst als er vom Wagen abgespannt wurde, trabte der Kaltblüter von Frauenhand geführt willig vorwärts und überließ es der Historiengruppe, ihren hölzernen Wagen mit Muskelkraft zur Festwiese zu ziehen. Begleitet vom Gelächter und Applaus des Publikums. Die besten Erlebnisse sind umsonst zu haben und stehen in keinem Reiseführer. Seien es zufällige Begegnungen oder Entdeckungen, die in Erinnerung bleiben. Die bekannte Fernsehmoderatorin Carolin Reiber verbrachte mit Sohn, Schwiegertochter und zwei Enkelkindern einen Kurzurlaub in Rothenburg und zeigte sich entspannt und volksnah. Die aparte Müchnerin fällt auf mit ihrer schlanken und gepflegten Erscheinung. Sie beeindruckt mit schlichter Eleganz, aber auch als interessante und interessierte Gesprächspartnerin mit einer Vorliebe für Geschichte und heimatliche Arbeit. Fünfmal war sie schon in Rothenburg. Dreimal zu Moderationen und zweimal privat an Pfingsten. Es gab ein freudiges Wiedersehen mit dem ehemaligen Ratsherrn Kurt Held nach 38 Jahren. Carolin Reiber verbrachte 1977 schon einmal das Pfingstfest in Rothenburg. Seinerzeit mit ihrem Mann, der im letzten Jahr verstarb, und den beiden gemeinsamen Söhnen. Mit dem jüngsten Besuch knüpfte sie an diese schöne Erinnerung an. Zur illustren Gästeschar gehörte auch Ursula Gräfin zu Pappenheim, denn im Bühnenstück „Der Meistertrunk“ spielt mit Generalfeldmarschall Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim ein Vertreter des fränkisch-schwäbischen Adelsgeschlechts eine gewichtige Rolle. Festspiel-Presse­sprecher Benny Babel, der rührig für den Historienverein wirbt und neue Kontakte knüpft, hatte die 89-jährige rüstige Adelige aus Pappenheim an der Altmühl bei einer Veranstaltung in Treuchtlingen kennengelernt und nach Rothenburg zu einer Aufführung in den Kaisersaal eingeladen. Sie kam mit ritterlichem Geleit.

 Hingucker: Auf gefleckten Knabstruppern reiten und balancieren die Kroaten an Pfingsten. Fotos: Schäfer

Hingucker: Auf gefleckten Knabstruppern reiten und balancieren die Kroaten an Pfingsten. Fotos: Schäfer

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kam aus Erlangen angereist und wurde im Rathaus mit musikalischen Ehren durch das Festspiel empfangen. Vor vier Jahren war er schon einmal Pfingstgast. Die CSU mit Dr. Wolfgang Scheurer und Silke Sagmeister-Eberlein konnte ihn bei einem kurzen Ortstermin vor der Luitpoldschule als Fürsprecher für den „Campus Rothenburg“ gewinnen. Angetan von dem „attraktiven Angebot und und sinnvollen Konzept“ versprach der Staatsminister, sich auch in seiner Funktion als mittelfränkischer CSU-Bezirksvositzender und Vorsitzender des Tourismusverbandes Franken für die Bewerbung einzusetzen. Gemeinsam mit weiteren geladenen Gästen aus Russland, Japan und Italien, darunter Künstler aus Uchiko und Susdals Oberbürgermeister Igor Kekh­ter versammelte sich die Rothenburger Stadtspitze auf dem Rat­hausbalkon und bot gute Sicht auf den Heereszug. Als Gastgeschenke bekamen die „Promis“ kleine Glaskrüge mit „Meistertrunk“-Gravur und Mini-Schneeballen von der Bäckerei Striffler überreicht.

Rund 30000 Zuschauer säumten nach polizeilichen Schätzungen den Weg des Festumzuges und sorgten gut gelaunt mit ihren Gastgebern für eine fröhliche Stimmung. Stadt und Festspiel präsentierten Rothenburg als lebendige und engagierte Kleinstadt. In den Historiengruppen wirken drei Generationen zusammen und bilden eine bunte Gemeinschaft von Alt und Jung. Die Mitwirkenden bieten abwechslungsreiche Szenen in der Altstadt und im Feldlager und begeis- tern das Publikum alljährlich aufs Neue. Als belebendes Element hat sich die Verknüpfung der Kontakte mit dem Umland und der Landhege erwiesen. Festspieler mit Fanfaren und Trompeten, Ratsherrn und Bauersleut’ mit Kühen, kleiner Schafherde und zwei Eseln versammelten sich am gestrigen Vormittag als buntes Zeichen für ein gutes Miteinander auf dem Marktplatz. Bis dahin hatte man richtig Glück mit dem Wetter. Heftige Schauer setzten der Glückssträhne dann ein Ende. sis

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