Am Ende zählt der Mensch

Hospizverein informiert über die Begleitung in der letzten Phase des Lebens

ROTHENBURG – Ängste am Lebensende nehmen: Dieses Ziel haben sich der Hospizverein Rothenburg und seine ehrenamtlichen Helfer auf die Fahnen geschrieben. Anlässlich des Welthospiztags an diesem Samstag und dem Deutschen Hospiztag am Mittwoch, 14. Oktober, wollen sie über ihre Arbeit informieren und Berührungsängste abbauen, denn Hospizbegleiter „bringen nicht den Tod, sondern das Leben“.

Wollen über Hospizarbeit informieren: Petra Underbrink und Uschi Memhardt.  Foto: mes

Wollen über Hospizarbeit informieren: Petra Underbrink und Uschi Memhardt. Foto: mes

Der Tod trifft früher oder später jeden Menschen. Dennoch ist es für viele ein Tabu, ohne konkreten Anlass auch darüber zu sprechen. Dabei könnte man einen Teil der Ängste und Unsicherheiten, die dieser letzte Abschnitt des Lebens mit sich bringt, für sich selbst und seine Angehörigen aus der Welt schaffen, wenn man sich vorher damit befasst und offen miteinander darüber spricht.

Ganz ohne erhobenen Zeigefinger möchte der örtliche Hospizverein Menschen dazu bewegen, sich frühzeitig Gedanken zu diesem Thema zu machen. Vorsitzende Petra Underbrink und Hospizfachkraft Uschi Memhardt wissen aus der Praxis, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, was bei der Begleitung zuhause alles möglich ist – auch mit Unterstützung der Hospizbegleiter. Sie wollen nun verstärkt in die Öffentlichkeit gehen und die „Hospizbewegung voranbringen“.

Die erste Aktion hierfür findet an diesem Samstag, dem Welthospiztag, von 10 bis 12 Uhr im „Zentro“ vor der Landwehr-Apotheke statt. Mit der Installation „Bevor ich sterbe möchte ich…“ wird Interessierten die Möglichkeit gegeben, ihre Lebensträume auf Tafeln aufzuschreiben. Ganz zwanglos kann sich daraus ein Austausch mit den anwesenden Hospizbegleitern entwickeln.

Am Mittwoch, 14. Oktober, um 19.30 Uhr wird dann anlässlich des Deutschen Hospiztags im Jakobsschulhaus der Spielfilm „Halt auf freier Strecke“ gezeigt. In dem mehrfach ausgezeichneten Werk wird eine Geschichte erzählt, „die im Tod das Leben feiert“. Es ist ein Film, der aufrüttelt, aber nicht „runter zieht“ und auch offen macht, dass Angehörige in der Sterbebegleitung Schwäche zeigen (können). Im Anschluss wird es einen Austausch über den Film geben, den die Psychotherapeutin Katrin Wegener-Wick moderiert.

Den Ehrenamtlichen ist wichtig, dass ein Umdenken stattfindet. Bei der Begleitung unheilbar kranker Menschen ist der Tod unausweichlich. Auch wenn es nicht so ist, dass „sofort gestorben wird“, sobald die Hospizbegleiter sich jemandes annehmen. Es gibt mitunter Fälle, wo die Begleitung bereits mehrere Jahre andauert. In der Phase der Begleitung sollten nicht die Symptome das Bestimmende sein, sondern der Mensch, erklärt Uschi Memhardt. Die Frage an den Sterbenden „Was willst du?“, sei dabei zentral, ergänzt Petra Underbrink.

So beinhaltet die Arbeit der Hospizbegleiter oftmals auch den Betroffenen Herzenswünsche zu erfüllen. Sei es dem unheilbar Kranken zu ermöglichen, ein letztes Mal sein Elternhaus wie­derzusehen oder für die kleinen Kinder einer jungen, schwerkranken Mutter die Geschenke bis zu deren 18. Geburtstag einzupacken. Durch die gemeinsamen Gespräche entsteht eine Beziehung. Die Ehrenamtlichen können so auch Mittler zwischen dem Betroffenen und seinen Angehörigen sein, indem sie dem Unausgesprochenem Raum geben.

Sterben in Würde

Ein Teil des Mottos des Welthospiztags ist „Wir können den Tod nicht abschaffen, würdeloses Sterben aber schon“. Für den Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband gehören zu einem Sterben in Würde eine „größtmögliche Autonomie bis zuletzt, Schmerzfreiheit und gleichzeitig Geborgenheit in vertrauter Umgebung und im Kreis der Familie und Freunde“.

Ein wichtiger Arbeitsbereich für die Hospizbewegung ist es, zum einen die Politik auf sich aufmerksam zu machen, um von ihr gestärkt und besser finanziert zu werden. Sie fordert, dass jedem Menschen, unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung, der persönlichen Lebenssituation oder vom Versorgungsort eine qualitativ hochwertige palliative und hospizliche Behandlung und Begleitung zur Verfügung steht. Zum anderen muss in der Gesellschaft das Vorurteil abgebaut werden, dass Hospizarbeit dasselbe wie Sterbehilfe sei.

Es gehe bei der Hospizarbeit auch darum, dass der Sterbende und seine Angehörigen es „gut miteinander haben“, betont Petra Underbrink. Hospizbegleiter kümmern sich deshalb nicht nur um den Sterbenden, sondern helfen auch die Angehörigen zu entlasten. Denn aus dem liebevollen Umsorgen kann auch ein Übersorgen werden. Die Angehörigen schalten dabei in den Funktionsmodus und geraten in die „Pflegemühle“. Die Ehrenamtlichen versuchen dann den Betroffenen „Mut zur Lücke“ zu machen: „Wenn es heute mal etwas weniger ist was Sie machen, passt das auch.“

Unverkrampft darüber sprechen zu können, wie man sich das eigene Lebensende vorstellt, entlastet alle Beteiligten. Gerade auch für die Angehörigen und nahestehenden Personen mag es tröstlich sein zu wissen, dass sie etwas für den Sterbenden in seinem Sinne tun können. Ebenso kann eine Verständigung über Abschiedsrituale allen Beteiligten Halt und Orientierung in diesen schweren Stunden geben.

Auch nach dem Tod sind die Hospizbegleiter an der Seite der Hinterbliebenen. Uschi Memhardt etwa hat sich hierfür zusätzlich in der Trauerbegleitung ausbilden lassen. Der Wunsch des Hospizvereins ist es, im kommenden Jahr eine Art „Trauercafé“ anzubieten, an dem jeder mit dem Bedürfnis sich auszutauschen, teilnehmen kann. Es bestehe Bedarf, weiß Petra Underbrink. Momentan ist der Verein in der Stadt auf der Suche nach einem passenden Raum für dieses Projekt, der aber auch allgemein für fachliche Gespräche und Beratungen genutzt werden kann.

Seit 2002 setzt sich der Rothenburger Hospizverein dafür ein, Schwerstkranken und sterbenden Menschen die letzte Zeit ihres Lebens so würdevoll wie möglich zu gestalten. Etwa 100 passive Mitglieder unterstützen den Verein. Aktiv im Einsatz sind momentan 34 Hospizbegleiter. Im vergangenen Jahr hatten sie insgesamt 984 Einsätze. Das sind zusammen 1450 Stunden ihrer Zeit, die sie mit Betroffenen und deren Angehörigen geteilt haben.

Dem Verein liegen wieder zehn Anfragen für eine Ausbildung zum Hospizbegleiter vor. Und zwei bereits aktive Ehrenamtliche legten kürzlich eine Kinderhospizhelferschulung ab. Für Fragen steht der Verein stets zur Verfügung. Hospizfachkraft Uschi Memhardt kann telefonisch unter 0150 / 54809353 kontaktiert werden. Elektronische Post erreicht über „hospizverein-rothenburg@web.de“ den Verein. mes

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